Gestiegene Exporte Iran umgeht Ölembargo

Es ist ein erstaunliches Plus: Irans Ausfuhren von Heizöl sind gegenüber dem Vorquartal um gut zwölf Prozent gestiegen - trotz des Embargos. Die Sanktionen der Uno umgeht das Regime nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters offenbar mit kreativen Lösungen.

Ölanlage in Iran: "Wir sind abhängig von Lieferungen"
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Ölanlage in Iran: "Wir sind abhängig von Lieferungen"


Singapur - Der Streit um das iranische Atomprogramm schwelt seit Jahren, am Wochenende ging ein weiterer Gesprächsmarathon ohne echte Annäherung zu Ende. Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats und Deutschland hatten der Islamischen Republik bei einem Einlenken eine Lockerung der erst kürzlich verschärften Uno-Sanktionen in Aussicht gestellt.

Doch die treffen das Land offenbar weniger als beabsichtigt: In den ersten drei Monaten des Jahres seien die Ausfuhren von Heizöl im Vergleich zum Vorquartal um fast 12,5 Prozent gestiegen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Angaben von Händlern und eigene Daten. Damit lagen die Exporte bei knapp 18 Millionen Barrel.

Zwar führten die Uno-Sanktionen im vergangenen Jahr zu einem Einbruch der Rohöl-Exporte und Kosten von 30 Milliarden Euro. Die iranischen Behörden hätten aber kreative Strategien entwickelt, um die Sanktionen zu umgehen, hieß es. Diese reichten von Umladungen von Öl auf See über das Ansteuern von abseits gelegenen Häfen bis zur Vermischung iranischen Öls mit anderem Brennstoff, um die Herkunft zu verschleiern.

Der Westen wirft Iran vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an Atombomben zu arbeiten, was dieser bestreitet. Nach dem Scheitern der jüngsten Gesprächsrunde sprachen sich sowohl die indische als auch die deutsche Regierung dafür aus, die Verhandlungen fortzusetzen. "Die Gespräche dürfen nicht abgebrochen werden", sagte Indiens Außenminister Salman Kurshid nach einem Gespräch mit seinem deutschen Kollegen Guido Westerwelle (FDP) in Berlin.

Beide Minister spielten die Tatsache herunter, dass Indien nicht den westlichen Sanktionen folgen will. "Wir sind abhängig von Öllieferungen aus Iran", sagte Kurshid. Aber wie Deutschland sei man gegen eine nukleare Bewaffnung Irans. "Das Ziel ist dasselbe, die Taktik kann sich unterscheiden."

Westerwelle lobte, dass Indien die Ölimporte aus Iran zumindest reduziert habe. Es gelte weiter, eine politische und diplomatische Lösung zu finden. Immerhin seien die Gespräche am Wochenende die bislang "fachlich und sachlich intensivsten" gewesen.

dab/Reuters

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