Interner Bericht Telekom gibt 84 Datenverstöße zu

Bei der Deutschen Telekom hat es in den vergangenen Jahren neben der Spitzelaffäre 84 weitere bedenkliche Datenverstöße gegeben. Das räumte der Konzern am Mittwoch bei der Vorstellung einer internen Untersuchung ein. Vor allem Mitarbeiter und Geschäftspartner seien ausgeforscht worden.

Telekom-Vorstand Balz: "Fälle nicht vergleichbar mit der Bespitzelungsaffäre"
dpa

Telekom-Vorstand Balz: "Fälle nicht vergleichbar mit der Bespitzelungsaffäre"


Bonn - Die Deutsche Telekom räumt zahlreiche Datenverstöße ein: Bei einer internen Untersuchung entdeckte der Telekommunikationsriese nach eigenen Angaben neben der Spitzelaffäre weitere 84 Fälle aus den Jahren 1998 bis 2007, in denen die Ermittlungen der Konzernsicherheit als "rechtlich oder ethisch bedenklich" einzustufen sind. Das berichtete der für Datenschutz zuständige Telekom-Vorstand Manfred Balz am Mittwoch. Der Konzern will der Staatsanwaltschaft gegebenenfalls Hinweise für deren Ermittlungen geben.

Bei den Vorfällen habe die frühere Konzernsicherheit der Telekom insbesondere Mitarbeiter und Geschäftspartner ausgeforscht, sagte Balz. Neben Privatleben und persönlichem Umfeld wurde demnach teils auch die Finanzsituation der Betroffenen ausgeleuchtet. Auch Telefonverbindungen seien unter die Lupe genommen und Arbeitsplätze durchsucht worden.

Es handle sich jedoch um vereinzelte Vorgänge, die gemessen an Umfang und Systematik mit der im Frühjahr 2008 bekanntgewordenen Bespitzelungsaffäre im Konzern nicht vergleichbar seien, hob Balz hervor. Die Telekom hatte in den vergangenen Jahren systematisch Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten des Konzerns und Journalisten ausgewertet, um Informationslecks im Konzern aufzudecken.

"Unkultur des Misstrauens"

Bei den nun identifizierten Vorfällen gibt es laut Balz nur vereinzelt Überschneidungen zu der Bespitzelungsaffäre. Sie wurden demnach bei einer Untersuchung der Unternehmensberatung KPMG im Auftrag der Telekom zutage gefördert. Dafür wurden rund 100.000 Seiten an Unterlagen der Konzernsicherheit aus den vergangenen Jahren ausgewertet. Die Dokumente wurden im Zusammenhang mit der Affäre beschlagnahmt und der Telekom von der Staatsanwaltschaft nach einer Prüfung wieder zugänglich gemacht.

Ziel der neuen Untersuchung sei es gewesen, fragwürdige Vorfälle aufzuklären, bei denen die Staatsanwaltschaft bei ihrem Ermittlungen keine Anhaltspunkte für Strafverfahren gesehen oder diese als verjährt bewertet habe, sagte Balz. Bei einzelnen Fällen, die der Telekom rechtlich bedenklich erschienen, wolle der Konzern aber den Ermittlern nochmals Hinweise für mögliche Ermittlungen geben.

Von den 84 als kritisch bewerteten Vorfällen ereigneten sich laut Balz gut drei Viertel in den Jahren 2001 bis 2005. Der Großteil davon entfalle auf Vorgänge in Deutschland, ein weiterer großer Teil auf Osteuropa, wo die Telekom Tochterunternehmen hat.

Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse wolle die Telekom deutlich machen, dass sie mit der früheren "Unkultur des Misstrauens und mit einem überzogenen Sicherheitsverständnis" im Konzern brechen wolle, erklärte Balz. Deswegen sei es wichtig, nicht nur mögliche Straftaten aufzudecken, sondern auch Vorgänge aufzuklären, die für das Klima im Unternehmen insgesamt schädlich seien oder die gegen ethische Grundsätze verstießen.

fro/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.