Insolventer Stromanbieter Flexstrom-Gründer sollen Millionen zahlen

Flexstrom ist pleite - nun fordert der Insolvenzverwalter Millionen von den Gründern des Billigstromanbieters. Die Brüder Mundt sollen unter anderem eine andere verlustträchtige Firma noch kurz vor der Zahlungsunfähigkeit an Flexstrom verkauft haben.

Flexstrom-Firmensitz in Berlin: Auszug Ende Oktober
DPA

Flexstrom-Firmensitz in Berlin: Auszug Ende Oktober


Berlin - Hunderttausende Kunden von Flexstrom bangen um ihr bereits gezahltes Geld - nun versucht der Insolvenzverwalter, Millionen von den Gründern Robert und Thomas Mundt einzutreiben. Kurz vor der Pleite des Unternehmens sollen die Brüder gemeinsam mit zwei weiteren Eigentümern sechs Millionen Euro eingestrichen haben, nachdem sie die verlustreiche eigene Firma Optimal Grün an Flexstrom verkauft hatten. Das geht aus einem Bericht des Insolvenzverwalters Christoph Schulte-Kaubrügger an die Gläubiger hervor, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Flexstrom hatte im April wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Nach Teldafax ist es der zweite große Pleitefall auf dem deutschen Energiemarkt. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen die Verantwortlichen wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Betrug.

Schulte-Kaubrügger geht dem auf den 27. September datierten Bericht an die Gläubiger davon aus, dass die Mundts eine Versicherung für Pflichtverletzungen von Vorständen für seine Forderung in Anspruch nehmen können. Diese decken Schäden von bis zu fünf Millionen Euro ab. Der Insolvenzverwalter hält zudem eine Prämie von 1,7 Millionen Euro für ungerechtfertigt, die das Unternehmen wenige Monate vor der Insolvenz einem seiner Top-Manager zubilligte.

90 Interessenten winkten nach Blick in die Bücher ab

Auch der Fuhrpark des Unternehmens und seiner Gründer erregte demnach die Aufmerksamkeit Schulte-Kaubrüggers. Zu den Firmenfahrzeugen zählten mehrere geleaste Luxuswagen, darunter ein Bentley-Cabrio mit dem Kürzel RM im Kennzeichen. Robert Mundt kaufte seinem Unternehmen dem Bericht zufolge unter anderem einen Geländewagen und ein Motorrad ab, konnte sein Eigentum jedoch auch belegen.

Von der Pleite Flexstroms sind insgesamt 835.000 Kunden betroffen. Bis Ende September machten 130.000 von ihnen ihre Forderungen mit einer Summe von 70 Millionen Euro geltend. Flexstrom hatte Kunden mit niedrigen Einstiegspreisen gelockt. Viele kehrten dem Unternehmen aber den Rücken, bevor höhere, kostendeckende Preise fällig wurden.

Dem Insolvenzverwalter zufolge hatten etwa 90 Unternehmen überlegt, Flexstrom zu kaufen und zu sanieren - nach Einblick in die Bücher blieb jedoch kein Interessent übrig. Ende Oktober räumt das Unternehmen seine Zentrale am Reichpietschufer in Berlin. Flexstrom ist dort Mieter und schuldet dem Vermieter laut dem Bericht noch rund 187.000 Euro.

fdi/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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TS_Alien 12.10.2013
1. .
Im Strommarkt sind die Margen der kleinen Firmen gering. Wer als Firma dennoch viel Geld für Luxusautos und unverhältnismäßig hohe Gehälter ausgibt, der wird das nicht lange überleben. Es wird schwierig zu beweisen sein, dass das wirkliche Geschäftsmodell vieler solcher Firmen das Abgreifen der Kundengelder gewesen ist. Das muss man auch nicht. Wenn einer Firma absehbar die Gelder fehlen, um die laufenden Verträge vollständig zu bedienen, ist ein Insolvenzverfahren zwingend vorgeschrieben. Macht man nichts, ist das zumindest Insolvenzverschleppung, möglicherweise sogar Betrug. Aber in Deutschland geht die Staatsanwaltschaft selten so hart vor wie in den USA. Den Kunden muss man immer wieder sagen: Bleibt bei den größeren Anbietern, die selbst Strom erzeugen, bleibt bei den monatlichen Zahlungen und werft euer Geld nicht windigen Geschäftsleuten in die Taschen.
adlerkeule 12.10.2013
2. Ein...
undurchdringbares Geflecht von Abzockerfirmen. Weitere werden gegründet, bei denen der Kunde nicht erkennt wer hinter diesen Firmen steckt. Teils auch die großen Vier. Die Vergleichsportale, allen voran Vervox machen auch noch kräftig mit. Da wurden noch kräftig Teldafax-Tarife vermittelt obwohl diesen Portalen längst die drohende Pleite bekannt war. Mitkassiert durch Provisionen und Vortäuschung von Transparenz. Natürlich wurden wütende Kunden an die Anbieter verwiesen und man konnte sich gemütlich zurücklehnen. Dieser Markt ist das beste Negativ-Beispiel dafür bei dem man sieht was dabei rauskommt wenn man glaubt alles auf Teufel komm raus privatisieren zu müssen.
Meier2011 13.10.2013
3. Leider
ist nicht nur die Flexstrom abzock-betrugsverdächtig, sondern ebenso der Insolvenzverwalter. Anstatt dass ich einen Teil meiner Vorauszahlung zurückerhalte, kam von ihm eine sofort fällige Forderung von über 2500 Euro. Da hilft wohl nur eine Betrugs-Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen diese "sauberen Herrschaften".
Byrdy100 13.10.2013
4. Ha Ha Ha
Da sind sie wieder, die Billiganbieter. Wie blöd muss man eigentlich sein sich auf so etwas einlassen. Jeder sieht am Anfang nur den kleinen Preis aber macht sich keine Gedanken dass man in Vorkasse gehen muss und wenn der Anbieter Insolvent geht dass Geld auch weg ist
zero-bond 13.10.2013
5.
Zitat von Meier2011ist nicht nur die Flexstrom abzock-betrugsverdächtig, sondern ebenso der Insolvenzverwalter. Anstatt dass ich einen Teil meiner Vorauszahlung zurückerhalte, kam von ihm eine sofort fällige Forderung von über 2500 Euro. Da hilft wohl nur eine Betrugs-Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen diese "sauberen Herrschaften".
Forderungen und Verbindlichkeiten werden in Deutschland nicht saniert. Im Insolvenzverfahren üblich: die Schuldner bezahlen die offenen Posten (in Ihrem Fall 2500 EUR), danach wird die Insolvenzmasse an die Gläubiger verteilt. Warum sollte es Ihnen als Gläubiger besser gehen als allen anderen? Dies wäre nämlich der Fall würde man die Vorauszahlungen mit ihren Zahlungsverpflichtungen verrechnen, sie würden dann Ihre kompletten Forderungen gegenüber Flexstrom bezahlt bekommen, obwohl sie einen unbesicherten Kredit vergeben haben. Hier ist kein Betrug zui erkennen.
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