Amtliche Zahlen Aufträge in der Industrie brechen um fast 16 Prozent ein

Es ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik 1991: Deutschlands Industrie hat in der Coronakrise so wenig Aufträge wie seit Jahrzehnten nicht verzeichnet. Viele schieben demnach Investitionen auf.
Montage in Turbinenwerk von Siemens: Konjunkturschock durch die Corona-Pandemie

Montage in Turbinenwerk von Siemens: Konjunkturschock durch die Corona-Pandemie

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Sebastian Kahnert/ DPA

Durch die Coronakrise sehen sich viele Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. In der Industrie ist die Lage zwar noch stabiler als bei Dienstleistern oder im Einzelhandel. Doch auch hier schlägt die Coronakrise inzwischen durch.

Das Neugeschäft ist durch die Pandemie in einem nie dagewesenen Tempo weggebrochen. Die produzierenden Unternehmen konnten im März 15,6 Prozent weniger Aufträge verzeichnen als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik 1991.

Ökonomen hatten nur mit einem Minus von zehn Prozent gerechnet. "Im Zuge des weltweiten Konjunkturschocks durch die Corona-Pandemie sowie der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung sind die industriellen Auftragseingänge im März drastisch eingebrochen", teilte das Ministerium mit. "Es ist von kräftigen Produktionsrückgängen ab März wegen Corona auszugehen." Im Vergleich zum März 2019 betrug der Rückgang 16 Prozent.

Aufträge fehlen im In- und Ausland

Weniger Aufträge kamen sowohl aus dem Ausland als auch aus dem Inland. Die Aufträge aus dem Inland sanken im März um 14,8 Prozent zum Vormonat. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen sogar um 16,1 Prozent zurück. Dabei sackten die Aufträge aus der Eurozone um 17,9 Prozent ab, die aus dem restlichen Ausland um 15,0 Prozent.

Besonders betroffen waren demnach die Produzenten von Investitionsgütern mit einem Minus von 22,6 Prozent. Kunden, die etwa neue Maschinen kaufen wollen, stellen solche Anschaffungen nun offenbar verbreitet zurück. Die Ordereingänge bei Konsum- und Vorleistungsgütern dagegen gingen nur um 1,3 Prozent beziehungsweise 7,5 Prozent zurück.

BDI fordert verbindliche Planung für Neustart

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) teilte mit, die Daten bestätigten "die schlimmsten Befürchtungen". "Die Industrie bricht so stark ein wie noch nie seit Bestehen des wiedervereinigten Deutschlands", teilte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang mit. Eine Erholung hin zum Niveau der wirtschaftlichen Aktivität vor der Krise sei gesamtwirtschaftlich erst 2022 machbar. "Jede Woche eines Shutdowns kostet die Volkswirtschaft einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung." Lang forderte für die Unternehmen eine verbindliche Planung für einen Neustart. Nur mit einer starken Industrie lasse sich die Rezession in Deutschland und Europa abfedern.

Die Ausbreitung des Virus und die Maßnahmen zur Eindämmung haben zuletzt Teile der Wirtschaft weitgehend lahmgelegt - auch weil Lieferketten unterbrochen wurden. Eine grundlegende Besserung ist nicht in Sicht. Darauf deuten die aktuellen Umfragen unter Industriebetrieben hin. Das Geschäftsklima fiel im April auf den niedrigsten Wert seit März 2009, wie das Ifo-Institut ermittelte.

apr/Reuters/AFP