Branche in Rezession Industrie baut zum ersten Mal seit 2010 Stellen ab

Weniger Produktion, weniger Mitarbeiter: Die deutsche Industrie ist im Abschwung - und reduziert erstmals seit neun Jahren die Zahl der Stellen. Allerdings geht die Beschäftigung nur sehr leicht zurück.
Mitarbeiter in der Eisengießerei in Meuselwitz (Thüringen): In der Erzeugung und Verarbeitung von Metall sank die Zahl der Beschäftigten überdurchschnittlich

Mitarbeiter in der Eisengießerei in Meuselwitz (Thüringen): In der Erzeugung und Verarbeitung von Metall sank die Zahl der Beschäftigten überdurchschnittlich

Foto: Martin Schutt/ DPA

Neun Jahre lang kannte die Beschäftigung in der deutschen Industrie nur eine Richtung - nach oben. Doch zuletzt sorgten Handelskonflikte, die schwache Weltkonjunktur und die Krise in der Autobranche für eine Rezession im exportabhängigen Verarbeitenden Gewerbe.

Im Oktober waren mit knapp 5,7 Millionen rund 9000 Mitarbeiter weniger in der Industrie beschäftigt als im gleichen Monat des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das entspricht einem Rückgang von 0,2 Prozent.

"Damit gab es im Verarbeitenden Gewerbe erstmals seit Dezember 2010 wieder einen leichten Rückgang der Beschäftigten", teilte das Statistische Bundesamt mit. Vor neun Jahren litt die Industrie noch unter den Nachwehen der weltweiten Finanzkrise. Allerdings schrumpfte die Produktion weitaus deutlicher als die Zahl der Stellen - im Oktober ging sie im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent zurück.

Die aufgeschlüsselten Beschäftigtenzahlen  spiegeln wider, dass die anhaltende Rezession der deutschen Industrie außer der schwächeren Weltkonjunktur auch auf hausgemachte Probleme der Autobranche zurückzuführen ist. Dort sank die Beschäftigtenzahl im Oktober um 1,1 Prozent. Nur bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen fiel der Rückgang mit minus 2,3 Prozent noch größer aus.

Keine schnelle Erholung erwartet

Die deutsche Autobranche hatte erst mit dem Dieselskandal, dann mit der Umstellung auf neue Abgasmessstandards zu kämpfen - und nun mit dem Trend zu Elektrofahrzeugen. Die Beschäftigung dürfte sich dadurch weiter verringern. Audi   und Daimler   haben bereits angekündigt, in den kommenden Jahren insgesamt etwa 20.000 Stellen zu streichen.

Auch für die gesamte Industrie ist zumindest kurzfristig kein Wachstum zu erwarten. Der Einkaufsmanagerindex des Instituts IHS Markit fiel im Dezember um 0,7 auf 43,4 Punkte, wie aus der monatlichen Umfrage unter rund 800 Firmen hervorgeht. Das Barometer signalisiert erst ab 50 ein Wachstum, weshalb es eine anhaltende Rezession anzeigt. Es gibt laut Markit-Ökonom Phil Smith aber auch Hoffnung: Aufträge und Exporte seien nicht mehr so stark geschrumpft wie zuvor.

Das sieht die Bundesregierung ähnlich. "Es gibt erste Signale, die ein Ende des Abschwungs in der Industrie und damit eine allmähliche konjunkturelle Belebung der Gesamtwirtschaft wahrscheinlicher machen", heißt es im Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums.

fdi/Reuters
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