Euro-Krise Investmentbanking der Deutschen Bank stürzt ab

Die Deutsche Bank hat massive Probleme im Investmentbanking. Der Gewinn der früheren Vorzeigesparte, bis vor kurzem geführt vom neuen Co-Chef Jain, brach drastisch ein. Insgesamt verdiente die Bank nur noch 660 Millionen Euro - schuld soll vor allem die Euro-Krise sein.
Konzernchefs Jain und Fitschen: Probleme mit dem Investmentbanking

Konzernchefs Jain und Fitschen: Probleme mit dem Investmentbanking

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - In guten Zeiten ist das Investmentbanking der ganze Stolz der Deutschen Bank. An den Finanzmärkten verdienen die Händler dann Milliarden, gewiefte Berater fädeln Übernahmen und Fusionen ein. Doch derzeit sieht es so aus, als seien die guten Zeiten erst einmal vorbei: Die einstige Vorzeigesparte entwickelt sich zum größten Sorgenkind der Bank.

Im zweiten Quartal des laufenden Jahres erwirtschaftete der Bereich gerade noch 357 Millionen Euro Gewinn vor Steuern - das sind 63 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und rund 80 Prozent weniger als noch im ersten Quartal.

Die neuen Chefs der Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, sehen als Grund für die Misere vor allem die Euro-Krise, die sich zuletzt wieder verschärft hat. "Die europäische Staatsschuldenkrise belastet weiterhin das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg", erklärten die seit Juni amtierenden Vorstandschefs in einer Mitteilung.

Neben der Vermögensverwaltung bekommt das Investmentbanking die Krise besonders hart zu spüren - ausgerechnet der Bereich, den Co-Chef Jain noch bis vor kurzem leitete und für den er in der Vorstandsspitze noch immer zuständig ist.

Die Bank rechnet mit einer Milliarde Euro weniger Gewinn

Die Schwäche im Kapitalmarktgeschäft reißt die ganze Bank in die Krise. Bereits vor einer Woche hatte das Institut gewarnt, dass sich der Quartalsgewinn halbieren werde. Die offiziellen Zahlen bestätigen das nun: Der Überschuss sank von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 650 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet die Bank nun nur noch einen Gewinn von zwei Milliarden Euro - eine Milliarde weniger als zuvor. Das geht aus einer Präsentation von Finanzvorstand Stefan Krause hervor.

Die Bank will demnach weiter Bilanzrisiken abbauen, um die 2013 in Kraft tretenden Kapitalregeln Basel III zu erfüllen. Eine Kapitalerhöhung, über die zuletzt immer wieder spekuliert wurde, soll es nicht geben. Ihr Engagement in spanischen Staatsanleihen hat die Bank bereits stark zurückgefahren. Das Volumen sank im zweiten Quartal von 1,4 Milliarden auf 873 Millionen Euro.

Auch andere Großbanken tun sich derzeit schwer, im Investmentbanking Geld zu verdienen. Die Schweizer Rivalin UBS häufte in der Sparte im Quartal sogar einen Verlust von 130 Millionen Franken an. Vor allem in der Beratung bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen herrscht seit Monaten Flaute. Viele Institute leiten daher neue Sparrunden ein. Die Deutsche Bank gab zunächst aber keinen weiteren Stellenabbau im Investmentbanking bekannt. In Finanzkreisen hatte es zuletzt geheißen, in dem Bereich stünden rund 1000 der zuletzt noch gut 10.000 Stellen auf der Kippe.

Besser schneidet derzeit das Privatkundengeschäft ab. Zwar schrumpfte auch hier der Gewinn vor Steuern im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 398 Millionen Euro. Damit trug das stabile Standbein der Bank jedoch mehr zum Gesamtgewinn bei als das Investmentbanking.

stk/dpa/Reuters