Insolvente Drogeriekette Schlecker-Betriebsrätin klagt über Diskriminierung

Die Schlecker-Mitarbeiter sind enttäuscht. Anders als etwa bei Opel habe sich kein Politiker zur Pleite des Unternehmens geäußert, beschwert sich die Betriebsratschefin. Aber beim Autohersteller sei es ja auch um Arbeitsplätze von Männern gegangen.

Schlecker-Filiale in Ehingen: Beschwerden über die Politik
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Schlecker-Filiale in Ehingen: Beschwerden über die Politik


Ehingen - Schlecker-Gesamtbetriebsratschefin Christel Hoffmann ist sauer auf die Politik. "Ich fühle mich sehr alleingelassen", sagte sie am Donnerstag. Sie habe keinen Anruf, keine E-Mail, gar keine Reaktion auf die harten Einschnitte bekommen, die am Mittwoch verkündet wurden. Lediglich die Lokalpolitik habe sich gemeldet.

"Es geht um die Schicksale von tausenden Bundesbürgerinnen", sagte Hoffmann. Denen habe die Nachricht, dass rund 12.000 Arbeitsplätze wegfallen, "den Boden unter den Füßen weggezogen." Am Mittwoch hatte Schlecker verkündet, dass bis zu 11.750 der 25.000 Arbeitsplätze bei Anton Schlecker und Schlecker XL wegfallen sollen. Von den derzeit 5410 Filialen mit dem Schlecker-Logo in der Bundesrepublik sollen noch 3000 übrig bleiben.

Betriebsrätin Hoffmann sagte, sie habe erwartet, dass sich zum Beispiel Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu Schlecker äußere. "Wenn man sich Fälle wie Opel anschaut, da war das ganz anders", so Hoffmann. "Da bin ich jetzt mal ganz ketzerisch und sage: da ging es ja auch um Männer-Arbeitsplätze."

Ihre Hoffnungen ruhten nun auf dem Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. "Wir konnten ihm ansehen, wie schwer es ihm fiel, uns am Mittwoch die schlechten Nachrichten zu überbringen", sagte die 58-Jährige. Geiwitz habe bei allem Negativen deutlich gemacht, dass er Schlecker erhalten wolle, "wenn auch nur mit 3.000 Filialen".

Ver.di verhandelt mit Insolvenzverwalter

Die Gewerkschaft Ver.di hat angekündigt, ab Dienstag mit Geiwitz Tarifverhandlungen führen zu wollen. Erste Themen seien die Umsetzung der Filialschließungen und des Personalabbaus sowie die Gründung von Transfergesellschaften, sagte der Ver.di-Landesfachbereichsleiter Handel, Bernhard Franke, in Stuttgart. Verhandlungen über Abfindungen hätten einen "nachgelagerten Stellenwert".

Franke sagte: "Wir sind auch bereit, unkonventionelle Wege zu gehen." Erwogen werde beispielsweise, eine Kapitalbeteiligung der Belegschaft anzubieten etwa über ein Genossenschaftsmodell - für den Verzicht auf tarifvertragliche Leistungen.

Der Gewerkschafter forderte zudem eine Verlängerung des Insolvenzgeldes. "Ein bis zwei Monate mehr würden eine ganze Menge Probleme und Zeitdruck wegnehmen", sagte Franke. Eine Entscheidung über eine Verlängerung der bislang auf drei Monate begrenzten Zahlungen liege bei der Bundesregierung. Bislang beträgt die Summe rund 150 Millionen Euro.

cte/dpa/dapd

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Seite 1
kabian 01.03.2012
1. Opel war ein Fehler
Zitat von sysopDPADie Schlecker-Mitarbeiter sind enttäuscht. Anders als etwa bei Opel habe sich kein Politiker zur Pleite des Unternehmens geäußert, beschwert sich die Betriebsratschefin. Aber beim Autohersteller sei es ja auch um Arbeitsplätze von Männern gegangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,818694,00.html
Es war zu erwarten, das alle Unternehmen jetzt geholfen werden wollen. Alle Menschen die gekündigt werden, egal aus welchen Betrieb, bitte anstellen: Wir fordern Hilfe!? Gewinne kassieren, Verluste sozialisieren. Wir müssen dringend die Verantwortung von Unternehmen regulieren. Wenn alle Hilfe wollen, sollen sie vorher einzahlen, um ihre Forderungen auch später einmal bezahlen zu können. Eine Art Sozialversicherung für Unternehmer.
adam68161 01.03.2012
2. Tja, wo nichts mehr zu machen ist,
ist nichts mehr zu machen. Bei Opel konnte man noch was verkaufen. Die Schlecker-Mitarbeiterinnen haben sich einfach medienunterstützt von ihrer Gewerkschaft aufs Glatteis führen lassen: Tarifvertrag, hohe Gehälter -und wenig Umsatz. Strukturveränderungen wurden systematisch blockiert. Man hätte Schlecker als Franchiseunternehmen umwandeln müssen. Da wären mancher Ladenleiterin längst die Augen aufgegangen. Umsatz ist halt nicht Gewinn.
h.hass 01.03.2012
3.
Wer hat den Drogisten geholfen, die in den Drogerien gearbeitet haben, welche Anton im Lauf der Jahrzehnte platt gemacht hat? Niemand.
ottino 01.03.2012
4. Ernst gemeint?
Das kann die Dame doch nicht ernsthaft meinen?! Ihr eigenes Zutun ist für die jetzige Situatuation mitverantwortlich. Übertriebene Forderungen, die Hetze gegen Schlecker und der Aufruf zum Boykott führt halt geradewegsl in die Arbeitslosigkeit. Soll sie die Suppe jetzt selbst auslöffeln und nicht andere auf diese abstruse Art und Weise für ihr Fehlverhalten verantwortlich machen.
thana 01.03.2012
5. ...
Zitat von kabianEs war zu erwarten, das alle Unternehmen jetzt geholfen werden wollen. Alle Menschen die gekündigt werden, egal aus welchen Betrieb, bitte anstellen: Wir fordern Hilfe!? Gewinne kassieren, Verluste sozialisieren. Wir müssen dringend die Verantwortung von Unternehmen regulieren. Wenn alle Hilfe wollen, sollen sie vorher einzahlen, um ihre Forderungen auch später einmal bezahlen zu können. Eine Art Sozialversicherung für Unternehmer.
Es geht nicht um Hilfe für die Unternehmer, sondern für die Arbeitnehmer. Die haben alle eingezahlt.
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