IWF-Bericht Iran-Sanktionen könnten Ölpreis in die Höhe treiben

Die EU hat harte Sanktionen gegen Iran beschlossen, nun warnt der Internationale Währungsfonds vor Konsequenzen: Sollten die Ölexporte gestoppt werden, könnte der Preis um bis zu 30 Prozent steigen.

Washington - Ein Stopp iranischer Ölexporte könnte den Preis nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 20 bis 30 Prozent nach oben treiben. Finanzsanktionen, wie sie die USA verhängten, seien gleichbedeutend mit dem am Montag erlassenen Einfuhrverbot der Europäischen Union, hieß es am Mittwoch in einem IWF-Bericht an die G20. Dadurch würde der fünftgrößte Ölproduzent der Welt pro Tag rund 1,5 Millionen Barrel weniger ausführen können.

Aus der Branche kamen dagegen andere Einschätzungen: Der französische Ölriese Total rechnet nicht mit einem größeren Einfluss des Embargos der EU auf den iranischen Absatz oder den Ölmarkt im Allgemeinen. Das Öl werde anderweitig verkauft, sagte Konzernchef Christophe de Margerie am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Die Islamische Republik könnte auch Preisnachlässe gewähren, um den Verkauf zu beschleunigen. Total selbst hält sich nach eigenen Angaben bereits an das Embargo und hat seine Käufe gestoppt. Zuvor hatten die Franzosen pro Tag rund 80.000 Barrel abgenommen.

Dem Iran wird vorgeworfen, unter dem Deckmantel der Energieerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten, was die Führung in Teheran bestreitet. Die EU verschärfte am Montag ihre Sanktionen gegen das Land: Ab 1. Juli 2012 soll der Import von Erdöl und petrochemischen Produkten aus Iran gestoppt werden, außerdem soll mit Sanktionen gegen iranische Banken Teherans Zugang zum internationalen Finanzsystem erschwert werden. Ziel der Strafmaßnahmen ist es, Iran zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Aufgabe seines Nuklearprogramms zu bewegen.

US-Präsident Barack Obama hatte den "starken Schritt" der Europäer gelobt - und seinerseits Sanktionen gegen die iranische Bank Tejarat verhängt. In seiner Rede zur Lage der Nation erklärte Obama in der Nacht zum Mittwoch: "Ich werde keine Option vom Tisch nehmen, um Iran daran zu hindern eine Atombombe zu entwickeln." Gleichzeitig bekräftigte er, dass eine friedliche Lösung nach wie vor möglich sei, und Iran bei einem Einlenken in die internationale Gemeinschaft zurückkehren könne. Ob die Sanktionen Wirkung zeigen, bleibt weiter ungewiss (fünf Szenarien zur Zukunft des Iran-Konflikts lesen Sie hier).

Die Regierung in Teheran hat mit wüsten Drohungen auf die Sanktionen reagiert und seinerseits erwägt, die Öllieferungen nach Europa zu stoppen. Außerdem werde die wichtige Transportroute durch die Straße von Hormus dichtgemacht, hieß es.

Die Angst vor einer Eskalation des Atomstreits zwischen der EU und Iran hat den Ölpreis in den vergangenen Tagen bereits in die Höhe getrieben. Der Preis für ein Fass des US-Öls WTI stieg zuletzt um 18 Cent auf 99,13 Dollar. Am Mittwoch wurde Brent mit 110,18 US-Dollar je Barrel gehandelt, 15 Cent mehr als am Dienstag.

aar/Reuters/dpa
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