Immobilien-Finanzierung Experten erwarten steigende Bauzinsen

Dank Niedrigzinsen können viele Immobilienkäufer Wohnungen oder Häuser finanzieren. Unter anderem wegen der Inflation dürften Kredite nun teurer werden, sagen Experten. Interessenten sollten sich aber nicht verunsichern lassen.
Wohnungsbau in Berlin: Steigende Zinsen könnten Häuslebauer in Zukunft belasten

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Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Zinsen für die Finanzierung von Immobilienkäufen drohen 2022 zu steigen. Denn mit dem Anstieg der Inflation dürften die Bauzinsen etwas teurer werden. Experten raten Immobilienkäufern daher, sich günstige Konditionen lange zu sichern.

»Ich rechne damit, dass die Zinsen für Baufinanzierungen im kommenden Jahr um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte steigen«, sagt Max Herbst, Gründer der Frankfurter FMH-Finanzberatung. Doch selbst bei einem Anstieg der Bauzinsen in diesem Bereich seien die Konditionen »traumhaft«. Zinsen von mehr als drei Prozent sieht Herbst auf lange Sicht nicht kommen.

Kaum jemand glaube an stark steigende Zinsen an den Kapitalmärkten, doch mit der hohen Inflation stünden Zentralbanken unter Druck, ihre Geldpolitik zumindest zu straffen, sagt Herbst. Damit dürfte auch das allgemeine Zinsniveau steigen. Die US-Notenbank Fed hat zuletzt schon mehrere Zinserhöhungen für 2022 signalisiert. Und die EZB will ihr Corona-Notkaufprogramm für Anleihen Ende März auslaufen lassen. Sie rechnet im neuen Jahr mit einer deutlich höheren Inflation.

Neugeschäft der Banken zieht weiter an

Nach Angaben von FMH liegen die Zinsen für zehnjährige Baufinanzierungen derzeit im Schnitt bei knapp einem Prozent pro Jahr. Hausbauern rät Herbst lange Finanzierungen mit 15 bis 20 Jahren Laufzeit. »Weshalb das Risiko eingehen und die heute noch sehr guten Zinsen für langfristige Zinsbindungen nicht mitnehmen?«, meint er. Wer Immobilien dagegen nicht zum Eigennutz, sondern zur Kapitalanlage kaufe, könne auch zehnjährige Zinsbindungen wählen und so flexibler bleiben. »Vermutlich werden die Bauzinsen absehbar leicht schwanken.«

Auch Interhyp rechnet mit Zinsanstiegen. In seinem Trendbarometer, für das der Münchner Immobilienfinanzierer monatlich zehn deutsche Banken befragt, erwartet die große Mehrheit der Experten im Verlauf des neuen Jahres ein höheres Zinsniveau. Vorständin Mirjam Mohr rechnet auch wegen der geldpolitischen Schritte der EZB mittelfristig mit einem leichten Anstieg der Bauzinsen »im Bereich mehrerer Zehntelprozentpunkte«.

Interessenten mit konkreter Immobilie im Blick sollten sich von schwankenden Kreditkonditionen nicht verunsichern lassen, rät Mohr. Wichtiger sei eine solide Immobilie mit einer robusten Finanzierung. »Eigenkapital und Höhe der Tilgung sollten so gewählt sein, dass bei Ablauf der Zinsbindung schon so viel abbezahlt ist, dass die Finanzierung auch bei einem Zinsanstieg gut leistbar bleibt.«

Unterdessen hat sich der Boom bei Baufinanzierungen in Deutschland fortgesetzt, wie eine am Montag veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft PwC zeigt. Bei Immobilienkrediten stehe ein weiteres Rekordjahr bevor, heißt es darin. Demnach ist das Neugeschäft von Banken und Sparkassen mit Baufinanzierungen von Januar bis Oktober auf 235 Milliarden Euro gestiegen. Im Vorjahreszeitraum waren es 228 Milliarden Euro.

Der Bestand der Baufinanzierungen legte in den ersten zehn Monaten auf 1,47 Billionen Euro zu und übertrifft laut Angaben damit bereits das Volumen im gesamten Jahr 2020 (1,39 Billionen). »Niedrige Zinsen, eine hohe Sparquote und steigende Inflationsraten dürften sich weiter günstig auf den Wachstumstrend bei Baufinanzierungen auswirken«, sagt Tomas Rederer, Partner bei PwC Deutschland.

Steigende Zinsen treffen Käufer, wenn ihre Finanzierung ausläuft, die Immobilie aber noch nicht abbezahlt ist. Dann können die Zinsen für die Restschuld klettern. Bei schnellen Zinsanstiegen oder auf Kante genähten Finanzierungen kann das gefährlich werden. Bei einem Anstieg der Bauzinsen um 0,2 Prozentpunkte würde die Monatsrate bei einer Finanzierung über 400.000 Euro um 67 Euro im Monat steigen, rechnet Herbst von FMH vor. »Wenn die Finanzierung daran scheitert, sollte man es lieber gleich bleiben lassen.«

apr/dpa