Italien Deutscher Top-Banker übernimmt Chefposten bei Unicredit

Die italienische Großbank Unicredit wird ab sofort von einem Deutschen geführt: Der bisherige Aufsichtsratschef Dieter Rampl hat in der Nacht zum Mittwoch den Chefposten übernommen. Vorgänger Profumo war in die Kritik geraten, weil Libyen seinen Einfluss auf das Institut ausgebaut hatte.
Neuer Unicredit-Chef Dieter Rampl: Nur eine Übergangslösunng

Neuer Unicredit-Chef Dieter Rampl: Nur eine Übergangslösunng

Foto: Luca Bruno/ AP

Mailand - Fliegender Chefwechsel bei einer der größten Banken Europas: Alessandro Profumo, gerade eben noch Vorstandsvorsitzender der italienischen Unicredit, hat sein Amt mit sofortiger Wirkung aufgegeben. Wie die Bank am frühen Mittwochmorgen mitteilte, nahm sie das Rücktrittsgesuch des 53-Jährigen an.

Vorübergehend wird nun Verwaltungsratschef Dieter Rampl die Führung übernehmen. Rampl war früher Chef der Münchner HypoVereinsbank, die mittlerweile zum Unicredit-Konzern gehört. Nachdem Profumo das deutsche Institut übernommen hatte, erhielt Rampl den Chefposten im Verwaltungsrat der italienischen Bank.

Dass der deutsche Top-Banker nun auch den Vorstandsvorsitz übernimmt, gilt allerdings nur als Übergangslösung. Vielmehr soll Rampl in den kommenden Wochen einen dauerhaften Nachfolger für Profumo suchen.

Dabei dürfte auch nach externen Kandidaten geschaut werden, sagen Bankinsider. Italienische Zeitungen nannten als Aspiranten den früheren Goldman-Sachs-Manager Claudio Costamagna und den Ex-Chef der römischen Bank Capitalia, Matteo Arpe. Daneben kämen aber auch die vier Stellvertreter Profumos in Frage, wie in Finanzkreisen verlautete.

Profumo hatte 13 Jahre lang die Geschicke der Unicredit gelenkt. Er hatte die einst rein italienische Bank Unicredito zu einem europäischen Institut ausgebaut und war zweimal zum "Europäischen Bankier des Jahres" gekürt worden. In den vergangenen Monaten lieferte er sich jedoch einen Machtkampf mit Aktionären. Diese fürchteten einen wachsenden Einfluss Libyens, nachdem das Land seine Anteile an dem Institut aufgestockt hatte.

Profumos Ehefrau widerspricht der offiziellen Darstellung

Politiker kritisierten ebenfalls, Profumo habe den libyschen Aktienzukauf zugelassen, ohne die Führungsgremien der Bank zu informieren. Insider sagen, dies habe auch Rampl als Vorsitzendem des Verwaltungsrats nicht gefallen. Der höhere Anteil Libyens hat sogar die italienische Börsenaufsicht Consob auf den Plan gerufen.

Das nordafrikanische Land ist über seine Zentralbank und über einen Staatsfonds mit insgesamt 7,6 Prozent an der Unicredit beteiligt. Die Börsenaufsicht prüft nun, ob die beiden Investoren tatsächlich voneinander unabhängig sind. Außerdem fürchtet sie, dass Libyen weitere Anteile aufkaufen könnte.

Offiziell ist von all dem Ärger selbstverständlich nichts zu hören. In der Mitteilung der Unicredit zum Profumo-Rücktritt heißt es: "Der Unicredit-Aufsichtsrat und Alessandro Profumo stimmen darin überein, dass nach 15 Jahren der Moment für einen Wechsel an der Spitze der Gruppe gekommen ist." Der Erklärung, die am frühen Mittwochmorgen veröffentlicht wurde, war eine nächtliche Aufsichtsratssitzung von viereinhalb Stunden vorausgegangen.

Profumos Ehefrau Sabina Ratti lieferte eine Erklärung, die der Wahrheit wohl näher kommt: "Es war eine Forderung des Rates, und er ist zurückgetreten", sagte sie. Der Rat habe ihrem Mann das Vertrauen entzogen.

wal/dpa/Reuters/apn
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