Jahrelanges Verfahren beendet Deutsche Bank legt Kirch-Rechtsstreit bei

Einer der spektakulärsten Prozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist still und leise beendet worden. Nach Informationen des manager magazin hat sich die Deutsche Bank mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich geeinigt.
Von Ulric Papendick
Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer: Er hatte die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich angezweifelt

Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer: Er hatte die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich angezweifelt

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Hamburg - Jahrelang stritten Leo Kirch und die Deutsche Bank vor Gericht. Nun haben sich die Anwälte des im Sommer verstorbenen Medienunternehmers mit dem Institut auf einen Vergleich geeinigt. Die Deutsche Bank zahlt der Kirch-Seite also eine Millionensumme, die sich an einem Vorschlag des zuständigen Münchner Richters Guido Kotschy orientieren soll: Der hatte den beiden Parteien einen Vergleich von 775 Millionen Euro vorgeschlagen. Bei einem Vergleich ergeht kein Urteil, das heißt, weder die Deutsche Bank noch die Kirch-Seite können einen Sieg für sich beanspruchen.

Die Einigung muss noch vom Vorstand der Deutschen Bank beschlossen werden; dies soll heute oder morgen geschehen. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte die Informationen zunächst nicht kommentieren.

Mit dem Vergleich endet ein Rechtsstreit, der vor zehn Jahren begann. Anlass war ein Interview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer. Dieser hatte darin die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt; als dessen Medienkonzern später in die Pleite rutschte, machte Kirch den Bankchef dafür verantwortlich.

Im Dezember wurde das Verfahren gegen Breuer eingestellt. Der Manager musste 350.000 Euro zahlen, er ist aber nicht vorbestraft. Ein solches Vorgehen ist in Wirtschaftsprozessen durchaus üblich, wenn die Schuld des Angeklagten gering ist.

Ursprünglich forderte der Medienunternehmer Kirch bis zu 3,6 Milliarden Euro Schadensersatz. 2006 hatte der Bundesgerichtshof festgestellt, dass im Grundsatz eine Schadensersatzpflicht der Bank bestand. Im vergangenen November durchsuchten Staatsanwälte im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess die Büros von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und anderen Top-Managern der Bank. Die Staatsanwaltschaft wirft Ackermann Prozessbetrug vor.