Preissteigerungen im Juni Inflation in Eurozone erreicht mit 8,6 Prozent neuen Rekordwert

Der massive Anstieg der Preise für Benzin, Gas und Strom hat die Inflation im Euroraum auf ein neues Rekordniveau getrieben. Allein im Energiesektor stiegen die Preise im Jahresvergleich um mehr als 40 Prozent.
Teures Tanken: Im ersten Halbjahr wurden laut ADAC im Schnitt 1,904 Euro für einen Liter Super E10 fällig

Teures Tanken: Im ersten Halbjahr wurden laut ADAC im Schnitt 1,904 Euro für einen Liter Super E10 fällig

Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Lässt sich das noch einfangen? Die Inflation in der Eurozone hat im Juni mit 8,6 Prozent im Jahresvergleich einen neuen Rekord erreicht. Nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat wird die Teuerung weiter von den hohen Energie- und Nahrungsmittelpreisen infolge des Ukrainekriegs angetrieben. Die Teuerungsrate in den 19 Euroländern war in den vergangenen Monaten von Rekord zu Rekord geeilt – im Mai hatte sie 8,1 Prozent betragen, im April 7,4 Prozent.

Besonders stark von der Inflation betroffen ist weiterhin der Energiesektor. Die Preise stiegen im Jahresvergleich um 41,9 Prozent. Bei den Nahrungsmitteln inklusive Alkohol und Tabak stand im Juni ein Plus von 8,9 Prozent, wie die Statistiker mitteilten.

Wie sehr Energie die Verbraucherpreise belastet, zeigt auch eine aktuelle Auswertung des ADAC zu den Spritpreisen. Das erste Halbjahr 2022 war demnach aufgrund des Ukrainekriegs an den deutschen Tankstellen das bis jetzt mit Abstand teuerste. Im Schnitt der sechs Monate kostete ein Liter Super E10 1,904 Euro und ein Liter Diesel 1,912 Euro. Das sind bei E10 46,2 Cent mehr als im Vorjahreszeitraum, bei Diesel sogar 60,8 Cent.

Rund 20 Prozent Teuerung im Baltikum

Blickt man auf die Teuerung im Euroraum insgesamt, so war die Inflationsrate dort noch nie so hoch seit Einführung der Gemeinschaftswährung als Buchgeld im Jahr 1999. Seit dem Sommer 2021 hat sich die Teuerung kontinuierlich verstärkt, wobei zuletzt bereits Rekordwerte erreicht wurden. Der Krieg in der Ukraine und die harten Coronamaßnahmen in China verschärften den Preisauftrieb.

Die Kernrate der Inflation, bei der schwankungsanfällige Preise von Energie, Lebens- und Genussmitteln nicht berücksichtigt werden, sank hingegen leicht von 3,8 Prozent im Vormonat auf 3,7 Prozent im Juni. Volkswirte hatten mit 3,9 Prozent gerechnet.

Die höchsten Inflationsraten gab es erneut im Baltikum. So stieg in Estland die Jahresrate auf 22 Prozent, in Litauen auf 20,5 Prozent und in Lettland auf 19 Prozent. Sie grenzen direkt an Russland und sind besonders von Lieferunterbrechungen betroffen. Frankreich dagegen kommt mit einer Inflation von 6,5 Prozent vergleichsweise gut davon.

Für Deutschland gab Eurostat eine Inflation von 8,2 Prozent an – diese wird etwas anders berechnet, als es das Statistische Bundesamt tut. Die Behörde in Wiesbaden hatte die Teuerung in Deutschland im Juni am Mittwoch mit voraussichtlich 7,6 Prozent angegeben.

Erwarteter Hochpunkt im Herbst

»Der Preisauftrieb im Euroraum hat in den vergangenen Monaten eher noch an Fahrt gewonnen«, kommentierte Christoph Weil, Volkswirt bei der Commerzbank. »Die Inflationsrate wird den Hochpunkt wohl erst im Herbst erreichen.« Die Energiepreise dürften angesichts des Ukrainekriegs hoch bleiben. »Gleichzeitig wird das Warenangebot durch die andauernden Material- und Lieferengpässe beschränkt, die durch neuerliche coronabedingte Betriebsschließungen in China noch verschärft werden dürften«, schreibt Weil.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt als Ziel eine Inflation von zwei Prozent an. In der Eurozone wird im Juli eine Zinserhöhung durch die EZB erwartet. Sie hinkt damit zeitlich nicht nur der US-Notenbank, sondern auch anderen europäischen Notenbanken hinterher.

»Es ist zum Haareraufen, die Inflationsraten klettern Monat für Monat nach oben und die EZB wird erst am 21. Juli den Leitzins anheben«, kommentiert Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank die Entwicklung. »EZB-Chefin Christine Lagarde ließ bislang auch nicht erkennen, dass es einen größeren Zinsschritt von 50 Basispunkten im Juli geben wird.«

apr/AFP/dpa
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