Imtech und Hauptstadtflughafen BER Das vorhersehbare Desaster

Die Pleite der deutschen Imtech-Tochter könnte den Bau des Pannenflughafens BER weiter verzögern. Die verantwortlichen Manager tun nun so, als sei das höhere Gewalt - dabei kommt auch dieses Problem nicht überraschend.

Hauptstadtflughafen BER: Erneute Verzögerung
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Hauptstadtflughafen BER: Erneute Verzögerung

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Da waren sie wieder, die von Sorgen gefurchten Gesichter, die Manager und Politiker gern zeigen, wenn beim Hauptstadtflughafen BER Hiobsbotschaften zu verkünden sind. Diesmal ist es die Insolvenz der deutschen Imtech-Tochter. Jenes Unternehmen, das maßgeblich für die immer noch nicht funktionierende Entrauchungsanlage verantwortlich ist, und deren bevorstehende Pleite nun die Fertigstellung des Airports erneut verzögern dürfte.

Doch wenn die Imtech-Pleite - wie manch andere angeblich unvorhersehbaren Störungen - Zeit- und Finanzpläne wieder mal zur Makulatur werden lässt, ist dafür vor allem das BER-Management verantwortlich, insbesondere die ehemaligen Geschäftsführer Rainer Schwarz und Hartmut Mehdorn. Und auch der Aufsichtsrat ist nicht ganz schuldlos - hier sitzen die Vertreter des Bundes sowie der Länder Berlin und Brandenburg.

Sie wussten, dass Imtech finanziell oft mehr als klamm war. Sie haben geduldet, dass das Unternehmen seine Finanzlöcher auf Kosten des Flughafens und damit letztlich des Steuerzahlers notdürftig stopfen konnte. Und selbst als Hinweise auftauchten, dass Imtech-Mitarbeiter einen leitenden BER-Mitarbeiter geschmiert haben sollen, zogen die Verantwortlichen keine klaren Konsequenzen.

Imtech hatte wiederholt Abschlagszahlungen in Millionenhöhe erhalten - ohne Belege für die angeblichen Bauleistungen vorlegen zu können. Die Flughafengesellschaft prüfte offenbar gar nicht oder nur sehr punktuell. Ende 2012 erhielt das Unternehmen noch einmal eine Vorauszahlung über 50 Millionen Euro, der Aufsichtsrat hatte die Zahlung genehmigt. Da kursierten in der Branche schon die ersten Pleite-Gerüchte.

Bedingung für die damalige Zahlung war, dass das Unternehmen bis 31. Mai 2013 Nachweise für Ausgaben in dieser Höhe vorlegt. Doch Imtech dachte nicht daran, oder konnte es vielleicht auch gar nicht. Dennoch verzichtete der neue Flughafenchef Mehdorn auf die Rückzahlung. Stattdessen wurden neue Fristen gesetzt, die Imtech wieder ungerührt verstreichen ließ. Konsequenzen: Keine.

Die Flughafengesellschaft hätte das Unternehmen längst einfach vor die Tür setzen sollen. Da hat der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses Martin Delius (Piraten) völlig recht. Die Arbeit machte ohnehin nicht Imtech, sie wurde von sage und schreibe 200 Subunternehmen geleistet. Soll es bei der Entrauchung weitergehen, muss die Flughafengesellschaft mit einigen von denen jetzt nach der Imtech-Insolvenz eigene Verträge schließen. Das hätte sie auch bereits vor drei Jahren machen können. Es wäre dem BER viel Geld und Ärger erspart geblieben.

insgesamt 114 Beiträge
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jackson22 07.08.2015
1. Wundert mich nicht...
In meiner Firma (die auch nicht wirklich perfekt ist) arbeiten drei Mitarbeiter die auch bereits bei Imtech gearbeitet haben. Diese berichten auch nur über Horrorgeschichten dort. Bemerkenswert wie viele Jahre das Desaster dort gut gegangen ist. Aber bei den Millionenzahlungen... Endlich wird nun ein Insolvenzverwalter die Kontrolle übernehmen. Damit wird wenigstens den obersten "Idioten" der Geldhahn zugedreht. Die "kleinen" Mitarbeiter sind wie immer die Leidtragenden. Mal sehen wie es mit der Konzernmutter in den Niederlanden weitergeht...
applefan 07.08.2015
2. Sehr umweltfreundlich!
BER, es ist eben der Flughafen mit den geringsten Flugzeugabgasen und dem geringsten Fluglärm und er bleibt es auch!!
fs123 07.08.2015
3. Korruptionsvorwürfe ...
Man muss sich einfach diesen Brief an Delius durchlesen, darin wird klar wie Imtech arbeitet (am BER und anderswo): https://ber.piratenfraktion-berlin.de/media/documents/2015_03_05_12_13_50.pdf
gigi76 07.08.2015
4. abgestumpft
Ja, man könnte sich jetzt wieder aufregen, über Inkompetenz, über weiter verschwendete Steuergelder, über zwielichtige Personen und Firmen, die sich weiter an dem Versagen der Auftraggeber bereichern. Aber man ist inzwischen abgestumpft und hofft einfach nur noch, dass dieses Trauerspiel irgendwann ein Ende hat. Ob der BER 2018, 2020 oder 2025 fertig wird, was spielt das noch für eine Rolle.
Aha!11!eins 07.08.2015
5.
Wie bei meinem Pfuschhandwerker um die Ecke. Da geht jedoch bloß um ein paar Tsd. Euro... Egal wo man hinschaut, Pfeifen gibt es überall. Sie zu erkennen gleicht einer Kunst.
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