Insolvente Drogeriekette Erste Schlecker-Filialen erhalten Schließungsfaxe

Bange Stunden für Tausende Schlecker-Mitarbeiterinnen: In den ersten Filialen der insolventen Drogeriekette kommen Faxe an, die eine Schließung ankündigen. Welche Märkte betroffen sind, erfahren die Angestellten vorher nicht - ebenso wenig, ob die Benachrichtung ihre eigene Kündigung bedeutet.

Schlecker-Filiale in Mainz: Marktschließung bedeutet nicht automatisch Kündigung
dapd

Schlecker-Filiale in Mainz: Marktschließung bedeutet nicht automatisch Kündigung


Berlin - Die Stimme der Schlecker-Filialleiterin zittert. "Ich bin den Tränen nahe. Wenn wir keine Kunden im Laden gehabt hätten, hätte ich geheult", sagt sie. Um 17.40 Uhr am Dienstagabend traf das Fax aus der Schlecker-Zentrale in Ehingen in ihrem Geschäft ein. Ohne Vorwarnung. "Wir müssen Ihnen heute leider mitteilen, dass Ihre Verkaufsstelle nach vorläufigem Stand zum 24. März 2012 geschlossen wird", heißt es dort.

Jetzt soll die Mitarbeiterin Schlecker dabei helfen, schon ab Mittwoch den Räumungsverkauf zu organisieren. Seit zehn Jahren arbeitet die Frau, die ihren Namen nicht nennen will, bei der Drogeriekette. Die Filialleiterin begreift nicht, warum gerade ihr Geschäft geschlossen wird. "Wir wissen, es gibt Märkte, die keinen Umsatz haben. Aber wir haben täglich viele Stammkunden", sagt sie. Gestern noch seien Waren für 5000 Euro eingetroffen.

Die Frau befürchtet nun ihre Kündigung schon zum 31. März, ihre einzige Hoffnung ist die Sozialauswahl. Denn: "Marktschließung bedeutet nicht automatisch Kündigung", heißt es in dem Fax. Die Filialleiterin nennt dafür drei Kriterien: Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters, seine Unterhaltsverpflichtungen und das Alter. Wer also lange dabei ist, für Angehörige aufkommen muss und älter ist, hat bessere Chancen zu bleiben.

Verdi: Politik unterstützt eher Männer- als Frauenarbeitsplätze

Zur Gesundung der insolventen Drogeriekette sollen rund 2400 Filialen geschlossen und knapp 12.000 Beschäftigte entlassen werden. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz machte dem Betriebsrat am Abend im thüringischen Oberhof das Angebot, die Schließung von 400 Filialen nochmals zu überprüfen. Bei rund 2000 Filialen der insolventen Drogeriekette stehe die Schließung jedoch fest. Er wolle bis zum 27. oder 28. März Klarheit - spätestens am 1. April wird das Amtsgericht Ulm das Insolvenzverfahren über die frühere Nummer eins der Drogeriemärkte eröffnen.

Geiwitz kämpft derzeit um einen Kredit oder eine Bürgschaft vom Staat. Sollte keine staatliche Finanzspritze für eine Transfergesellschaft kommen, könnten Investoren für die insolvente Drogeriekette abgeschreckt werden, warnte Geiwitz am Dienstag. Notfalls funktioniere sein Schlecker-Rettungskonzept aber auch ohne eine Transfergesellschaft, sagte der Insolvenzverwalter. Er habe eine zweistellige Zahl möglicher Investoren, sagte er der Tageszeitung "Die Welt". Darunter seien "bekannte Namen" und sowohl Finanzinvestoren als auch strategische Investoren. "Die ersten Gespräche waren gut. Die Interessen wissen sehr genau, welche Fehler im Unternehmen gemacht wurden", zitiert ihn die Zeitung.

Verdi-Landeschefin Leni Breymaier kritisierte, dass die Politik eher Männer- als Frauenarbeitsplätze unterstütze. Schlecker sei auch der Lackmus-Test dafür, wie viel der öffentlichen Hand Dienstleistungsarbeitsplätze wert seien. "Bei der Abwrackprämie für die männerdominierte Autoindustrie hat man Kreativität und Tempo an den Tag gelegt, die wir auch für Schlecker bräuchten."

lgr/dpa/Harald Schultz für dapd



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Grafsteiner 13.03.2012
1. Kann nicht sein
Die Filialen von Schlecker waren bekannt dafür, dass sie keinen Telefonanschluss hatten. Evtl. auf´s Privathandy der Filialleiterin zum Ausdruck auf dem Privatdrucker? Oder an der Filiale vorbei an den Ladenvermieter? Wenn wundert unter solchen Albernheiten der Kosteneinsparung noch die Pleite?
DerNachfrager 13.03.2012
2.
Wegen der albernen Abwrackpremie soll jetzt dieser Saftladen mit Steuergeldern gerettet werden. Geht's noch ?
WHO23 13.03.2012
3. 111
Zitat von GrafsteinerDie Filialen von Schlecker waren bekannt dafür, dass sie keinen Telefonanschluss hatten. Evtl. auf´s Privathandy der Filialleiterin zum Ausdruck auf dem Privatdrucker? Oder an der Filiale vorbei an den Ladenvermieter? Wenn wundert unter solchen Albernheiten der Kosteneinsparung noch die Pleite?
Jede Schleckerfiliale hat einen ISDN-Anschluß.
ympertrymon 13.03.2012
4. Nicht schon wieder...
Zitat von sysopdapdBange Stunden für Tausende Schlecker-Mitarbeiterinnen: In den ersten Filialen der insolventen Drogeriekette kommen Faxe an, die eine Schließung ankündigen. Welche Märkte betroffen sind, erfahren die Angestellten vorher nicht - ebenso wenig, ob die Benachrichtung ihre eigene Kündigung bedeutet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821188,00.html
...die Feministinnen. Jetzt wird die Abwrackprämie mit der Schleckerpleite verglichen, um diese simple Insolvenz in Folge von betriebswirtschaftlichen Fehlentscheidungen als Beispiel für Benachteiligung der Frauen auszuschlachten ("Frauenbranche" gegen "Männerbranche"). Das ist nur noch erbärmlich, Frau Breymaier.
inci2 13.03.2012
5.
Zitat von WHO23Jede Schleckerfiliale hat einen ISDN-Anschluß.
solange am anderen ende der isdn-leitung aber kein faxgerät hängt wird das nichts...
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