Beschlagnahmter Tanker Iran-Krise treibt Ölpreis in die Höhe

Iran hält den unter britischer Fahne fahrenden Tanker "Stena Impero" fest. Während die Regierung in London Strafmaßnahmen erarbeitet, belastet der Konflikt die Märkte.

Ölarbeiter in Bahrain
Hasan Jamali/AP

Ölarbeiter in Bahrain


Ein Konflikt unter Beteiligung Irans Ende der Siebzigerjahre gilt als ein Grund für die zweite Ölpreiskrise. Droht der Welt nun erneut ein Preisschock? Bislang belaufen sich die Preissteigerungen im Vergleich zu Freitag gerade mal auf rund zwei Prozent, doch die Sorge vor einer Eskalation der angespannten Lage am Persischen Golf könnte den Ölpreis noch weiter nach oben treiben.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Montagmorgen 63,49 Dollar - das waren 1,02 Dollar mehr als am Freitagabend. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 43 Cent auf 56,06 Dollar.

REUTERS

Die Spannungen nach den jüngsten Vorfällen in der Straße von Hormus dämpften auch das Geschehen an den Aktienmärkten. An der Frankfurter Börse notierte der Leitindex Dax im frühen Handel nur minimal höher, der MDax gab um 0,27 Prozent nach.

Krisenwährung Gold nachgefragt

Sollte Iran die wichtige Tanker-Route blockieren, müsse mit weiteren Preisaufschlägen gerechnet werden, sagte Neil Wilson, Chefanalyst des Onlinebrokers Markets.com. Spekulativ orientierte Anleger hätten sich bereits entsprechend positioniert. Parallel verteuerte sich auch die Krisenwährung Gold. Das Edelmetall kostete mit 1429,43 Dollar je Feinunze zeitweise 0,3 Prozent mehr als Freitag.

Großbritannien erwägt unterdessen, kurz vor dem Wechsel an der Spitze seiner Regierung Iran nach den Tankervorfällen mit Strafmaßnahmen zu belegen. Die Regierung prüft laut Verteidigungsministerium eine "Reihe von Optionen".

Großbritannien fordert die sofortige Freigabe des unter britischer Fahne fahrenden Tankers "Stena Impero". Das Schiff war am Freitag von den Iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormus gestoppt und beschlagnahmt worden.

Damit setzte sich eine Kette von Zwischenfällen mit Tankschiffen vor dem Hintergrund eines Konflikts zwischen den USA und Iran fort. US-Präsident Donald Trump stieg 2018 einseitig aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran aus und verhängte neue Sanktionen. Für das Regime in Teheran sind die Provokationen in der Meerenge im Golf von Oman daher ein beliebtes Mittel, um Stärke zu zeigen. Sie ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch dieses Nadelöhr verschifft.

Der von Iran beschlagnahmte Tanker habe internationale Vorschriften nicht beachtet, erklärten die Revolutionsgarden. Der Tanker sei rechtswidrig in den Gewässern des Omans gestoppt worden, erklärte dagegen der britische Außenminister Jeremy Hunt.

Dringlichkeitssitzung mit Premier May

Hunt will das Parlament am Nachmittag über den aktuellen Stand unterrichten. Nach Angaben britischer Medien wird erwogen, Vermögen des iranischen Staates einzufrieren. Premierministerin Theresa May will zudem eine Dringlichkeitssitzung mit dem nationalen Sicherheitsrat leiten.

Anfang Juli hatten die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy den iranischen Supertanker "Grace 1" vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen nach Syrien festgesetzt. Iran protestierte gegen das Vorgehen der britischen Behörden und bestellte mehrmals den Botschafter ein.

