Übernahme in Italien Bankenrettung kostet Tausende Jobs

Die Rettung zweier Pleite-Banken in Italien kostet den Steuerzahler bis zu 17 Milliarden Euro. Trotzdem sollen mehr als ein Drittel der Banker ihren Arbeitsplatz verlieren - und Hunderte Filialen schließen.
Bank Intesa Sanpaolo

Bank Intesa Sanpaolo

Foto: STEFANO RELLANDINI/ REUTERS

Mit der Rettung zweier italienischer Banken sollen 3900 der insgesamt 10.800 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Bank Intesa Sanpaolo, die die gesunden Unternehmensteile der Veneto Banca und der Banca Popolare di Vicenza übernimmt, will nach eigenen Angaben 600 von 960 Filialen schließen. Die Geschäfte erhält die größte Privatkundenbank des Landes zum symbolischen Preis von einem Euro.

Der Staat unterstützt den Teilverkauf der beiden kleineren regionalen Banken mit insgesamt bis zu 17 Milliarden Euro. 5,2 Milliarden Euro davon fließen sofort - unter anderem für Abfindungen und die Eingliederung der beiden Regionalbanken. Mit den weiteren knapp zwölf Milliarden Euro sollen faule Kredite der beiden Banken abgewickelt werden.

Intesa Sanpaolo teilte trotz des geplanten Arbeitsplatzabbaus mit, durch die Übernahme würden schwere soziale Folgen vermieden - ohne ihr Einspringen wären die Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza pleite gegangen. Ihr Engagement sichere Arbeitsplätze, die Ersparnisse von zwei Millionen Haushalten und die Geschäfte von 200.000 Unternehmen. Die Arbeitsplätze von drei Millionen Menschen in der Region könnten dadurch erhalten werden.

Die italienische Zentralbank versicherte, alle Filialen der beiden Krisenbanken hätten weiterhin geöffnet. Die Geschäfte liefen fortan unter der Verantwortung der Intesa Sanpaolo. Der Aktienkurs der Bank stieg bis zum Mittag um knapp vier Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Freitag erklärt, dass für die Banca Popolare di Vicenza und die Veneto Banca die Kriseneinrichtungen der EU nicht zuständig sind. Die Regierung in Rom beschloss daraufhin das Rettungspaket, das die EU-Kommission umgehend billigte.

Dieser Schritt stieß in Deutschland parteiübergreifend auf teils heftige Kritik. "Mit dieser Entscheidung geleitet die Kommission die Bankenunion zum Sterbebett", sagte der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Neue Regeln sollten nach der Finanzkrise eigentlich verhindern, dass die Steuerzahler für marode Banken aufkommen müssen. Der FDP-Europaabgeordnete Michael Theurer sprach von einem "skandalösen Sündenfall".

Die neue europäische Abwicklungsbehörde hab die Feuerprobe nicht bestanden, sagte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Die Rettungsaktion sei ein "gefährlicher Dammbruch", die EU-Regeln seien erneut umgangen worden. Durch die Lösung werde der faire Wettbewerb beschädigt. "Banken in Italien werden sich nun auch für Risiko-Geschäfte weiterhin günstig finanzieren können, weil Investoren davon ausgehen können, dass die Regierung sie schützt." Kleinanleger hätte man auch anders schützen können, sagte er. "Stattdessen retten erneut die Steuerzahler Millionäre und Finanzinvestoren."

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verteidigte die Billigung. Die linksliberale dänische Politikerin verwies darauf, dass Anteilseigner und Besitzer nachrangiger Anleihen voll an den Kosten der Abwicklung der beiden Banken beteiligt würden. Zudem werde die italienische Bankenbranche von zahlreichen faulen Krediten befreit.

2016 war bekannt geworden, dass Italiens Banken in einer ernsthaften Krise stecken. Zu den Gründen zählen zahlreiche faule Kredite sowie die starke Zersplitterung der Branche in Italien - in dem Land gibt es fast 700 Banken.

Italiens drittgrößte Bank Monte dei Paschi di Siena (BMPS) soll demnächst verstaatlicht werden. Dem ältesten Geldhaus der Welt fehlen rund fünf Milliarden Euro. Die EZB-Prüfung zu den Krediten erwartet die Bank eigenen Angaben zufolge im ersten Halbjahr 2017. Zudem muss sich das Institut noch mit der EU-Kommission über einen Stellenabbau einigen. Der Großbank Unicredit gelang dagegen eine erfolgreiche Umstrukturierung.

apr/AFP/Reuters
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