"Jagd auf Kranke" Mitarbeiter darf Porsche Ausbeutung vorwerfen

Fünfmal zog Porsche bereits vor Gericht, um einen Mitarbeiter loszuwerden. Der Mann hatte seinem Arbeitgeber Ausbeutung und "Jagd auf Kranke" vorgeworfen. Nun scheiterte der Sportwagenhersteller endgültig. Der Richter begründete das Urteil mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung.

Porsche-Zentrale in Stuttgart: Lohn für eindreiviertel Jahre nachfordern
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Porsche-Zentrale in Stuttgart: Lohn für eindreiviertel Jahre nachfordern


Stuttgart - Acht Jahre hat Porsche Chart zeigen versucht, einen Mitarbeiter loszuwerden. Nun verlor der Sportwagenhersteller den Prozessmarathon, mit dem er den Rauswurf durchsetzen wollte. Auch im fünften Anlauf erklärte das Landesarbeitsgericht in Stuttgart am Mittwoch die Kündigung des 55-Jährigen für unzulässig und lehnte eine Revision ab.

Die Äußerungen des Angestellten, der dem Sportwagenbauer Ausbeutung und eine "menschenverachtende Jagd auf Kranke" vorgeworfen hatte, seien in diesem Fall "vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt", sagte Richter Ulrich Hensinger.

Er sehe durchaus eine Chance auf eine weitere, dem Betrieb dienliche Zusammenarbeit, sagte der Richter. Der Mann bediene Maschinen, dafür sei auch kein besonderes Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber nötig.

Von Ende 2002 bis 2007 hatte Porsche bereits viermal vergeblich versucht, das Arbeitsverhältnis zu beenden. "Ich habe Porsche meine Arbeitskraft jetzt erneut angeboten", sagte der Mitarbeiter. Bislang hatte sich das Unternehmen geweigert, den Mann an seinen Arbeitsplatz zu lassen und deswegen sogar Zwangsgelder in Höhe von 75.000 Euro in die Staatskasse gezahlt.

Jetzt sieht der Arbeiter aber gute Chancen. "Sie haben alle Rechtsmittel ausgeschöpft. Mit der neuen Rechtsgrundlage kann ich nun auch den Lohn für eindreiviertel Jahre nachfordern", sagte er.

fro/dpa



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