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Insolvenzwelle in Deutschland Deutlich mehr Firmen gehen in die Pleite

Die Konjunkturflaute in Deutschland lässt mehr Unternehmen in die Insolvenz schlittern. Im September stieg die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen um 19,5 Prozent. Das liegt offenbar auch an »Zombie-Firmen«.
Aufgegebenes Geschäft in Baden-Württemberg

Aufgegebenes Geschäft in Baden-Württemberg

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Deutlich mehr Firmen in Deutschland können ihre Zahlungspflichten nicht erfüllen: Die Zahl der beantragten sogenannten Regelinsolvenzen lag im September um 19,5 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im August hatte der Zuwachs innerhalb eines Jahres 13,8 Prozent betragen.

Die Verfahren fließen erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik ein, wie die Wiesbadener Statistiker erklärten. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liege in vielen Fällen annähernd drei Monate davor.

Susanne Hagenkort-Rieger, die zuständige Direktorin beim Statistischen Bundesamt, spricht angesichts der kontinuierlich steigenden Zahlen von einer Insolvenzwelle in Deutschland. »Das ist deutlich, aber die absoluten Werte liegen jetzt erst wieder auf dem Vor-Corona-Niveau«, schrieb Hagenkort-Rieger auf dem Kurznachrichtendienst X.

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Die Statistikexpertin rechnet damit, dass die Zahlen weiter steigen könnten. Denn in der Coronapandemie hatte der Staat die Insolvenzantragspflichten teilweise ausgesetzt. Dadurch seien möglicherweise »Zombie-Unternehmen« mitgeschleppt worden, die nun in die Insolvenz gingen, so Hagenkort-Rieger.

Endgültige Zahlen liegen dem Bundesamt inzwischen für Juli vor. Demnach meldeten die Amtsgerichte 1586 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 37,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Forderungen der Gläubiger bezifferten die Gerichte auf rund 3,1 Milliarden Euro. Im Juli 2022 waren es rund 0,8 Milliarden Euro.

In den vergangenen Jahren hatten staatliche Hilfen sowie teilweise ausgesetzte Insolvenzantragspflichten trotz Corona- und Energiekrise die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland auf niedrigem Niveau gehalten. Daher hatten Experten einen Anstieg im laufenden Jahr erwartet.

mic/dpa-AFX