Inflationstreiber Preise von Industrieprodukten steigen so stark wie nie zuvor

Mit einem Plus von 25 Prozent sind Preise für Rohstoffe und Industrieprodukte zu Jahresbeginn so sehr angehoben worden wie seit 1949 nicht. Das dürfte am Ende auch Verbraucherinnen und Verbraucher treffen.
Stahlproduktion bei Thyssenkrupp: Produzenten erhöhen Preise deutlich

Stahlproduktion bei Thyssenkrupp: Produzenten erhöhen Preise deutlich

Foto: SeanGallup / Getty Images

Und wieder war teure Energie der Haupttreiber: Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sind im Januar um durchschnittlich 25 Prozent gestiegen. »Dies war der stärkste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung 1949«, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Dezember lag der Wert noch bei 24,2 Prozent.

Sogar die Erwartungen von Analysten wurden übertroffen – sie hatten im Schnitt mit einem Zuwachs um 24,4 Prozent gerechnet.

Hauptverantwortlich für die Entwicklung seien weiterhin die Energiepreise, erklärten die Statistiker. Erdgas, Strom und Öl waren im Januar 66,7 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Gegenüber Dezember verteuerte sich Energie um 1,3 Prozent. Erdgas stieg mit einer Jahresrate von 119 Prozent besonders stark.

Klammert man Energie aus, lagen die Erzeugerpreise insgesamt um zwölf Prozent über dem Vorjahreswert.

Hohe Preissteigerungen gab es auch bei Vorleistungsgütern wie Metallen (plus 36,9 Prozent) sowie insbesondere bei Sekundärrohstoffen aus Papier und Pappe (plus 72,7 Prozent), Düngemitteln und Stickstoffverbindungen (plus 67,4 Prozent) sowie Verpackungsmitteln aus Holz (plus 65,7 Prozent). Die Zuwächse sind Folge einer steigenden Nachfrage bei teils stark begrenztem Angebot aufgrund erheblicher Verspannungen im Welthandel.

Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sich auch Verbraucher auf anhaltend hohe Preissteigerungen einstellen müssen. »Es ist anzunehmen, dass der Handel mindestens einen Teil davon an die Endverbraucher weitergeben wird«, sagte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der LBBW. »Die Frage ist, wie groß dieser Teil sein wird.«

Die Produzentenpreise gelten als ein Vorläufer für die Entwicklung der Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die künftige Entwicklung der Verbraucherpreise geben.

Experten rechnen 2022 mit hoher Inflationsrate

Die Erzeugerpreise gehen in die Verbraucherpreise ein, an denen die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ausrichtet. Sowohl in Deutschland als auch der Eurozone liegt die Inflation derzeit deutlich über dem Zielwert der EZB von zwei Prozent.

Bisher hält die Zentralbank an ihrem Kurs mit Zinsen auf Rekordtief und milliardenschweren Anleihenkäufen fest. Nach der jüngsten geldpolitischen Sitzung Anfang Februar hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde aber eingeräumt, dass auch bei den Notenbankern die Sorge angesichts der unerwartet hohen Teuerungsraten wächst.

Anhand neuer Daten will der EZB-Rat die Lage bei seiner nächsten Sitzung am 10. März neu beurteilen. Viele Volkswirte rechnen inzwischen damit, dass die EZB die Zinsen im Euroraum noch im laufenden Jahr anheben wird.

Das Ifo-Institut rechnet mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von vier Prozent im laufenden Jahr – es wäre die höchste seit 1993 und noch einmal deutlich mehr als 2021 mit 3,1 Prozent.

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Die starke Teuerung kann Experten zufolge die Konjunkturerholung dämpfen. »Es gibt zwar einige kleinere Anzeichen für einen Ausbau der Produktionskapazitäten, aber eine Kombination aus Engpässen in der Lieferkette und steigenden Energiekosten treibt die Verkaufspreise weiter in die Höhe«, sagte Thomas Rinn vom Beratungsunternehmen Accenture. »Das führt zu erheblichen Rückständen, was alles die wirtschaftliche Erholung behindert.«

mmq/Reuters/dpa
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