Leitindex leicht positv Mailänder Börse reagiert kaum auf rechten Wahlsieg in Italien

Der Rechtsruck in Italien nach den Parlamentswahlen spielte an den Aktienmärkten bislang fast keine Rolle. In Mailand drehte der Leitindex um rund ein Prozent ins Plus.
Giorgia Meloni bei der Stimmabgabe: Koalieren sie und ihre faschistische Partei mit Lega und Forza Italia?

Giorgia Meloni bei der Stimmabgabe: Koalieren sie und ihre faschistische Partei mit Lega und Forza Italia?

Foto: ANDREAS SOLARO / AFP

Die europäischen Aktienmärkte blieben im Blick auf den Wahlsieg des rechten Lagers bei der italienischen Parlamentswahl gelassen. An der Mailänder Börse lag der Leitindex am Morgen zwischenzeitlich mit rund einem Prozent im Plus, der Bankenindex stieg um 2,2 Prozent. Die italienische Börse verzeichnete damit einen leicht größeren Zuwachs im Vergleich zu anderen europäischen Handelsplätzen. Womöglich hatten Anleger das Ergebnis bereits eingepreist, die Kurse waren vergangene Woche stark zurückgegangen.

Hochrechnungen zufolge hat die Rechtsaußen-Partei Fratelli d’Italia (FDI) von Giorgia Meloni die Wahl mit rund einem Viertel der Stimmen gewonnen. Mit ihren Bündnispartnern der rechtsnationalen Lega und der konservativen Forza Italia (FI) von Silvio Berlusconi kommt Meloni demnach auf gut 43 Prozent der Stimmen, was nach dem komplexen italienischen Wahlsystem für eine absolute Mehrheit der Sitze im Abgeordnetenhaus und im Senat reichen dürfte .

Entwicklung abwarten

»Während des Wahlkampfs hat Giorgia Meloni beruhigende Botschaften über die Haushaltspolitik und das Verhältnis Italiens zur EU gesendet«, teilten die Marktanalysten der Bank Unicredit mit. »Aber die Anleger werden Zeit brauchen, um zu beurteilen, ob sie diese Versprechen auch einhalten will.«

Hinzu kommt: An den Finanzmärkten könnte Italien auch unter Meloni bestehen, wie Commerzbank Forscher Jörg Krämer im SPIEGEL-Interview sagte . Und auch eine rechte Regierung wolle es sich nicht mit Brüssel verscherzen, von dessen Geld sie in vielen Bereichen abhängig ist. Wegen der trüben Aussichten für die Konjunktur muss ohnehin in zahlreichen europäischen Staaten mit größerer Unsicherheit gerechnet werden.

Dementsprechend stärkere Bewegungen gab es zu Wochenbeginn im deutschen Leitindex. Der Dax baute seine Verluste aus der Vorwoche in Folge einer Welle der Angst vor einem tiefgreifenden Konjunkturabschwung zunächst weiter aus, ehe er sich wieder einfing.

apr/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.