IWF-Prognose Deutsche Wirtschaft wächst langsamer als die der Eurozone

Die weltweite Konjunktur zieht an - trotz Brexit und der Unsicherheiten der aktuellen US-Politik. Das geht aus einer neuen Prognose des Internationalen Währungsfonds hervor. Für Deutschland fällt das Plus bescheidener aus.
Autozug mit Neuwagen für den Export in Bremerhaven (Archiv)

Autozug mit Neuwagen für den Export in Bremerhaven (Archiv)

Foto: David Hecker/ Getty Images

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für Deutschland in diesem und im kommenden Jahr ein etwas geringeres Wachstum als im Schnitt der gesamten Eurozone. Die Bundesrepublik kann laut aktueller Prognose 2017 mit einer Steigerung ihrer Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent und 2018 dann um weitere 1,6 Prozent rechnen. Für alle Euroländer setzt der IWF mit 1,9 (2017) und 1,7 (2018) Prozent höhere Raten an. Dies geht aus dem aktualisierten Ausblick der Organisation hervor, der in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur vorgestellt wurde.

Verglichen mit den bisherigen Zahlen aus dem April hob der IWF seine Vorhersage leicht an. Grund dafür seien Hinweise auf "mehr Schwung bei der Inlandsnachfrage als zuvor vorhergesehen". Vor allem Kritiker der Exportstärke Deutschlands fordern, dass etwa durch mehr heimische Investitionen Überschüsse im Außenhandel abgemildert werden sollen.

Weltweit rechnet der IWF trotz der Unsicherheiten über die US-Finanz- und Wirtschaftspolitik weiter mit einer Beschleunigung des globalen Wachstums. Die Weltwirtschaft könne 2017 um 3,5 Prozent und 2018 um 3,6 Prozent wachsen - nach 3,2 Prozent 2016. "Es gibt inzwischen kein Fragezeichen mehr, dass die Weltwirtschaft mehr Schwung aufgenommen hat", sagte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. Während die Aussichten für viele europäische Länder besser geworden seien, hätten sie sich für die USA und Großbritannien allerdings eingetrübt.

Für Frankreich, Italien und Spanien ist der Fonds zuversichtlicher. Gleiches gilt für Japan und die Welt-Wachstumslokomotive China, die nach IWF-Prognosen um 6,7 Prozent in diesem und 6,4 Prozent im nächsten Jahr zulegen sollte. Das US-Wachstum dagegen veranschlagt der IWF nur noch auf jeweils 2,1 Prozent für dieses und das kommende Jahr, was eine Korrektur nach unten um 0,2 Punkte für 2017 und 0,4 Punkte für 2018 bedeutet. Großbritannien, das mit der EU derzeit seinen Austritt aus der Union verhandelt, wird nach IWF-Analysen in diesem Jahr mit 1,7 Prozent um 0,3 Punkte weniger wachsen als noch im April erwartet. Für 2018 bleibt der Fonds bei einer Wachstumsschätzung für die Briten von 1,5 Prozent.

Insgesamt ist das weltwirtschaftliche Wachstum nach Darstellung von IWF-Chefvolkswirt Obstfeld so breit wie noch nie im vergangenen Jahrzehnt. Auch der globale Handel ziehe an. Es gebe aber auch Unsicherheiten und Risiken. Für den Euroraum gebe es die Chance, dass das Wachstum sogar noch etwas kräftiger ausfallen könnte, wenn die politischen Risiken abnähmen. Andererseits könnte die von Ökonomen erwartete Wende in der Geldpolitik großer westlicher Zentralbanken für viele Schwellen- und Entwicklungsländer Gefahren mit sich bringen. Chinas hohe Kreditfinanzierung berge Stabilitätsgefahren. Und auch der wachsende Protektionismus in der Welt könnte zu gravierenden Problemen führen.

apr/Reuters/dpa
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