Kursrutsch Italienkrise belastet Mailands Börse

Der Leitindex der Mailänder Börse hat mit einem Kursrutsch auf die Regierungskrise in Italien reagiert. Besonders stark waren Bankaktien betroffen. Die Anleiherendite ist dagegen kräftig gestiegen.

Die Börse in Italiens Finanzzentrum Mailand wird von der Regierungskrise belastet
AP

Die Börse in Italiens Finanzzentrum Mailand wird von der Regierungskrise belastet


Die Regierungskrise in Italien hat den italienischen Aktienmarkt ins Wanken gebracht. Der Leitindex der Mailänder Börse rutschte bis zu 2,5 Prozent ab, nachdem Vizeministerpräsident Matteo Salvini die Koalition seiner rechtspopulistischen Lega mit der Fünf-Sterne-Bewegung für gescheitert erklärt hatte.

Am Anleihenmarkt gerieten die Kurse italienischer Staatspapiere unter Druck, die Anleiherendite stieg im Gegenzug vergleichsweise stark. In der zehnjährigen Laufzeit legte sie um 0,28 Prozentpunkte auf 1,81 Prozent zu. Gleichzeitig stieg der Risikoaufschlag zu vergleichbaren Bundestiteln auf ein Sechseinhalb-Wochen-Hoch.

Da italienische Banken zahlreiche Bonds ihres Landes halten, gerieten ihre Aktien ebenfalls unter Druck. Der italienische Bankenindex fiel auf ein Drei-Jahres-Tief von 7271 Punkten. In seinem Sog verloren die Finanzwerte der Eurozone im Schnitt 2,6 Prozent.

Aussichten wenig rosig

Seit Donnerstagabend spitzt sich die Regierungskrise in Rom zu. Der Innenminister und Chef der Lega, Matteo Salvini, hatte zuletzt ein Misstrauensvotum im Senat gegen Ministerpräsident Giuseppe Conte angekündigt.

Entzieht das Parlament dem Regierungschef das Vertrauen, wäre die Populistenallianz aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung auch formal am Ende. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und leidet unter einer schwächelnden Wirtschaft sowie einem hohen Schuldenstand.

Video: Salvinis Machtkampf in Italien

Remo Casilli/REUTERS

Staatspräsident Sergio Mattarella werde zunächst sicher eine Kabinettsumbildung versuchen, prognostizierte Commerzbank-Analyst Marco Wagner. Aber auch unter einer neuen Mitte-Rechts-Regierung unter Führung der Lega nach möglichen Neuwahlen im Oktober seien die Aussichten nicht rosig. "Strukturreformen werden - wenn überhaupt - nur in geringem Maße erfolgen. Italien wird weiter das schwache Glied im Euroraum bleiben."

brt/dpa/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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bartsuisse 09.08.2019
1. das schwache Glied im Euroraum
allerdings die 3. Volkswirtschaft der Eurozone mit positiver Leistungsbilanz, Exportüberschuss und NICHT in Rezession. Das schwächste Glied sagt der Chef der teilverstaatlichten CoBa die in der schlechtesten Kategorie des Stresstests abschloss. Sehr glaubwürdig. Spanien, Portugal, Griechenland sind also stärker als Italien? Italiens Wirtschaft ist so gross wie diese drei PLUS Irland...zu oft the weakest link geschaut?
bartsuisse 09.08.2019
2. Griechenland, Portugal und Spanien
sind natürlich alles starke Nettozahler und werden dem schwächsten Glied der Eurozone Italien beistehen nicht wahr? Meinte er wohl eher von Deutschland, Frankreich und Italien sei Italien das schwächste Glied? Würde etwas mehr Sinn machen. Mit 18% Wirtschaftsanteil in der Eurozone, als G7 Staat, Nettozahler und Nettobürge macht seine Aussage keinen Sinn. Es wundert mich aber wenig, dass Deutschland die mit Abstand schlechtesten Grossbanken aller G7 Staaten hat, mit solchen Direktoren klappts halt nicht..
bartsuisse 09.08.2019
3. Strukturreformen ?
von welchen Strukturreformen spricht der Herr genau? Arbeitsmarkt und Rentensystem wurden reformiert, letzteres ist nachhaltig finanziert. Einfach etwas nachplappern? Die OECD nannte Italien als eines der Länder mit den meisten Reformen....die Eckdaten der Natuon sind im Vergleich gut. Tiefe implizite Verschuldung, hohe Wohneigentumsquote, 7. reichste Nation nach Gesamtvermögen, breitest aufgestellte Industrie die konkurrenzfähig ist international als 8. grösste Exportnation. SPON vielleicht ist es besser nicht die verstaatlichte CoBa zu befragen....
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