Imageschaden H&M zerschneidet unverkäufliche Winterkleidung

Die schwedische Modekette H&M steht unter massivem Druck: Mitarbeiter einer New Yorker Filiale hatten unverkaufte Winterware in Stücke geschnitten und entsorgt. Jetzt sieht sich der Bekleidungsdiscounter als asozial gebrandmarkt, der frierende Obdachlose im Stich lässt.
H&M-Shop: Proteststurm im Internet

H&M-Shop: Proteststurm im Internet

Foto: NIR ELIAS/ REUTERS

New York - Den Stein brachte Cynthia Magnus ins Rollen: Die Studentin der City University of New York hatte in der Nähe einer großen H&M-Filiale Säcke vollgestopft mit Winterkleidung gefunden. Bei genauerer Untersuchung entpuppten sich die Sachen als neuwertig - wenn sie nicht mutwillig zerstört worden wären. Bei Handschuhen seien die Finger abgeschnitten, bei Jacken war die Wattierung herausgerissen worden, erzählte die Studentin der "New York Times". Sie fand auch Säcke mit zerschnittener Kleidung, die von dem Handelsriesen Wal-Mart   stammte.

Magnus fand, dass die Sachen viel besser einem guten Zweck hätten zugeführt werden können. Schließlich macht die klirrende Kälte in New York Tausenden Obdachlosen schwer zu schaffen. Sie machte ihrem Ärger in einem Protestschreiben an die H&M-Zentrale in Stockholm Luft - von dort kam jedoch keine Reaktion.

Im Internetnetzwerk Facebook fand die engagierte Studentin jedoch ein größeres Echo. Boykottaufrufe machten die Runde. Der erste Erklärungsversuch eines Unternehmenssprechers brachte die Öffentlichkeit noch mehr in Wallung. Die Kleidung hätte nicht gespendet werden können, weil sie bestimmten Qualitätsnormen nicht entsprochen habe, erklärte das Unternehmen. Die Modekette werde jedoch daran arbeiten, ihre bisherige Praxis zu ändern.

Angesichts des drohenden Imageverlusts trat H&M jetzt die Flucht nach vorn an: Man werde sicherstellen, dass das nicht noch einmal passiere, erklärte die Sprecherin der US-Dependance Nicole Christie der "New York Times". Geübte Praxis sei es, unverkaufte Ware an Hilfsorganisationen zu spenden. Sie könne sich nicht erklären, wie es zu der Zerstörung gekommen sei.

Auch Wal-Mart ist bemüht um seine Reputation. Sie könne nicht verstehen, warum ungetragene Kleidung entsorgt würde, erklärte Unternehmenssprecherin Melissa Hill. Normalerweise würde Wal-Mart diese Kleidung spenden.

Experten glauben jedoch nicht an ein "Versehen". Sie vermuten eher die Absicht dahinter, sich ungebetene Konkurrenz vom Hals zu halten. Denn nicht wenige Händler sammeln die Kleiderspenden ein, um sie dann zum Niedrigpreis weiterzuverkaufen.

New Yorks Bürgermeister Ed Koch hatte dem einst mit der Gründung der New York City Clothing Bank einen Riegel vorgeschoben. "Wir heißen Kleiderspenden von Wal-Mart oder H&M jederzeit willkommen", erklärte die Vorstandschefin Mary Lanning der "New York Times". "Wir werden dann jedes Kleidungsstück unbrauchbar für Wiederverkäufer machen - aber nicht für diejenigen, die sie brauchen."

mik
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