Insolvenzantrag Saab gibt endgültig auf

Jetzt ist auch die letzte Hoffnung gestorben. Weil der chinesische Kaufinteressent abgesprungen ist, musste Saab Insolvenz anmelden. Der Widerstand der früheren Konzernmutter GM besiegelt das Ende der einst stolzen schwedischen Automarke nach jahrelangem Siechtum.

Die Saab-Fabrik in Trollhättan: Endgültiges Aus für die Traditionsmarke
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Die Saab-Fabrik in Trollhättan: Endgültiges Aus für die Traditionsmarke


Stockholm - Seit April hat Saab keine Autos mehr produziert und die Kassen waren leer. Jetzt kann der Autohersteller seinen 3500 Beschäftigten im Stammwerk Trollhättan die seit Ende November fälligen Löhne und Gehälter nicht mehr zahlen. Saab gehört seit fast zwei Jahren zu Swedish Automobile (Swan). Bis zum Schluss hatte dessen Mehrheitseigner und Saab-Chef Victor Muller auf frisches Kapital gehofft und mit zwei chinesischen Unternehmen verhandelt. Jetzt hat sich der letzte Interessent, der chinesische Autokonzern Youngman, zurückgezogen.

Grund für den Rückzug war eine Drohung des früheren Saab-Eigner. General Motors (GM) hatte gewarnt, den Verkauf zu blockieren, um den Transfer von Technologie nach China zu verhindern. Weil Saab noch über wichtige Lizenzen und Verträge mit GM verbunden ist, wäre die Zustimmung der früheren Muttergesellschaft notwendig gewesen. Der Verkauf galt als letzte Chance für Saab, das Gericht sollte am Montag entscheiden, ob die Frist zur Umstrukturierung verlängert wird oder nicht.

Der gegenwärtige Eigentümer Swan, vor kurzem noch Spyker, hatte Saab Anfang vergangenen Jahres für 400 Millionen Euro gekauft. Dem Käufer war es aber nicht gelungen, den Absatz zu steigern und die Kosten zu senken. Im Frühjahr musste der Hersteller die Produktion stoppen, weil Zulieferer sich wegen unbezahlter Rechnungen weigerten zu liefern. Seit Juni stehen die Bänder in Trollhättan endgültig still.

Saab seit Jahren ohne Gewinne

Swan-Geschäftsführer Muller selbst verfügt über zu wenig Kapital um Saab zu finanzieren. Der hinter ihm stehende russische Bankier Wladimir Antonow sitzt seit einigen Wochen in Großbritannien in Auslieferungshaft. Litauische Behörden werfen ihm vor, eine ihm früher gehörende Bank ausgeplündert zu haben, unter anderem um die Saab-Übernahme zu finanzieren.

"Swan erwartet keine Einnahmen aus eigenen Saab-Anteilen und wird diese komplett abschreiben", hieß es nach dem Insolvenzantrag in einer Mitteilung des niederländischen Eigners. Saab, das 1937 zunächst für den Flugzeugbau gegründet wurde, hat sich mit seinen technisch anspruchsvollen, aber auch teuren Autos weltweit einen Namen gemacht. Aber auch als GM die Marke vor zwei Jahrzehnten übernommen hatte, blieben die Gewinne aus.

Als kleiner Nischenhersteller mit einer Jahresproduktion von rund Hunderttausend Autos stellte GM seine Tochter nach der Finanzkrise zum Verkauf. Während der schwedische Konkurrent Volvo nach dem Verkauf durch Ford mit der neuen chinesischen Mutter Geely Erfolg hatte, ging es bei Saab weiter bergab. Nach 30.000 produzierten Autos 2010 liefen in diesem Jahr nur noch 13.000 Wagen in Trollhättan vom Band.

