Bei geringem Geldeingang Direktbank ING führt Kontogebühren ein

Lange warb die Direktbank ING mit einem kostenlosen Girokonto - doch damit ist für einen Teil der Kunden nun Schluss: Wer weniger als 700 Euro im Monat überwiesen bekommt, muss eine Gebühr zahlen.
Die ING schafft für einen Teil ihrer Kunden das kostenlose Girokonto ab

Die ING schafft für einen Teil ihrer Kunden das kostenlose Girokonto ab

Foto: Robin Van Lonkhuijsen/ dpa

Europas größte Direktbank ING will das kostenlose Girokonto ohne Vorbedingungen abschaffen. Wer ab Mai dieses Jahres nicht monatlich einen Geldeingang von mindestens 700 Euro vorweisen kann, muss für das Konto 4,90 Euro pro Monat zahlen. Das kündigte die ING Deutschland an.

Damit will das Unternehmen offenbar dagegen vorgehen, dass einige Kunden ihr Konto lediglich zum Geldparken nutzen. "Unsere Strategie ist, die Kunden zu bewegen, Hausbankkunden zu werden", sagte Vorstandschef Nick Jue bei der Bilanzvorlage. Mit allen Kunden solle eine aktive Kundenbeziehung aufgebaut werden. "Wir wollen mehr sein als nur die kostenlose Alternative." Nach aktuellem Stand werde die neue Gebühr ein Viertel der 2,8 Millionen Girokonto-Kunden der ING Deutschland treffen.

Finanzvorstand Norman Tambach sagte, es gebe aktuell aber keine Pläne, Negativzinsen einzuführen. Geschäftsbanken müssen aktuell 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Auch wenn es neuerdings Freibeträge für bestimmte Summen gibt, bleibt dies für die Branche eine Milliardenbelastung. Die Kosten geben immer mehr Geldhäuser inzwischen weiter und berechnen Kunden Negativzinsen.

Wegen des Zinstiefs will die Direktbank mit einzelnen Kunden mehr Geschäfte machen - etwa über Baufinanzierung, Verbraucherkredite oder Wertpapiersparen. Für 1,8 Millionen ihrer Kunden sieht sich die Bank, die früher ING-Diba hieß, inzwischen als Hausbank.

ING Deutschland wächst leicht

Unter dem Strich gewann das in Deutschland und Österreich aktive Institut im vergangenen Jahr etwa 215.000 Kunden und kommt damit nun auf 9,5 Millionen Klienten. Anders als von Jue angestrebt, wurde die Zehn-Millionen-Marke bei Privatkunden damit jedoch noch nicht geknackt.

"Es wird nicht einfacher, profitabel zu wachsen in diesem Markt", sagte Jue. Nach sechs Rekordjahren in Folge setzte sich 2019 der Aufwärtstrend zwar fort - jedoch in geringerem Tempo. Der Vorsteuergewinn legte im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf fast 1,4 Milliarden Euro zu, der Überschuss erhöhte sich um ein Prozent auf 898 Millionen Euro.

Damit trägt die ING Deutschland mit ihrer Niederlassung in Österreich etwa ein Fünftel zum Ergebnis der niederländischen ING-Gruppe bei. Die Großbank ING verdiente 2019 wegen deutlich gestiegener Kosten für Personal sowie regulatorischer Kosten operativ weniger. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn sank um elf Prozent auf 4,8 Milliarden Euro.

kko/dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.