Studie zu Baukosten und Mieten Staat macht das Wohnen teuer

Die Baukosten für ein Mehrfamilienhaus belaufen sich laut einer Studie auf 3080 Euro pro Quadratmeter - 40 Prozent mehr als im Jahr 2000. Schuld ist der Staat, beklagt ein Bündnis aus Baubranche und Mieterbund.
Bau von Wohnhäusern in Köln: Kostentreiber Staat

Bau von Wohnhäusern in Köln: Kostentreiber Staat

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Der Wohnungsbau in Deutschland ist teuer und kompliziert: Wer heute ein Mehrfamilienhaus baut, muss einer Studie zufolge mehr als 100.000 Seiten an Normen und Verordnungen kennen und beachten - und deutlich mehr zahlen. Je Quadratmeter in einem Mehrfamilienhaus haben die Bauherren demnach im vergangenen Jahr 3080 Euro ausgegeben, 40 Prozent mehr als im Jahr 2000, wie ein Bündnis aus Wohnungsunternehmen, Baubranche und Deutschem Mieterbund errechnen ließ. Wohnungen zu bezahlbaren Mieten seien zu diesen Baukosten nicht möglich, kritisierte das Bündnis.

Die reinen Baupreise seien im gleichen Zeitraum lediglich um rund 27 Prozent gestiegen - ähnlich wie die Lebenshaltungskosten. Die zusätzliche Kostensteigerung ist der Studie "Kostentreiber für den Wohnungsbau" zufolge überwiegend "staatlich gemacht": Bund, Länder und Kommunen hätten den Wohnungsbau in den vergangenen Jahren durch Gesetze, Verordnungen, Auflagen, Steuern und Materialanforderungen enorm verteuert.

In dem Verbändebündnis Wohnungsbau haben sich der Deutsche Mieterbund (DMB), die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) zusammengeschlossen.

Gemeinsam haben sie die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) in Kiel und Baurechtsexperten der Düsseldorfer Kanzlei HFK Rechtsanwälte LLP mit der Kostenanalyse beauftragt.

Die Untersuchung errechnet am Beispiel eines Mustermehrfamilienhauses einen Anstieg der Neubaukosten pro Quadratmeter Wohnfläche von 2209 Euro im Jahr 2000 auf 3080 Euro im vergangenen Jahr. Die Studie nennt vier zentrale Kostentreiber:

  • Bauwerks- und Planungskosten: Die staatlichen Vorgaben für Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Brand- und Schallschutz, Schnee-, Sturm- und Erdbebensicherheit hätten die Kosten um 426 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erhöht.

  • Steuerliche und baurechtliche Vorgaben von Bund und Ländern schlagen der Studie zufolge mit 248 Euro mehr pro Quadratmeter Wohnfläche zu Buche.

  • Bauland: Die Kosten für Grund und Boden sind um 115 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gestiegen.

  • Auflagen der Kommunen: Eine Umfrage unter 370 Wohnungsunternehmen im Zuge der Studie hat ergeben, dass die Kommunen für einen Kostenanstieg von 82 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche verantwortlich sind.

Das Bündnis fordert Bund, Länder und Kommunen auf, "endlich einzugreifen, um das Wohnen für Haushalte mit durchschnittlichen und unteren Einkommen wieder erschwinglich zu machen". Es sei dringend notwendig, die Kostentreiber beim Wohnungsbau zu begrenzen.

nck