Drohende Pleite Spekulanten zocken um Immobilienkonzern IVG

Dem Immobilienkonzern IVG droht die Pleite, es wäre einer der größten Insolvenzfälle in Deutschland. Seit Wochen verhandelt das Unternehmen mit seinen Gläubigern - bisher vergeblich. Einige Hedgefonds und Investoren machen den Rettungskampf offenbar zur Pokerpartie.

Bonn - Es wird die Woche der Wahrheit für den Bonner Immobilienkonzern IVG: Nachdem schon am vergangenen Dienstag die offizielle Frist für eine Einigung mit Gläubigern auf einen Schuldenschnitt abgelaufen war, könnte nun Ende dieser Woche der Insolvenzantrag gestellt werden. So ist es aus Verhandlungskreisen zu hören.

Seit Wochen bemüht sich der Konzern um eine Einigung mit seinen Gläubigern, um seine erdrückende Schuldenlast zu senken. Verbindlichkeiten von mehr als vier Milliarden Euro lasten auf der IVG  , die mit einem verwalteten Immobilienvermögen von mehr als 20 Milliarden Euro zu den größten Unternehmen der Branche zählt. Käme es tatsächlich zur Pleite, so wäre es eine der größten, die es in Deutschland seit langem gegeben hat. Auf dem Spiel stehen eigene Objekte im Wert von rund fünf Milliarden Euro sowie das Schicksal von etwa 550 Mitarbeitern.

Um das Schlimmste abzuwenden, hatte die IVG lange mit ihren Geldgebern verhandelt. Im Rahmen eines sogenannten Debt-to-Equity-Swap sollten die Halter von Anleihen des Unternehmens auf Ansprüche verzichten und im Gegenzug Kapitalanteile an der IVG erhalten. 1,75 Milliarden Euro an Schulden, so die Hoffnung, könnten auf diese Weise verschwinden. Auf einer Hauptversammlung am 12. September sollten die Aktionäre einer möglichen Einigung zustimmen.

Doch der Plan konnte in der vorgesehen Zeit nicht realisiert werden. Denn ein Großteil der fraglichen Verbindlichkeiten der IVG wird inzwischen von Hedgefonds und Finanzinvestoren gehalten, die die Verhandlungen offenbar zu einer Pokerpartie machen. Der US-Investor Aurelius etwa, eigenen Angaben zufolge Halter von 30 Prozent einer 400-Millionen-Euro-IVG-Wandelanleihe, kritisierte das Vorhaben des Immobilienkonzerns vor wenigen Wochen öffentlich. Aurelius warf den Verantwortlichen eine Ungleichbehandlung der Geldgeber vor.

"Hedgefonds verhalten sich, als ginge es um ein Spiel"

Weil die Hedgefonds und Finanzinvestoren sich nicht über die Verteilung unter den Gläubigern einigen konnten, scheiterten die Verhandlungen. "Einige der Hedgefonds verhalten sich, als ginge es lediglich um ein großes Spiel", so der Insider.

Nach dem Scheitern der Gespräche hat die IVG ihren Gläubigern nun klargemacht, dass die Gesellschaft zwar noch nicht unmittelbar Insolvenz anmelden werde. Dazu wird zunächst eine Einschätzung der Kölner Anwaltskanzlei Görg abgewartet, die entscheiden soll, ob die "positive Fortführungsprognose" für die IVG nach Lage der Dinge noch aufrechterhalten werden kann.

Die Unternehmensleitung werde sich jedoch bereits verhalten wie im Insolvenzfall. Im Klartext heißt das: Die Firmenleitung geht über zur Notgeschäftsführung, bei der beispielsweise für vergangene Leistungen keine Rechnungen mehr beglichen werden. Bezahlt wird vielmehr nur noch, was für die unmittelbare Fortführung des Geschäfts nötig ist. Auf die Auszahlung der Gehälter indes habe dies zunächst keine Auswirkung, heißt es in Verhandlungskreisen.

Zudem hat die IVG den Gläubigern mitgeteilt, dass der Insolvenzantrag schneller kommen könnte, als gedacht. Die gesetzlich zulässige Maximalfrist von drei Wochen jedenfalls will der Vorstand nicht ausschöpfen, sagen Insider.

Zu wenig eigenes Kapital besorgt

Käme es tatsächlich zur Pleite, so wäre dies der Tiefpunkt einer Entwicklung, die bereits vor Jahren ihren Anfang genommen hat. Auf dem Höhepunkt des internationalen Immobilienbooms, in den Jahren 2006 und 2007, wurde auch die IVG bei der Finanzierung ihrer Projekte immer mutiger. Der Konzern setzte weniger Eigenkapital ein und schraubte den Kreditanteil stattdessen in die Höhe.

Die Folge: Das Verhältnis von Krediten zum Verkehrswert der Objekte, das sogenannte loan-to-value (LTV), stieg auf inzwischen mehr als 80 Prozent bedenklich an. Im Herbst 2012 kam das erste öffentliche Alarmzeichen: Mit der UBS   bot erstmals eine Bank einen IVG-Kredit zum Verkauf an - und zwar unter Inkaufnahme eines erheblichen Abschlags.

In den Jahren zuvor hatte die IVG mit dem hohen Krediteinsatz milliardenschwere Prestigeprojekte gestemmt, die dem Unternehmen bis heute größte Probleme bereiten. Prominente Beispiele sind der Komplex "The Squaire" am Frankfurter Flughafen sowie der Kauf von sieben Bürogebäuden von der Allianz Versicherung.

"Aus heutiger Sicht war es der Kardinalfehler der IVG, sich in den Jahren bis 2007 bei großen Projekten nicht gleichzeitig ausreichend frisches Eigenkapital besorgt zu haben", sagt Dieter Thomaschowski, der die Geschicke des Unternehmens schon seit Jahren beobachtet. "Andere Immobilienfirmen agieren da anders."

Einen Trost hat Thomaschowski allerdings: "Es ist rückblickend ein Glück, dass die IVG nicht auch den Bau des Berliner Flughafens übernommen hat, um den sie sich ebenfalls bemüht hatte", sagt er. "Das hätte die Probleme des Konzerns mit Sicherheit noch verschärft."

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