Muller konnte durch mehrere Sanierungspläne mit chinesischen Partnern immer wieder Gläubiger hinhalten und die Insolvenz aufschieben. Die dabei versprochenen Soforthilfen sowie langfristigen Milliardeninvestitionen blieben aber stets aus.

nck/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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ReneMeinhardt 19.12.2011
1. Wenn das schwedische Insolvenzrecht
genauso grottenschlecht ist wie in Deutschland ist, dann wird die Insolvenz eine Person ganz besonders freuen: den Insolvenzverwalter.
drnice1983 19.12.2011
2. schade schade
Ich fand Saabs immer recht cool... Aber nun, so ist das Leben, leider...
ruhrbuerger 19.12.2011
3. Ein sehr trauriger Tag!
Das ist für mich ein ganz trauriger Tag! Ich hatte immer noch gehofft, daß Saab es irgendwie schaffen wird. Der Einstieg der Chinesen hatte mir echte Hoffnung gegeben, aber nun hat der imperialistische Großkonzern es endgültig geschafft einer fantastischen, individuellen und charaktervollen Marke den Todesstoß zu verpassen. Ich habe tolle Kindheitserinnerungen an unsere zwei Saab 900 turbo und selbst fuhr ich ein Saab 93 Cabrio. Diese war aber leider schon durch GM 'verstümmelt' gewesen und so freute ich mich darauf in Zukunft vielleicht auch mal einen echten Saab fahren zu können. Das hat sich nun leider im Bezug auf einen Neuwagen erledigt - schade! Friede Deiner Asche, Saab!!!
ruhrbuerger 19.12.2011
4. Nächstes Oper schon in Sicht
Ich denke, daß nächste GM Opfer ist auch schon in Sicht und eine weitere europäische Traditionsmarke wird sterben müssen - OPEL.
mauimeyer 19.12.2011
5. Opel als Opfer
Zitat von ruhrbuergerIch denke, daß nächste GM Opfer ist auch schon in Sicht und eine weitere europäische Traditionsmarke wird sterben müssen - OPEL.
Ein paar Stöße, die zum Tod führen können, hat GM Opel schon versetzt. Im wesentlichen war das ein grottenschlechtes Management der Amerikaner. Opel wurde in den guten Jahren ausgebeutet und hat sich davon bis jetzt nicht erholt. Opel war mal unangefochten die Nr. 2 in Deutschland und auf dem Weg VW zu überholen. (Ende 60/Anfang 70) der Abstieg begann mit den neuen Typenbezeichnungen. Aus rekord wurde Omega und aus dem sehr guten Ascona wurde Vektra. Der Kadett wurde zum Astra. Frauen bleiben ja wenigstens die selben, wenn sie einen neuen Namen annehmen. Bei Opel war das der endgültige Sieg der Marketing-Fuzzies über die Ingenieure. mit den neuen Namen ging zeitgleich die Qualität nach unten. Lopez läßt grüßen! Weil Geld für Qualität und neue Entwicklungen nicht investiert wurde, ging das Thema Diesel zunächst an Opel vorbei. Auch die verzinkung der Karosserie hatte der damalige Entwcklungschef Stockmar erst in letzter Minute durchsetzen können. Danach ging Stockmar. Forster und Demant haben die Produkte von Opel wieder auf Vordermann gebracht. Aber es fehlt einfach der große Markt um gewinnträchtige Skaleneffekte zu erlangen. GM will die Marke Chevrolet nicht gefährden. Dieser amerikanische Laden war doch nur über die Insovenz und massive staatliche Hilfe zu retten. Was wollen die Opel raten? Opel stirbt langsam. Leider! Aber die Leute von GM sollen nicht glauben, daß dadurch Chevrolet einen Stich mehr in Europa erhält. Diesen Stich macht Hyundai. Viele Opel-Händler haben schon diese Marke zusätzlich im Programm. Was die "Übernahme" von geistigem Eigentum (Lizenzen) betrifft haben die AMI's große Erfahrungen: das Reichspatentamt wurde nach dem Krieg gründlich geplündert. das hat mehr gebracht, als die demontage der Sowjets und Briten. Kauri ich fahre einen Opel-Youngtimer aus den 70ern und freue mich jeden Tag über die damalige Qualität.
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