Imagekampagne bei iPhone-Hersteller "I love Foxconn"

Eine Selbstmordserie hat den iPhone-Hersteller Foxconn in die Schlagzeilen gebracht. Jetzt versucht der Konzern sein angekratztes Image aufzupolieren, mit verbesserten Arbeitsbedingungen und einer seltsam anmutenden Massenversammlung - das Motto: "Schätze dein Leben, liebe deine Familie".

AP

Shenzhen - Die Bilder wirken skurril: Normalerweise verbringen die jungen Arbeiter ihre Tage damit, iPhones und andere High-Tech-Geräte zu fertigen - doch an diesem Tag haben sie sich auf dem Foxconn-Gelände in der südchinesischen Stadt Shenzhen versammelt, tragen T-Shirts mit der Aufschrift "I love Foxconn", winken mit roten Herzen aus Plastik und skandieren Parolen wie "Schätze dein Leben, liebe deine Familie".

Ziel der Aktion: Sie soll die Moral bei den Arbeitern heben und das angekratzte Image des Konzerns aufpolieren. Denn Foxconn wurde zuletzt heftig kritisiert, nachdem sich rund ein Dutzend Arbeiter der Fabrik in Shenzhen das Leben genommen hatte. Die Selbstmorde lösten eine Diskussion über die Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne und einen als "militärisch" beschriebenen Managementstil bei Foxconn aus. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück - und tut alles, um gute Schlagzeilen zu bekommen.

Zu der Versammlung am Mittwoch im riesigen Industriepark von Shenzhen waren daher auch rund 20.000 Arbeiter gekommen. Sie trugen Kostüme - vom Cheerleader-Outfit bis zu viktorianischen Kleidern. Die Selbstmordserie und die Negativ-Presse haben Foxconn getroffen: "Für lange Zeit waren wir von unserem Erfolg geblendet", sagt Louis Woo, persönlicher Assistent des Gründers der Foxconn-Muttergesellschaft.

Bis zu 400.000 Arbeitsplätze

Nach den Selbstmorden wurden die Löhne für die Mitarbeiter bereits Anfang des Sommers zum Teil verdoppelt - jedoch ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Als eine weitere Reaktion will das Unternehmen nun neue Fabriken näher am Wohnort seiner Arbeiter bauen. Derzeit arbeitet etwa die Hälfte der rund 900.000 Mitarbeiter in Shenzhen. Vor allem chinesische Experten hatten als mögliche Ursache für die Selbstmorde auf die persönliche Isolation vieler junger Arbeiter hingewiesen, die ihr soziales Umfeld aufgegeben haben, um in der Riesenfabrik zu arbeiten. Das Unternehmen hat mittlerweile Berater angeheuert und installiert Sicherheitsnetze an Gebäuden.

Auch in anderen Punkten will der Konzern jetzt nachbessern: Die Änderungen betreffen Job-Rotationen, damit die Arbeiter verschiedene Aufgaben übernehmen können. In den Wohnheimen erfolgt die Zuordnung nach Heimatprovinzen, damit die Arbeiter sich nicht so isoliert fühlen. "Doch egal, wie sehr wir uns auch bemühen, solche Dinge werden auch weiterhin passieren ", sagt Woo.

Der Konzern aus Taiwan produziert für westliche Elektronik-Giganten wie Apple, Hewlett-Packard oder Dell. Der weltgrößte Elektronik-Hersteller will bis zu 400.000 neue Arbeiter einstellen. Die Mitarbeiterzahl in China solle binnen eines Jahres auf 1,2 bis 1,3 Millionen steigen, sagte ein ranghoher Foxconn-Vertreter der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg. Auslöser sei ein sprunghafter Geschäftsanstieg - im ersten Halbjahr schoss der Umsatz um die Hälfte in die Höhe.

Arbeitsrechtler reichen die Anstrengungen nicht

"In der Vergangenheit hatten wir während der Arbeitszeit nicht wirklich eine Pause", sagt der 18-Jährige Huang Juni bei der Versammlung am Mittwoch, "doch nun bekommen wir genug Zeit, uns auszuruhen." Zudem fühle er sich besser und weniger gestresst, wenn er etwas früher nach Hause gehen kann. Kollegen des Arbeiters möchten, das Foxconn mehr Freizeitaktivitäten wie Sport oder Karaoke organisiert. Woo sagt, das Unternehmen verfolge das Ziel, die Arbeitsbelastung der Angestellten zu verringern.

Ein Sprecher des China Labour Bulletin, einer Arbeitsrechtsvereinigung mit Sitz in Hongkong, sieht in der Massenversammlung in Shenzhen keinen Ersatz für die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen. "Ich glaube nicht, dass die heutige Veranstaltung etwas erreichen wird - außer ein bisschen Theater", sagt Geoffrey Crothall. "Was Foxconn im Grunde tun muss, ist, die Arbeiter wie anständige Menschen zu behandeln und ihnen einen anständigen Lohn zu zahlen. Das ist kein Hexenwerk."

wit/AP/dpa



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Emmi 19.08.2010
1. 1,4 Mio Mitarbeiter!?
1,4 Mio Mitarbeiter!? Was haben denn die da für ne Personalabteilung!?
PeteLustig, 19.08.2010
2. .
Gemessen am Verhältnis Angestelltenanzahl/Suizide wirkten die Selbstmordserien bei France Telecom (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,655393,00.html) und Renault (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/selbstmordserie-bei-renault/820156.html) sich bedeutend gravierender aus.
aldente 19.08.2010
3. Zahlen...
Zitat von PeteLustigGemessen am Verhältnis Angestelltenanzahl/Suizide wirkten die Selbstmordserien bei France Telecom (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,655393,00.html) und Renault (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/selbstmordserie-bei-renault/820156.html) sich bedeutend gravierender aus.
Richtig, man muss den Suizid-Quotioen schon korrekt quantitativ auswerten, um auf vergleichbare Zahlen kommen. Außerdem muss man auch noch den Asiaten-Umrechnungsfaktor berücksichtigen: Ein europäischer Selbstmord ist schließlich 2,5-mal so tragisch, wie ein asiatischer!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.