Bauboom Investoren stürzen sich auf Mehrfamilienhäuser

In Deutschland stecken Investoren weiter viel Geld in Häuser und Wohnungen. Neuen Zahlen zufolge wurden 2016 Immobilien für mehr als 210 Milliarden Euro gehandelt. Besonders Investitionen in Mehrfamilienhäuser legen zu.

Neubau in Leipzig
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Neubau in Leipzig


Im vergangenen Jahr dürften in Deutschland Immobilien für mehr als 210 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt haben, wie die amtlichen Gutachterausschüsse schätzen. "Es ist nicht absehbar, dass das Investitionsvolumen zurückgeht", sagte Peter Ache, der Geschäftsstellenleiter des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse. Dort werden seit 2007 bundesweite Zahlen erhoben.

Das Investitionsverhalten habe viel mit der Zinsentwicklung zu tun, sagte Ache. "Wir beobachten sehr genau, was mit den Zinsen passiert." Auch wenn sie wieder leicht stiegen, sei aber längst nicht das Niveau erreicht, bei dem die Bundesbürger nicht mehr investierten. Steigerungen gebe es nicht nur in großen Städten, sondern auch in vielen ländlichen Gebieten.

Die Gefahr einer Immobilienblase sehen die Ausschüsse noch nicht. In bestimmten Städten seien die Märkte allerdings deutlich überhitzt. Ähnlich sieht das die Bundesbank. "Die Preisübertreibungen in den Städten betrugen gemäß aktuellen Schätzergebnissen im vergangenen Jahr zwischen 15 Prozent und 30 Prozent", schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht Februar. "Die Preisabweichungen nahmen vor allem bei Eigentumswohnungen in den Großstädten zu."

Der Arbeitskreis gewinnt seine Erkenntnisse aus den Kaufverträgen. Auffällig seien zunehmende Investitionen in Mehrfamilienhäuser, sagte Ache. Die Preise für Bauland zögen gerade in den Städten ungewöhnlich stark an. "Das sind die Investoren, die vermehrt ein Interesse daran haben, Mehrfamilienhäuser zu bauen", sagte Ache. Von der Zurückhaltung zu Zeiten der Finanzkrise ab 2007 sei nichts zu spüren.

Zugleich beobachten die Gutachter, dass Investoren geringere Renditen hinnehmen und Häuser kaufen, auch wenn sie nicht so viel Miete einnehmen können. So sei das Geld wenigstens dauerhaft mit sicherer Rendite angelegt. Auf den Finanzmärkten finden Investoren wegen der Niedrigzinsen kaum noch einträgliche Renditen.

Ein Ende des jahrelangen Miet- und Preisanstiegs sieht Ache nicht. "Ich gehe nicht davon aus, dass die Preise in den Städten stark verfallen", sagte er. "Und auch in den gut ausgebauten ländlichen Gebieten werden sie zumindest stabil bleiben."

dab/dpa



insgesamt 51 Beiträge
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Hartmut Schwensen 20.02.2017
1. Wenn die Zinsen steigen ...
... wird der Spuk bald vorbei sein. Dann werden Tränen fließen und zwar reichlich.
funny-smartie 20.02.2017
2. Im Zeitalter...
... der Niedrigzinsen ist es ja auch kein Wunder! Größere Gewerbeimmobilien sind bekannt dafür, dass nach 10 bis 15 Jahren (Erstanmieter sind draußen) entsprechender Leerstand besteht. Mietwohnungen werden immer wieder benötigt und sind zum Vermieten ein ideales Objekt. Meistens nach 10 Jahren, die Steuer lässt grüßen, werden ehemalige Neubauten zum Kauf angeboten, nachdem der bisherige Mieter die Schuldenlast "runterbezahlt" hat. Kommt noch eine kleinere bessere Immobilienpreisentwicklung dazu, dann kann für den Investor nichts schief gehen. Zumal man in den ersten Jahren bei einem Neubauobjekt mit weniger Instantsetzungskosten zu rechnen hat.
jallajalla 20.02.2017
3. Und der Staat verdient mit
Haben doch viele Länder die Grunderwerbssteuer in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die Steuer, wie auch die Kosten für neue Auflagen, müssen letztendlich die Mieter bezahlen. Da wirkt die sogenannte Mietpreisbremse wie ein Hohn.
der.tommy 20.02.2017
4.
Hätte man dieses sinnlos umhergeschobene Geld genommen und in die Erforschung der elektromobilität, der Kernfusion oder der Bekämpfung von alzheimer gesteckt, wir wären den jeweiligen Lösungen einen Riesen schritt näher. Aber nein, es muss noch der letzte Cent mögliche Gewinn herausgeschlagen werden, egal wie viel der Erwerb dieser Immobilien kostet und völlig egal ob die Immobilien massiv überbewertet sind. Dieser kapitalismus ist so unglaublich erbärmlich mittlerweile.
nordlys, 20.02.2017
5. Zinsen
Zitat von Hartmut Schwensen... wird der Spuk bald vorbei sein. Dann werden Tränen fließen und zwar reichlich.
Wenn die Zinsen steigen, werden bei * allen * Bürgern die Tränen fließen, nicht nur bei denen, deren Immobilienfinanzierung dann in Gefahr ist. Bei steigenden Zinsen ist es vorbei mit den Überschüssen im Haushalt, und zur Finanzierung der von den meisten Parteien angestrebten Weltrettung wird es breit angelegte Steuererhöhungen geben, denen sich niemand entziehen kann.
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