Italien-Referendum Anleger reagieren gelassen

Nach dem gescheiterten Referendum in Italien sind die befürchteten Kursstürze ausgeblieben - im Gegenteil: Die Börsen in Frankfurt und Mailand sind im Plus, der Euro verliert nur leicht an Wert.
Börse in Tokio

Börse in Tokio

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Die Akteure an den Börsen sind vom Scheitern des Verfassungsreferendums in Italien offenbar nicht überrascht worden. Die von einigen Experten erwarteten Kursstürze bleiben bislang aus. Stattdessen liegen die Leitindizes an den Börsen in Frankfurt und Mailand sogar im Plus. Der Kurs des Euro sank im Vergleich zum Handelsschluss am Freitag mit 0,25 Prozent nur leicht auf einen Kurs von 1,0635 Dollar am Freitagvormittag.

Der Dax   in Frankfurt stieg kurz nach Eröffnung auf rund 10.700 Punkte und lag damit rund 1,8 Prozent höher als am Freitag. Damit hat der deutsche Leitindex nahezu den Stand von Mitte November erreicht - danach war er bis vergangenen Freitag um mehr als zwei Prozent gefallen, auch wegen des erwarteten Scheiterns des Referendums. Der FTSE MIB in Mailand startete zwar mit Verlusten von rund zwei Prozent in den Handel, stieg dann aber über seinen Schlusskurs vom Freitag. Zuletzt betrug das Plus rund 0,3 Prozent.

Bereits die Börsen in Asien hatten - während es in Europa noch Nacht war - nur mit leichten Ausschlägen auf die Nachrichten aus Italien reagiert. In Tokio schloss der Nikkei-Index   weniger als ein Prozent im Minus, in Hongkong, Australien, Taiwan und Südkorea betrugen die Verluste der Leitindizes nur rund ein Viertel bis ein halbes Prozent.

Der Euro   verlor kurz nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses zwar rund eineinhalb Prozent auf 1,0506 Dollar und sank damit auf den niedrigsten Stand seit dem Frühjahr 2015. Nach der raschen Ankündigung von Regierungschef Matteo Renzi, von seinem Amt zurückzutreten, stieg der Kurs jedoch wieder und lag am Vormittag nur rund 0,2 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag. Dahinter könnte die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Regierungskrise in Italien stehen.

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Allerdings hatte die Gemeinschaftswährung bereits im November zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent an Wert verloren, auch, weil Umfragen auf ein Scheitern des Referendums in Italien hindeuteten. Der Euro könnte wegen Befürchtungen vor einem Wiederaufflammen der europäischen Schuldenkrise künftig weiter unter Druck geraten, wenn sich die Regierungskrise in Rom doch länger hinziehen sollte. Zudem ist der Bankensektor des Landes angeschlagen. Auch große Institute haben faule Kredite in den Bilanzen, über eine staatliche Rettung wird spekuliert.

In der Nacht auf Montag jedoch gewannen sichere Anlageformen wie der japanische Yen oder der Schweizer Franken nur leicht an Wert, der Goldpreis gab sogar leicht nach. Damit fiel die Reaktion an den Finanzmärkten auf das gescheiterte Referendum in Italien deutlich verhaltener aus als etwa bei der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November oder dem Brexit-Votum in Großbritannien im Juni.

fdi/dpa/Reuters
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