apr/dpa/Reuters



insgesamt 41 Beiträge
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ernstmoritzarndt 22.07.2019
1. ... erwägt weitere Strafmaßnahmen!?!?
Das ist doch inzwischen eine Leerformel. Welche denn? Wenn jemanden in das Gefängnis gesteckt habe, sind doch im Allgemeinen meine Mittel erschöpft. Gut, ich kann ihn auch noch hinrichten - und dann? Alle Welt, angefangen bei dem größten Trump aller Zeiten und aufgehört bei den Europäern, haben doch alle ihr Scherflein zu den Strafmaßnahmen beigetragen. Und? Gut, es gibt Schwierigkeiten im Iran, aber man sollte sich keinen Träumereien hingeben, etwa eines Volksaufstandes oder ähnlicher Dinge, solche Überlegungen erwiesen sich meistens als ziemlich drastische Fehlkalkulationen.
HansSzymanski 22.07.2019
2. Austauschen
Ich bin kein Seemann und bin auch kein Aida Kunde, aber wie bitteschön verläuft der Seeweg vom Iran nach Syrien? Etwa an Gibraltar vorbei ? Die Engländer kapern ein Schiff mit der Ausrede, der Iran habe Syrien beliefern wollen und spielen Weltpolizei und drohen das Schiff noch 30 Tage behalten zu wollen. Wer gibt ihnen das Recht dazu und wo ist das festgeschrieben? Jetzt steht es 1 zu 1 und die UNO als Weltpolizei oder wer immer (nicht Trump oder Maas) sollte schnellstens den Austausch arrangieren. Es tut weh zusehen zu müssen wie wieder krampfhaft ein Weg gesucht wird kriegerische Maßnahmen zu ergreifen und dabei wieder ohne Rücksicht auf Verluste der nahe Osten weiter in Brandt gesetzt wird.
lazyfox 22.07.2019
3. Vielleicht das einzige Ziel, was Trump wirklich verfolgt
Die ganze Irankrise wirkt irgenwie inszeniert. Trump wollte sie, er hat sie. Aber was steckt dahinter. Vielleich ist der einzige Hintergrund, den Ölpreis/Energiepreise hoch zu halten, damit die Amis ihre neu entdeckten Energiereserven (teures Frakinggas) verkaufen können.
nobody_incognito 22.07.2019
4.
Zitat von HansSzymanskiIch bin kein Seemann und bin auch kein Aida Kunde, aber wie bitteschön verläuft der Seeweg vom Iran nach Syrien? Etwa an Gibraltar vorbei ? Die Engländer kapern ein Schiff mit der Ausrede, der Iran habe Syrien beliefern wollen und spielen Weltpolizei und drohen das Schiff noch 30 Tage behalten zu wollen. Wer gibt ihnen das Recht dazu und wo ist das festgeschrieben? Jetzt steht es 1 zu 1 und die UNO als Weltpolizei oder wer immer (nicht Trump oder Maas) sollte schnellstens den Austausch arrangieren. Es tut weh zusehen zu müssen wie wieder krampfhaft ein Weg gesucht wird kriegerische Maßnahmen zu ergreifen und dabei wieder ohne Rücksicht auf Verluste der nahe Osten weiter in Brandt gesetzt wird.
Und dann noch die "raffinerte" Umfrage: "Wie sollte auf die iranischen Provokationen reagiert werden?" a) Mit Diplomatie b) Mit Härte Also ich persönlich würde auf das nichtvorhandene c) tippen, nämlich eigene Provokationen zu unterlassen. Und da selbiges eben nicht vorgesehen ist, kommt es wie es kommen muss.
spon.teh-ir 22.07.2019
5. Tatsachen
- Die USA und GB haben in der Operation Ajax eine demokratisch legitimierte Regierung im Iran gestürzt und sie gegen eine gefügige und totalitäre Marionette ersetzt - Die Amerikaner (und die Deutschen) haben den Irakis im Iran/Irak Krieg aktiv bei der Beschaffung von Chemiewaffen und deren Eisantz gegen iranische Zivilisten unterstützt - Der Iran hat sich an die Auflagen des Atomabkommens gehalten und muss zusehen wie die Nordkoreaner mit ihrer atomaren Aufrüstung besser fahren als die Iraner mit der Diplomatie. - Die Europäer reden und reden und reden... Ehrlichgesagt wüsste ich jetzt auch nciht mehr, wie man an Irans Stelle auf den Westen reagieren sollte?
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