Britische Steueroase Isle of Man 85.000 Einwohner - 952 registrierte Flugzeuge

Prominente wie Formel-1-Star Lewis Hamilton und Kreml-nahe Oligarchen registrieren ihre Privatjets gern auf der Isle of Man. Auf dem Papier hat die Insel eine der größten Flugzeugflotten der Welt.
Isle of Man

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Foto: imago/ robertharding

Moskau hat drei internationale Flughäfen - wenn es aber um die Anmeldung ihrer Privatjets geht, bleiben russische Oligarchen der russischen Hauptstadt häufig fern. Stattdessen geben sie einem winzigen Flecken Erde 2700 Kilometer weiter westlich in der Irischen See den Vorzug, der britischen Steueroase Isle of Man.

Wie die Paradise Papers nun enthüllen, gehören zu den Profiteuren der Steuerprivilegien der Insel auch zwei alte Bekannte des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Rechercheverbund OCCRP berichtet, dass die russischen Milliardärs-Brüder Arkadij und Boris Rotenberg die Insel nutzten, um ihre Privatjets anzumelden - und ordentlich Steuern zu sparen (hier geht's zur Originalrecherche ).

Arkadij Rotenberg ist in Russland bekannt geworden, weil er vor vielen Jahren mal Putins Judo-Partner war. Inzwischen ist er zu einem der reichsten Männer des Landes aufgestiegen, das US-Magazin "Forbes" schätzt sein Vermögen auf 2,3 Milliarden Dollar.

Putin-Bekannter Arkadij Rotenberg

Putin-Bekannter Arkadij Rotenberg

Foto: Alexander Kulebyakin/ AP/dpa

Wie aus den Paradise Papers hervorgeht, registrierte Arkadij Rotenberg seinen Bombardier XRS Jet im Februar 2012 auf der Isle of Man - und sparte sich damit nicht nur erheblichen bürokratischen Aufwand in seiner russischen Heimat, sondern laut OCCRP auch acht Millionen Dollar Mehrwertsteuer.

Eine der größten Flugzeugflotten weltweit

Grund ist der besondere Status der Insel: Sie ist zwar der britischen Krone unterstellt, gehört offiziell aber nicht zum Vereinigten Königreich. Die Einwohner haben zwar britische Pässe, die Isle of Man gehört aber nicht zum Territorium der EU. Nur: Dank eines Abkommens mit London gelten auf der Insel eingetroffene Importe automatisch auch als in Großbritannien eingeführt.

Der besondere Status hat die Isle of Man zu einem Anlaufpunkt für viele Flugzeugeigner gemacht. Insgesamt beziffern die Behörden die Zahl der gemeldeten Jets auf 952 Stück. Laut eigenen Angaben verfügt die 85.000-Einwohner-Insel über das weltweit sechstgrößte Flugzeugregister.

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Bono, Ross, Hamilton: Die wichtigsten Namen aus den Paradise Papers

Foto: Lars Baron/ Getty Images

In den durchgestochenen Unterlagen der Kanzlei Appleby finden sich die Namen weiterer prominenter Flugzeugbesitzer mit Verbindung zu der winzigen Insel: Arkadij Rotenbergs Bruder Boris, laut "Forbes" rund eine Milliarde Dollar schwer, registrierte seinen Privatjet ebenso in der Irischen See, wie Aluminiummagnat Oleg Deripaska (6,4 Milliarden Dollar). Wobei Deripaska, dem russische Medien einen guten Draht zum Kreml nachsagen, gar nicht selbst als Besitzer der Gulfstream-550-Maschine in Erscheinung trat. In den Papieren fungiert Deripaskas Mutter Valentina als Eigentümerin.

Auch Formel-1-Star Lewis Hamilton hat so laut "Süddeutscher Zeitung" Steuern für seinen Privatjet gespart . Insgesamt finden sich in den Appleby-Unterlagen Spuren von 50 auf der Isle of Man registrierten Maschinen. Die Steuereinbußen schätzen die Rechercheure auf rund 200 Millionen Dollar.

beb
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