Dreimal so viel Geld wie 2019 Impfstoffentwickler sorgen für Finanzierungsrekord in Biotech-Branche

Mehr als drei Milliarden Euro sind im vergangenen Jahr in Biotechnologie-Unternehmen geflossen – so viel wie nie zuvor, zeigen Branchenzahlen. Mehr als die Hälfte der Gelder ging an zwei Unternehmen.
Mitarbeiter bei Biontech: Die Branche zieht Milliardeninvestitionen an.

Mitarbeiter bei Biontech: Die Branche zieht Milliardeninvestitionen an.

Foto: Stefan Albrecht / Biontech / dpa

Noch nie zuvor ist so viel Geld in die deutsche Biotechnologie-Branche geflossen wie im vergangenen Jahr – vor allem wegen der beiden Impfstoffentwickler Biontech und Curevac. Mehr als drei Milliarden Euro sammelte die Biotech-Industrie über Kapitalerhöhungen, die Börse oder Finanzinvestoren im ersten Jahr der Corona-Krise ein, wie der Branchenverband, die Biotechnologie-Industrie-Organisation (Bio Deutschland), am Donnerstag mitteilte.

Das war demnach mehr als dreimal so viel Geld wie 2019 und mehr als doppelt so viel wie 2018. Allerdings gingen rund die Hälfte dieser Finanzmittel im vergangenen Jahr ausschließlich an Biontech und Curevac, die rund 1,5 Milliarden Euro einsammelten. 300 Millionen Euro davon stammen aus Beteiligungen des Bundes an Curevac.

Zu wenig private Investoren

»Das heißt im Umkehrschluss, dass die restlichen Milliarden sich auf Hunderte andere Unternehmen aufteilen«, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Oliver Schacht, am Donnerstag in Berlin. Er wünsche sich deshalb mehr solcher Leuchttürme in Deutschland, und mutigere Kapitalgeber. Denn im Vergleich zu den USA seien private Investorinnen und Investoren in Deutschland auch aufgrund des hohen Kapitalbedarfs und Ausfallrisikos deutlich zurückhaltender.

»Die Pandemie hat jetzt eine disruptive Änderung gebracht«, sagte die Geschäftsführerin von Bio Deutschland, Viola Bronsema. Die Sichtbarkeit und Wertschätzung der Branche habe sich durch die Coronakrise deutlich erhöht. Deutschland brauche aber mehr Investoren wie den SAP-Gründer Dietmar Hopp und die Strüngmann-Brüder, die Firmen wie den Tübinger Impfstoff-Entwickler Curevac und Biontech mit Millionen unterstützt haben, als diese noch keiner breiten Öffentlichkeit bekannt waren.

Für große Unternehmen ist zu wenig Geld da

Während es im frühen Forschungsstadium für junge Start-ups und Unternehmen in der Branche noch zahlreiche Fördermöglichkeiten auch seitens des Bundes gebe, entstehe in späteren Phasen oft eine Finanzierungslücke . »Wir sind historisch schwach aufgestellt, wenn es darum geht, die Unternehmen groß werden zu lassen«, sagte Schacht. Für kapitalintensive Phasen, etwa bei groß angelegten Studien oder dem Aufbau von Produktionslinien, fehle häufig das Geld.

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Auch deshalb seien Börsengänge in Deutschland selten. Den Unternehmen fehle es an Größe. »Wir haben in den USA mehr börsennotierte Biotech-Unternehmen als in Deutschland insgesamt«, sagte Schacht.

Die Politik dürfe es vor allem Investorinnen und Investoren von außerhalb der EU nicht unnötig schwer machen, forderte der Verband deshalb. Fördertöpfe müssten zudem besser an die Branche angepasst werden. So fielen Biotech-Unternehmen häufig durchs Raster, weil sie etwa nicht die nötige Eigenkapitaldecke aufwiesen.

caw/dpa/Reuters