Die Immobilienbranche im Jahr 2020 Zu viel Geld ist das Problem

Massenhaft Geld, spärliches Angebot. Das Hauptproblem des Immobilienmarktes wird auch 2020 ungelöst bleiben. Für Wohnungssuchende bedeutet das maximalen Stress.
Baustelle in Berlin: Traum vom Eigenheim rückt in weite Ferne

Baustelle in Berlin: Traum vom Eigenheim rückt in weite Ferne

Foto: John Macdougall/ AFP

Wie wird das kommende Jahr für die Wirtschaft? Lesen Sie unseren Ausblick für sechs Branchen - die übrigen fünf finden Sie unter dem Text.

Das jüngste Gutachten des Bundesbauinstituts wirkt wie eine Alarmmeldung für alle, die den Kauf einer Immobilie bislang aufgeschoben haben: Der Traum vom Eigenheim rückt Jahr für Jahr in größere Ferne. Seit 2009 verzeichneten die Marktbeobachter einen durchschnittlichen Preisanstieg von 4,3 Prozent jährlich, Eigentumswohnungen und Grundstücke wurden sogar noch teurer. Die normalen Löhne konnten mit dieser Entwicklung zu keinem Zeitpunkt Schritt halten. Allenfalls ein echter Karriereschritt, eine Erbschaft oder ein Lottogewinn vermag die Lücke zu schließen.

Derzeit deutet auch nichts darauf hin, dass sich die Situation entspannt, denn an den Rahmenbedingungen wird sich so schnell kaum etwas ändern. Der Zuzug in die Ballungsräume sorgt für eine rasant steigende Nachfrage nach Wohnraum, ganz gleich, ob als Eigentum oder zur Miete.

Das Ungleichgewicht ließe sich nur durch Neubauten ausgleichen, doch das ist leichter gesagt als getan. In den Städten gibt es kaum noch Flächen, die sich dafür eignen, und die sogenannte Nachverdichtung, also zusätzliche Stockwerke, Anbauten oder die Errichtung von Gebäuden zum Beispiel auf ehemaligen Friedhöfen stößt auf massiven Widerstand der Anwohner. Hinzu kommen lange Genehmigungsverfahren und komplizierte Bauvorschriften. Und am Ende lässt sich kaum eine Baufirma finden, die noch Kapazitäten frei hat.

Internationale Investoren drängen auf den Markt

Ein anderer Faktor wirkt sich jedoch noch ungleich stärker auf die Preise aus: Mehr denn je drängen institutionelle Anleger auf den Markt, die über schier unbegrenzte Geldsummen verfügen. Das sind zum Teil Spekulanten, die auf schnellen Gewinn aus sind, hauptsächlich aber Pensionskassen und Versicherungen, die, was die Sicherheit ihrer Anlagen betrifft, strenge Vorgaben einhalten müssen. Angesichts der Minuszins-Politik der Europäischen Zentralbank bleiben ihnen nur noch wenige Alternativen, das ihnen anvertraute Geld so anzulegen, dass zumindest eine Mini-Rendite herausspringt.

Die Summen, die den Markt überschwemmen, sind gewaltig. Im vergangenen Jahr wechselten in Deutschland Immobilien im Rekordwert von 269 Milliarden Euro den Besitzer, wie das Bundesbauinstitut berichtet. Mehr als zwei Drittel davon betrafen private Wohnungen und Häuser.

Zunehmend schielen auch internationale Investoren auf den deutschen Markt, denn das Land gilt als stabil und die Gerichte als berechenbar. Weltweit liegen auf den Konten solcher Investoren mehr als 320 Milliarden Dollar, die für Neuanschaffungen reserviert sind, schreiben die Experten des internationalen Beratungsunternehmens JLL in ihrer Jahresanalyse. Hinzu kommt im nächsten Jahr eine Summe von rund 125 Milliarden Euro aus auslaufenden Staatsanleihen, die neu angelegt werden müssen.

Wertzuwachs bringt Rendite

Auch wenn davon natürlich nur ein Teil nach Deutschland fließt, dürften die Auswirkungen erheblich sein. Und da das Angebot kaum wächst, werden die ohnehin hohen Immobilienpreise weiter steigen. Die Frage, ob die Mieten die hohen Kapitalkosten wieder hereinspielen, scheint für die Anleger inzwischen nur noch von untergeordneter Bedeutung zu sein. Sie hoffen vielmehr darauf, dass der Wertzuwachs des Gebäudes die Rendite einspielt.

Natürlich wird die Entwicklung nicht ewig so weitergehen, doch die Grenze sehen Experten noch nicht erreicht. Für Privatleute auf der Suche nach einer Wohnung - egal ob zur Miete oder als Eigenheim - bedeutet das auch im Jahr 2020 maximalen Stress. Zumindest in den Großstädten werden sie froh sein müssen, wenn sie überhaupt eine Wohnung finden, in der sie sich wohlfühlen würden. Der Preis dürfte aber wehtun, in jedem Fall.

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