Jahresbilanz Baugewerbe kämpft mit deutlichem Rückgang

Das Jahr 2009 war nicht einfach für die Bauindustrie. Allein dem von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturprogramm ist es zu verdanken, dass der Rückgang ein wenig geringer ausfiel als die Gesamtwirtschaftsleistung. Auch für 2010 erwartet die Branche ein Minus.

Bauschacht der U-Bahn in Köln: Potentiale werden nicht voll ausgeschöpft
DPA

Bauschacht der U-Bahn in Köln: Potentiale werden nicht voll ausgeschöpft


Berlin - Das deutsche Baugewerbe hat im vergangenen Jahr ein deutliches Umsatzminus verzeichnet. Mit einem Umsatzrückgang von vier Prozent gegenüber 2008 auf 82,2 Milliarden Euro sei 2009 ein schwieriges Jahr für die Branche gewesen, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein, am Dienstag in Berlin und bekräftigte damit seine Einschätzung des vergangenen Jahres. 2008 hatte das Baugewerbe noch ein Plus von 6,1 Prozent verzeichnet. Für 2010 rechnet der ZDB wegen der geringen Kapazitätsauslastung der produzierenden Unternehmen im Wirtschaftsbau mit einem weiteren Rückgang.

Trotz dieses Einbruchs um neun Prozent auf 30,8 Milliarden Euro ist der Bau von Fabriken 2009 die umsatzstärkste Sparte geblieben. Eine weitere wichtige Säule ist der Wohnungsbau, der ein Umsatzminus von 4,8 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro verkraften musste. Der öffentliche Bau, der zum überwiegenden Teil von dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung in Höhe von fünf Milliarden Euro profitiert, verzeichnete dagegen ein Plus von 3,4 Prozent.

Für 2010 erwartet die Branche einen Umsatz von 81,6 Milliarden Euro, was einem Minus von 0,7 Prozent entspricht. Der öffentliche Bau werde dank der Konjunkturpakete noch einmal zulegen, auch wenn die Potentiale aus dem Konjunkturprogramm wegen wegbrechender Steuereinnahmen und steigender Ausgaben nicht voll ausgeschöpft würden, prognostizierte Loewenstein. Der Zuwachs beim öffentlichen Bau werde aber nicht ausreichen, um den Rückgang im Wirtschaftsbau auszugleichen. Die Aufträge für die öffentliche Hand werden nach Ansicht von Loewenstein 2010 erstmals zur umsatzstärksten Sparte seit der Wiedervereinigung werden.

Großer Investitionsbedarf nach dem strengen Winter

Die Zahl der Beschäftigten hielt sich 2009 mit knapp 705.000 fast genau auf dem Vorjahresniveau. Wegen der rückläufigen Umsatzentwicklung rechnet der ZDB 2010 aber mit einem durchschnittlichen Stand von unter 700.000 Beschäftigten.

Als "enorm" bewertete der ZDB-Präsident die Straßenschäden nach dem Winter. Hier räche sich, dass in vielen Städten und Gemeinden fachgerechte Sanierungen immer wieder hinausgeschoben wurden und die Substanz mittlerweile strukturell beschädigt sei. Laut Loewenstein liegt der Investitions- und Erhaltungsbedarf für den kommunalen Straßenbau bei rund acht Milliarden Euro jährlich, investiert würden aber regelmäßig nur vier Milliarden Euro. Die Lage hinsichtlich des wetterbedingten Stillstandes in der Baubranche bewertete er dagegen als normal. Entscheidend sei, dass die Aufträge jetzt kämen.

