Ranking zu Forschungsausgaben Firmen in USA und China hängen Europas Konzerne ab

Weltweit steigern Firmen ihre Forschungsausgaben. Den höchsten Zuwachs weisen chinesische Firmen vor, gefolgt von US-Konkurrenten, zeigt ein Ranking. Nur ein deutscher Konzern schafft es in die Top Ten.
Ein Wafer zur Herstellung von Mikrochips von Samsung: Innovationen als Erfolgsfaktor

Ein Wafer zur Herstellung von Mikrochips von Samsung: Innovationen als Erfolgsfaktor

Foto: Jung Yeon-je/ AFP

Innovationen gelten angesichts der Digitalisierung und des harten Wettbewerbs als zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen. Entsprechend erhöhen Großkonzerne weltweit ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E), hat das Beratungsunternehmen Ernst & Young errechnet. Allerdings ist das Engagement regional unterschiedlich ausgeprägt.

So steigern die deutschen Großkonzerne ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung der Erhebung zufolge deutlich langsamer als ihre Konkurrenten in den USA und China. Insgesamt stieg demnach das Innovationsbudget der 35 deutschen Unternehmen, die sich in der Liste der Top-500-Konzerne weltweit platzieren, im vorigen Jahr um neun Prozent auf 60 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Die stärksten Zuwächse wurden für chinesische Unternehmen mit 23 Prozent registriert, während die 140 wichtigsten US-Konzerne auf plus zwölf Prozent kamen.

Nur ein Industriekonzern schafft es in die Top Ten

Insgesamt investierten die 500 Unternehmen mit den weltweit höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung im vergangenen Jahr 606 Milliarden Euro. Damit stockten sie die entsprechenden Budgets um zehn Prozent auf.

Das höchstplatzierte deutsche und einzige klassische Industrieunternehmen unter den Top Ten ist Volkswagen   (Platz fünf) mit Ausgaben von 12,1 Milliarden Euro - eine Steigerung um vier Prozent. Andere deutsche Firmen schaffen es gar nicht erst unter die weltweiten ersten Zehn bei den Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Daimler   kommt auf Platz 18, Siemens   auf Rang 22, BMW   auf Platz 25 und Bayer   auf Position 26.

Die Unternehmen mit den höchsten Forschungs- und Entwicklungsausgaben weltweit

Rang Unternehmen Ausgaben in Mrd. Euro (Vergleich zu 2017) Rang 2017
1 Amazon (USA) 24,4 (+27%) 1
2 Alphabet (USA) 18,2 (+29%) 2
3 Samsung Electronics (Korea) 14,4 (+11%) 3
4 Microsoft (USA) 12,5 (+13%) 5
5 Volkswagen (Deutschland) 12,1 (+4%) 4
6 Apple (USA) 12,1 (+23%) 7
7 Intel (USA) 11,5 (+4%) 6
8 Roche (Schweiz) 10,5 (+7%) 8
9 Johnson Johnson (USA) 9,1 (+2%) 9
10 AbbVie (USA) 8,8 (+106%) 34
Quelle: Ernst & Young

Das weltweit höchste Innovationsbudget wies mit umgerechnet 24,4 Milliarden Euro erneut der Onlinehändler Amazon   aus, ein Ausgabenplus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf Platz zwei liegt demnach unverändert die Google-Muttergesellschaft Alphabet   mit 18,2 Milliarden Euro vor dem südkoreanischen Elektronik-Konzern Samsung   (14,4 Milliarden Euro) und Microsoft   (12,5 Milliarden Euro). Alle drei Unternehmen verzeichneten zweistellige Steigerungsraten ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Neben den IT-Riesen können sich vor allem Pharmakonzerne im Top-Ten-Ranking platzieren: Roche  , Johnson & Johnson   und AbbVie auf den Rängen acht bis zehn.

Sorge um die Innovationskraft der europäischen Konzerne

"Die Digitalisierung hat einen Investitionsboom ausgelöst, der stetig an Dynamik gewinnt", sagte EY-Experte Alexander Kron. "Es wird immer klarer, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zunehmend von ihrer technologischen Leistungsfähigkeit und Innovationskraft bestimmt wird."

Vor allem an der Spitze des Rankings zeige sich, wie stark sich die USA und Europa derzeit auseinanderentwickeln, sagte Kron. So betrugen die Innovationsausgaben der fünf größten Investoren mit Sitz in den USA insgesamt knapp 79 Milliarden Euro, die fünf größten europäischen Konzerne gaben nur 43 Milliarden Euro aus. Und während bei den fünf Top-US-Konzernen die Ausgaben um insgesamt 21 Prozent zulegten, stiegen sie bei den Topinvestoren Europas um gerade einmal sieben Prozent.

"Europa hat derzeit Probleme, den Anschluss zu halten", analysierte Kron. "Die US-Konzerne profitieren von einer guten Konjunktur, sie erwirtschaften höhere Gewinne und können mehr für Innovationen ausgeben. Europas Konzerne leiden hingegen unter einer schwächelnden Konjunktur auf dem Heimatmarkt sowie den internationalen Handelsstreitigkeiten."

Für die Analyse zog Ernst & Young eigene Berechnungen heran und wertete Berichte und Mitteilungen der Unternehmen aus.

mmq/Reuters