Opioidkrise Irreführende Werbung treibt Schmerzmittelabsatz in China voran

In den USA hat der Pharmahersteller Purdue mit dem Schmerzmittel Oxycontin die tödlichste Drogenepidemie der Geschichte ausgelöst. Jetzt rollt er den chinesischen Markt auf - mit den gleichen fragwürdigen Methoden.
Chinesische Schachteln mit dem Schmerzmittel Oxycontin

Chinesische Schachteln mit dem Schmerzmittel Oxycontin

Foto: Mark Schiefelbein/ AP

Falsche Ärzte, irreführende Behauptungen: Während die Pharmafirma Purdue in den USA wegen einer tausendfachen Sammelklage in die Knie geht, treibt die Eigentümerfamilie Sackler ihr Geschäft in China mit denselben fragwürdigen Mitteln voran, die schon in den USA halfen, große Marktanteile zu erobern.

Wie aus Befragungen von Angestellten und Dokumenten hervorgeht, bewirbt der chinesische Ableger Mundipharma China Pharmaceutical das Schmerzmittel Oxycontin auch gegenüber chinesischen Ärzten mit der Botschaft, dass dessen zeitverzögernde Wirkung weniger abhängig mache als andere Opioide. Dies ist genau dieselbe Aussage, die ein US-Gericht bereits vor zehn Jahren als falsch erklärt hatte. Trotzdem habe Mundipharma das Mittel als sicher bei chronischen Schmerzen angepriesen - auch bei steigender Dosierung.

Außerdem seien Mundipharma-Vertreter angewiesen worden, private Krankenakten ohne Zustimmung zu kopieren, sagten Angestellte - was chinesisches Recht verletze. Auch sagten frühere Vertreter aus, sie hätten sich manchmal mit weißen Kitteln als Ärzte verkleidet, um Patienten in Krankenhäusern zu besuchen.

Mundipharma reagierte auf die Vorwürfe, indem es sofortige Nachforschungen ankündigte. Auf Details ging die Firma nicht ein, verwies aber auf seine Firmenpolitik, die sicherstelle, "dass unsere Medikamente verantwortungsbewusst und in Übereinstimmung mit Chinas strengen Vorschriften für Analgetika vermarktet werden."

Auch in anderen Ländern wie Italien und Australien hat Mundipharma seinen Verkaufsschlager Oxycontin auf fragwürdige Weise vertrieben. Doch die Hoffnung der Firma liegt besonders auf China, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde. Dort wolle die Firma seine amerikanischen Umsätze bis 2025 überholen.

Während Purdue in den USA im vergangenen Jahr seine gesamten Opioid-Vertreter entließ, besetzt Mundipharma in China laufend neue Stellen.


caw/AP
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