»Intensive Diskussion beider Seiten im Haus« So begründet Ippen das Zurückhalten der Springer-Recherche

Verlagschef Dirk Ippen hat sich persönlich dafür eingesetzt, eine Recherche zu Missständen bei der »Bild«-Zeitung unter Verschluss zu halten. Er beruft sich auf seine Verantwortung als Verleger.
Verleger Dirk Ippen (Archivbild): »...dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden«

Verleger Dirk Ippen (Archivbild): »...dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden«

Foto: Sven Hoppe / picture alliance / dpa

Die Mediengruppe Ippen hat sich zu Berichten über eine geplante, aber nicht erfolgte Veröffentlichung von eigenen Recherchen zu »Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt geäußert. »Als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit ›Bild‹ steht, müssen wir sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden«, schreibt das Unternehmen.

»Daher ist die Entscheidung gefallen, jeden Eindruck zu vermeiden, wir könnten Teil eines Versuchs sein, einen solchen wirtschaftlichen Schaden anzurichten.« Ob die Recherchen möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden, ließ Ippen offen.

Die »New York Times« hatte am Wochenende einen langen Bericht  über den Medienkonzern Axel Springer veröffentlicht, auch mit Blick auf die Pläne zur Übernahme der US-Mediengruppe Politico. In dem Artikel ging es unter anderem um »Bild«-Chefredakteur Reichelt und im Frühjahr erstmals öffentlich bekanntgewordene Vorwürfe gegen ihn.

In deutschen Medien war von Vorwürfen zu Machtmissbrauch und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen die Rede gewesen. Auch der SPIEGEL beschrieb das System Reichelt.

Springer prüfte später in einem internen Verfahren die Vorwürfe. Im März teilte das Unternehmen dann mit: »Der Vorstand ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht gerechtfertigt wäre, Julian Reichelt aufgrund der in der Untersuchung festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung – die nicht strafrechtlicher Natur sind – von seinem Posten als Chefredakteur abzuberufen.« In die Gesamtbewertung seien auch die »enormen strategischen und strukturellen Veränderungsprozesse und die journalistische Leistung unter der Führung von Julian Reichelt eingegangen«.

Nach einer befristeten Freistellung kehrte Reichelt schließlich zu Deutschlands größter Boulevardzeitung zurück.

»Bild«-Chef Julian Reichelt

»Bild«-Chef Julian Reichelt

Foto:

CLEMENS BILAN / EPA

Die »New York Times« erwähnte in ihrem Bericht, dass das Investigativteam bei Ippen – das aus dem früheren Deutschlandteam von »Buzzfeed News« hervorging – über Monate weiter recherchiert habe und nun eigentlich eine Veröffentlichung mit weiteren Details geplant gewesen sei. Diese sei dann nach Einwirken des Verlegers Dirk Ippen zurückgehalten worden.

Das Medienhaus Ippen, zu dessen Portfolio unter anderem die »Frankfurter Rundschau«, »Münchner Merkur« und die Münchner Boulevardzeitung »TZ« gehören, schrieb zu den zurückgehaltenen Recherchen, es sei keine leichte oder schnelle Entscheidung gewesen, und »es gab eine intensive Diskussion beider Seiten im Haus«.

»Ein Verleger hat immer das Recht, Leitlinien festzulegen«

»Wir stehen als Mediengruppe Ippen ganz klar dazu, dass Redaktionen frei und unabhängig arbeiten können und arbeiten müssen. Gleichzeitig hat ein Verleger immer das Recht, Leitlinien festzulegen, und es ist auch normal, bei großen Recherchen die Rechtsrisiken gemeinsam abzuwägen.«

Das Rechercheteam hatte in einem Brief an den Verleger und die Geschäftsführung seinen Unmut über die Entscheidung geäußert. Im Netz kursierte das Protestschreiben.

Die Mediengruppe Ippen betonte, das Investigativteam mache eine großartige Arbeit, und habe bereits mehrere beeindruckende Geschichten veröffentlicht. »Daher wollen wir die Arbeit mit den hervorragenden Journalistinnen und Journalisten natürlich weiter fortsetzen.«

Nach Angaben des Medienhauses hatte es keine Beeinflussung durch Springer bei der Entscheidung gegeben, auf eine Veröffentlichung zu verzichten. »Es gab keine persönlichen Versuche von Springer-Führungskräften, die Recherche zu unterbinden. Der Austausch mit Springer beschränkte sich auf den in diesen Fällen üblichen Schriftwechsel der jeweiligen Anwälte.«

Ein Sprecher des Medienkonzerns Axel Springer teilte auf Anfrage mit: »Mit Wissen von Axel Springer gab es keinen Versuch, Veröffentlichungen im Zusammenhang mit der Compliance-Untersuchung zu verhindern. Davon unbenommen sind rechtliche Hinweise, die der Wahrung berechtigter Interessen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter dienen.«

ssu/dpa-AFX
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