Investitionen in Tablet-PC Angriff auf Apple kostet Amazon Millionen

Amazon will den Konkurrenten Apple offenbar um fast jeden Preis unter Druck setzen. Durch Investitionen ins Geschäft mit dem Tablet-PC Kindle Fire drohen dem Internethändler jetzt Verluste in Millionenhöhe. Die Aktionäre reagierten schockiert.
Amazon-Chef Jeff Bezos (Archivbild): Präsentation des Tablet-PC Kindle Fire

Amazon-Chef Jeff Bezos (Archivbild): Präsentation des Tablet-PC Kindle Fire

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

Seattle - Mit dem Tablet-PC Kindle Fire versucht Amazon, Apples iPad Konkurrenz zu machen. Die Kosten dafür scheint der weltgrößte Online-Händler offenbar aus den Augen zu verlieren. Ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsquartal könnte ein Verlust von bis zu 200 Millionen US-Dollar entstehen, meldete der US-Konzern am Dienstag in Seattle.

Das entspricht einem Minus von etwa 73 Prozent. Bereits im dritten Quartal brach der Nettogewinn auf 63 Millionen Dollar ein - nach 231 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Aktionäre reagierten enttäuscht. Einen derartigen Einbruch hatten Analysten nicht erwartet. Nachbörslich brach die Aktie um 14 Prozent ein.

"Es ist nicht schwer, Produkte zu verkaufen, wenn man daran nichts verdient", sagte Colin Gillis von BGC Partners unter Hinweis auf eine Marge von einem Prozent. Ken Sena von Evercore Partners verwies darauf, dass Amazon   in verschiedenen Bereichen Geld investiere. "Das zeigt sich an den Zahlen." Anleger wollten aber Zeichen sehen, dass sich die Investitionen auszahlten.

Amazon pumpt bereits seit einiger Zeit hohe Summen in den Ausbau seines Geschäfts. Auf der einen Seite will das US-Unternehmen seine Position als Marktführer im Online-Handel mit allen Mitteln verteidigen - unter anderem mit niedrigen Preisen. Auf der anderen Seite entwickelt sich Amazon immer mehr zum Anbieter von Inhalten, beispielsweise Filmen und Musik. Dazu hat der Konzern einen eigenen Tablet-Computer namens Kindle Fire auf den Markt gebracht.

Die Vorstöße führen zu rasantem Wachstum. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 44 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar. Allerdings sorgen die niedrigen Preise und hohen Kosten für eine schrumpfende Rentabilität.

Es wird vermutet, dass Amazon bei jedem neuen Kindle Geld drauflegt und - ähnlich wie Druckerhersteller mit ihren Patronen - erst später mit den Inhalten verdienen wird. Der Kindle Fire wird in den USA für 199 Dollar verkauft. Nach Erkenntnissen der Marktforscher von IHS iSuppli kostet es in der Herstellung aber fast 210 Dollar.

bos/cte/dpa/Reuters
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