Insolvente Drogeriekette Unilever stellt Lieferung an Schlecker ein

Firmenpatriarch Anton Schlecker will seine insolvente Drogeriekette selbst sanieren, doch ein wichtiger Geschäftspartner macht Ärger: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hat Hersteller Unilever die Warenlieferung eingestellt. Nun drohen leere Regale.
Schlecker-Filiale in Freiburg: Die Regale könnten sich schnell leeren

Schlecker-Filiale in Freiburg: Die Regale könnten sich schnell leeren

Foto: PATRICK SEEGER/ picture alliance / dpa

Hamburg - Leere Regalreihen kennen Schlecker-Kunden schon: Im vergangenen Jahr waren sie der sichtbare Beweis für die Schwierigkeiten der Drogeriekette. Damals bestritt das Unternehmen, grundlegende Probleme zu haben. Jetzt ist das anders: Mitten in den Insolvenzverhandlungen reißt der Warenstrom ab. Einer der größten Hersteller von Konsumgütern, die Firma Unilever, hat die Lieferungen an Schlecker eingestellt.

"Unilever liefert derzeit keine Waren an Schlecker", sagte Unilever-Sprecher Konstantin Bark SPIEGEL ONLINE. Das gelte seit Montag und so lange, bis der Insolvenzverwalter die Zahlung der Ware sicherstellen kann. Unilever gehe aber davon aus, "dass sich die Situation schnell klären wird".

Schnelligkeit ist für Schlecker jetzt überlebenswichtig. Zwar halten sich andere Lieferanten mit Aussagen über ihre Warenlieferungen zurück, aber kaum ein Hersteller wird einer insolventen Drogeriekette Produkte überlassen, ohne dass die Bezahlung geklärt ist.

Schwierige Beziehung zu Lieferanten

Tatsächlich ist die Zusammenarbeit mit den Lieferanten seit Monaten problematisch, sagt Thomas Roeb, Handelsexperte von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Roeb hat Schlecker selbst beraten und sagt: "Die Belieferung mit Ware ist seit längerem schon ein großes Thema bei Schlecker, auf dieser Ebene glimmt es schon."

Damit es nicht anfängt zu brennen, sind jetzt vor allem die Verhandlungen des Insolvenzverwalters mit den Lieferanten wichtig, zu denen neben Unilever auch andere große Konsumgüterkonzerne wie Henkel, Beiersdorf oder Procter & Gamble sowie viele Mittelständler gehören.

Die wenigsten Lieferanten wollen sich derzeit über ihre Geschäftsbeziehungen mit Schlecker äußern. Henkel-Sprecher Wulf Klüppelholz verweist lediglich darauf, dass Forderungen aus der Zeit vor dem Insolvenzantrag versichert seien. Die Hersteller schützen sich vor einer Pleite ihrer Handelspartner in der Regel mit Kreditversicherungen. "Finanziell würde uns ein Zahlungsausfall von Schlecker nicht betreffen", sagt Klüppelholz.

Hersteller fürchten Duopol von Rossmann und dm

Henkel, Unilever, Beiersdorf und Co. übten allerdings nur wenig Druck aus, sagt der Handelsexperte Roeb: "Auch die Hersteller haben ein Interesse daran, dass Schlecker überlebt - sonst stünden sie auf dem deutschen Markt nur noch zwei starken Drogerieketten gegenüber." Rossmann und dm könnten Preise und Konditionen dann noch stärker diktieren.

Schlecker habe von der Sorge vor einem Duopol lange profitiert, sagt der Handelsexperte: "Die großen Lieferanten stützen Schlecker bereits." Denn als die Umsätze bei der Drogeriekette im vergangenen Jahr einbrachen, musste Schlecker auch seine Warenbestellungen reduzieren, beanspruchte aber weiterhin dieselben Mengenrabatte - und bekam sie häufig auch, sagt Roeb: "Nach den Umsatzrückgängen Ende vergangenen Jahres sind die Lieferanten bei den Konditionsverhandlungen nicht immer bis ans Limit gegangen."

Sollte Schlecker vom Markt verschwinden, fehlte den Herstellern von Waschmitteln, Cremes und Shampoo "ein wichtiger Absatzkanal", wie Unilever-Sprecher Bark zugibt. Die Drogeriekette gehöre immer noch zu den Großkunden, sagt Schlecker-Berater Roeb: "Nicht jede Schlecker-Filiale macht Verlust - das Unternehmen hat Tausende Standorte, die profitabel sind." Er halte das aktuelle Management für "absolut kompetent - sowohl fachlich, als auch menschlich".

Ob das und die Planinsolvenz reichen, das Unternehmen grundlegend zu sanieren, kann Roeb allerdings auch nicht sagen. Selbst als Berater von Schlecker hat er nicht immer jede Information aus dem Unternehmen bekommen.

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