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Insolvenzen Zahl der Firmenpleiten fällt auf Rekordtief

Die befürchtete Pleitewelle bleibt weiter aus. Im Juli haben laut einer Studie so wenige Unternehmen Insolvenz angemeldet wie noch nie.
Insolvenzverwertung in Düsseldorf (Archiv): Geschäfte wie dieses erhalten deutlich weniger Nachschub als noch vor einigen Jahren

Insolvenzverwertung in Düsseldorf (Archiv): Geschäfte wie dieses erhalten deutlich weniger Nachschub als noch vor einigen Jahren

Foto: Martin Gerten / dpa

Die Forscher sprechen von einem Zeichen für den Aufschwung: Im Juli sind einer Studie zufolge 639 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet worden. Damit sei die Zahl der Firmenpleiten trotz der Coronakrise auf einen historischen Tiefstand gefallen, teilte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mit . Im Juli seien es zehn Prozent weniger als im Vormonat Juni gewesen und gut 25 Prozent weniger als im Juli 2020.

Die IWH-Experten erwarten vorerst eine Fortsetzung des positiven Trends: Frühindikatoren ließen auch im August keinen spürbaren Anstieg der Insolvenzzahlen erwarten. Die Daten basieren unter anderem auf Insolvenzbekanntmachungen der Registergerichte und Unternehmensbilanzen.

Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat ist auch bemerkenswert, weil im Juli 2020 noch die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt war, um eine Pleitewelle in der Coronakrise zu verhindern. Normalerweise muss ein solcher Antrag spätestens drei Wochen nach Eintritt eines Insolvenzgrundes wie Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit gestellt werden. Seit Oktober 2020 gilt die Antragspflicht wieder für zahlungsunfähige Unternehmen, ab Ende Dezember auch für überschuldete Firmen. Die letzte Ausnahmeregelung für Unternehmen, die noch auf die Auszahlung der seit November vorgesehenen staatlichen Hilfen warten, entfiel zum 1. Mai 2021.

»Die anhaltend niedrigen Insolvenzzahlen spiegeln auch den lange erhofften wirtschaftlichen Aufschwung wider«, sagte Steffen Müller, der die Abteilung Strukturwandel und Produktivität und die dort angesiedelte Insolvenzforschung am IWH leitet. Nach dem Ende vieler Corona-Auflagen laufen die Geschäfte etwa im Hotel- und Gastgewerbe wieder besser, was der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal zu einem Wachstum von 1,5 Prozent mit verholfen hat.

Auch staatliche Hilfsprogramme sowie die Zurückhaltung mancher Gläubiger spielten nach wie vor eine große Rolle, sagte Müller. Hinzu kommt noch, dass die meisten Unternehmen kerngesund in die Pandemie gegangen sind und nach wie vor ein funktionierendes Geschäftsmodell haben.

Im historischen Vergleich sind diese Zahlen dennoch extrem niedrig. So meldeten vor knapp 20 Jahren im Mittel noch 2000 Personen- und Kapitalgesellschaften pro Monat Insolvenz an. Vor fünf Jahren waren es dem IWH zufolge immer noch mehr als tausend.

fdi/Reuters