Ivomectin Entwurmungsmittel in Österreich ausverkauft – weil FPÖ-Chef es bei Corona empfiehlt

Laut Apothekerverband kommt es in Österreich zu Vergiftungen mit Ivermectin. Auslöser sind zweifelhafte Empfehlungen der rechten FPÖ: Deren Anhänger nehmen mitunter die für Pferde gedachte Dosis.
Entwurmungsmittel: Normalerweise wird es gegen Parasiten eingesetzt

Entwurmungsmittel: Normalerweise wird es gegen Parasiten eingesetzt

Foto: Ted S. Warren / AP

Die Coronakrise hat schon einige Konsumphänomene und seltsame Krisengewinner hervorgebracht: die Hersteller von Toilettenpapier zum Beispiel, Holzfabrikanten (weil viele Menschen Möbel kaufen) oder Chiphersteller.

In Österreich reiht sich nun der Hersteller eines Entwurmungsmittels in die Reihe der Profiteure ein, doch der Hintergrund ist ernst: In vielen Apotheken des Landes ist das Präparat Ivermectin vergriffen. Es wird eigentlich seit Langem eingesetzt gegen Parasiten, die Krätze verursachenden Skabiesmilben etwa.

Der Ansturm auf das Entwurmungsmittel hängt aber mit der aktuellen Coronawelle in Österreich zusammen, genauer gesagt: mit einem sehr prominenten Coronapatienten. Herbert Kickl, Chef der rechten Partei FPÖ, ist an Covid-19 erkrankt. Wie in Deutschland die AfD hat sich die FPÖ in Österreich gegen staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie gestellt und schürt Zweifel an den Impfungen gegen das Virus. Kickl hatte – noch vor seiner Erkrankung – Anfang November deshalb einen »Plan B« gegen das Virus vorgestellt. Statt auf Impfungen solle man lieber auf Ivermectin setzen, das Entwurmungsmittel.

Falsche Dosierung kann toxisch wirken

Das ruft Erinnerungen wach an Donald Trump: In den USA propagierte der damalige Präsident 2020 die prophylaktische Einnahme des Malariamittels Hydroxychloroquin gegen Corona. Dabei kann das Präparat bei falscher Dosierung Vergiftungen auslösen.

Kickls »Empfehlung« hat einen (winzigen) wahren Kern: In Laborversuchen senkte die Gabe von Ivermectin mitunter die Viruskonzentration, jedenfalls bei Zellen in Reagenzgläsern. Das Problem: Um im Menschen einen Effekt zu erzielen, müssten Patienten eine sehr hohe Dosierung des Präparats zu sich nehmen. Das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen hat deshalb bereits im Frühjahr eine Warnung veröffentlicht, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eine solche Dosierung toxisch wirke. Die Behörde rät dringend von der Selbstmedikation mit dem Mittel ab. 

Nach Angaben der Oberösterreichischen Apothekerkammer hat es tatsächlich schon Vergiftungen mit dem Mittel gegeben. »Viele Leute nehmen das Medikament völlig falsch ein«, warnt Kammer-Chef Thomas Veitschegger. Sie nähmen »die weitaus höhere Dosis, die eigentlich für Pferde gedacht ist« .

beb
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