SPIEGEL ONLINE

Streit um Inselgruppe Japanische Firmen stoppen Produktion in China

Der chinesisch-japanische Streit um eine Inselgruppe droht sich zu einem Handelskrieg auszuweiten. Wegen der massiven Proteste haben mehrere japanische Elektronikhersteller ihre Fabriken in China stillgelegt. Chinesische Staatsmedien warnen Japan vor einem "verlorenen Jahrzehnt".

Peking - Die Spannungen zwischen Japan und China wegen einer Inselgruppe im Ostchinesischen Meer nehmen zu. Die Proteste wütender Chinesen werden immer gewalttätiger und immer häufiger richten sie sich auch gegen japanische Unternehmen: Einige Elektronikhersteller haben deshalb ihre Fabriken und Geschäfte in China zumindest vorübergehend geschlossen. Die Regierung in Peking lässt die Demonstrationen nicht nur zu, die staatlichen Medien warnten Japan am Montag sogar vor einem weiteren "verlorenen Jahrzehnt", wenn sich die Handelsbeziehungen verschlechtern.

Es begann am Wochenende damit, dass chinesische Demonstranten die japanische Botschaft in Peking belagerten und eine Kriegserklärung gegen das Land forderten. Die Polizei hielt sich weitgehend im Hintergrund, schließlich wurden die Proteste gewalttätiger: Demonstranten in der Wirtschaftsmetropole Shenzhen plünderten einen japanischen Supermarkt, dann wurden Autohäuser des japanischen Herstellers Toyota in Brand gesetzt.

Weil die Proteste im Osten Chinas jetzt auch auf Fabriken japanischer Hersteller übergriffen, haben beispielsweise Panasonic und Canon angekündigt, die Fertigung in einigen ihrer chinesischen Werken zunächst bis zum 18. September zu stoppen.

"China wird den Kampf aufnehmen"

Die japanische Regierung warnte ihre Landsleute vor den Protesten in China und rief die Regierung in Peking dazu auf, Japaner und japanische Unternehmen in dem Land zu schützen. Vor allem am Dienstag könnte es zu weiteren Protesten kommen, wenn China der teilweisen Besetzung durch Japan im Zweiten Weltkrieg gedenkt.

Die Auslandsausgabe der chinesischen Staatszeitung "People's Daily" warnte Japan vor den wirtschaftlichen Folgen: "Wie kann es sein, dass Japan ein weiteres verlorenes Jahrzehnt wünscht?" hieß es in einem Kommentar auf der Titelseite. Wenn Japan mit seinen Provokationen weitermache, werde China den Kampf aufnehmen, schreibt das Blatt der regierenden kommunistischen Volkspartei weiter.

Hintergrund der antijapanischen Demonstrationen ist ein Streit um eine unbewohnte Inselgruppe im ostchinesischen Meer, die von beiden Staaten beansprucht wird. Auslöser der aktuellen Proteste ist der geplante Kauf der umstrittenen Inseln durch die japanische Regierung von einem privaten Besitzer, was in China als Affront betrachtet wurde.

Japan kontrolliert die Inseln seit 40 Jahren, nachdem sie von den USA, die sie im Zweiten Weltkrieg erobert hatten, aufgegeben worden waren. Beansprucht werden die Inseln aber auch von China und Taiwan. Sie sind von reichen Fischgründen umgeben und es werden Bodenschätze vermutet.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta dringt auf eine friedliche Lösung des Inselstreits zwischen Japan und China. Beide Seiten müssten friedliche Wege zur Beilegung ihrer Differenzen finden, sagte Panetta am Montag in Tokio. Dort traf er mit dem japanischen Verteidigungsminister Satoshi Morimoto und Außenminister Koichiro Gemba zusammen. Anschließend wollte er nach Peking weiterreisen.

nck/Reuters/dapd