Anlässlich des Bauskandals um Großprojekte wie dem Kölner U-Bahn-Bau kritisierte Loewenstein den Qualifikationsabbau der vergangenen Jahre. "Die Zahl der Fachwerker wie auch der Facharbeiter ist in den vergangenen zehn Jahren um jeweils 37 Prozent zurückgegangen", sagte er. Zu diesem Qualifikationsabbau habe der harte Preiswettbewerb der vergangenen Jahre entscheidend beigetragen. Die Personalkosten mussten laut Loewenstein in einem Maße sinken, wie es nur über den Einsatz von Subunternehmern und Dumpinglöhnen möglich war.

mik/ddp/dpa



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Seite 1
frubi 02.03.2010
1. .
Zitat von sysopDas Jahr 2009 war nicht einfach für die Bauindustrie. Allein dem von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturprogramm ist es zu verdanken, dass der Rückgang ein wenig geringer ausfiel, als die Gesamtwirtschaftsleistung. Auch für 2010 erwartet die Branche ein Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,681296,00.html
Sollen die sich mal alle ein Beispiel an Bilfinger und Berger nehmen. Die schaffen es wenigstens die Kosten extrem niedrig zu halten. Das Niveau leider auch.
tecorian 03.03.2010
2. ich liebe diese plakativen Allgemeinbeschuldigungen...
Fakt ist, dass die Geiz ist Geil Metalität unserer Gesellschaft ein maßgeblicher Faktor für Pfuschbaustellen ist. Gerade die öffentliche Hand vergibt seine Bauaufträge nicht an jene Firma, welche die besten Ingenieuerslösungen präsentiert oder den besten Leumund hat, nein, es wird immer an den billigsten Anbieter vergeben - Qualität spielt im Ranking einer Angebotsbewertung eine völlig untergeordnete Rolle. Es wir in der Regel für ein größeres Bauvorhaben jahrelang geplant (egal ob öffnetlich oder privatwirtschaftlich) und das Resultat ist jedes Mal eine völlig verkorkste Ausschreibung mit unterirdischen Plänen auf das die Baufirmen dann ein qualifiziertes Angebot abgeben sollen. Und dann, in der Bauausführung wünscht sich der Bauherr noch massive Änderungen, weil er auf Basis der schlechten Vorplanung überhaupt nicht erkennen konnte, was er für sein Geld eigentlich bekommt. Die Folge davon sind die angeprangerten Kostenexplosionen am Bau - klar, die Baufirma ist Schuld weil sie in der Angebotslegung bereits erkennen soll, was der Bauherr denkt und wünscht. In der Regel sind die initialen Angebote der Baufirmen auf eine Gewinnmarge von 1-2 % ausgelegt, bitte mal vergleichen was andere Industriezweige für Gewinnmargen haben (von Banken will ich gar nicht sprechen). Aber nein, das reicht den meisten Auftraggebern nicht, es müssen nochmals 10% runter um den Auftrag zu bekommen (Grundursache sind hier oftmals völlig beschönigte Kostenermittlungen der Projektanten um sich den auftrag der Planung weiter zu sichern oder um den Bauherren zu beruhigen). In der Not nimmt die Baufirma den auftrag und wo wird die Unterdeckung heringeholt - klar beim kostenintensivsten Teil der Wertschöpfungskette - dem Bauarbeiter. Also haben die Baufirmen zum Großteil ungelernte Arbeitskräfte auf den Baustellen, die nicht einmal verstehen was sie herstellen sollen - von DIN Vorschriften oder handwerkliche Kunst will ich hier gar nicht schreiben. Die Folge sind Pfusch und Mängel am Bau und der schlechte Ruf der Bauwirtschaft. Letztlich fehlt es der Bauwirtschaft an Lobby in der Politik, ich meine wir reden immer noch über den größten Wirtschaftszweig in Deutschland, und über die 700.000 Fachkräfte, die in den letzten 10 Jahren ihren Arbeitsplatz verloren haben redet keiner, aber wenn irgendein Autohersteller über den Einbruch beim GEWINN (!) jammert, dann gibts gleich ein Konjunkturpaket -toll. Ein Bauwerk steht für Werterhaltung - sogar Steigerung - ein Kfz ist schon bei der Werksauslieferung bestenfalls Recyceling-Schrott ohne Mehrwert - welcher Wirtschaftszweig soll den nun gefördert werden? Konjunkturpakte für die Instantsetzung eh schon maroder Straßen, welche wiederum nur an den billigsten vergeben werden? Ich hör schon das Geschrei, wenn die sanierten Straßen in 5 Jahren wieder kaputt sind - Pfusch am Bau....
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