Jahresbilanz Multimillionengewinn schickt Nokia-Aktie auf Höhenflug

Der Gewinn ist größer als erwartet: Nokia hat im vierten Quartal 948 Millionen Euro eingenommen - nicht zuletzt, weil die Smartphone-Sparte kräftig zulegte. Die Konzernaktie gewinnt zweistellig. Doch Analysten sehen den Handy-Giganten weiter vor gewaltigen Herausforderungen.

AFP

Helsinki - Nokia schöpft zu Jahresbeginn Hoffnung. Unterm Strich verbuchte der weltgrößte Handy-Hersteller im vierten Quartal einen Gewinn von 948 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Espoo bei Helsinki mitteilte. Nokia übertraf damit die Erwartungen von Analysten. Die Finnen schafften es zudem im Schlussquartal 2009, ihren Marktanteil leicht zu steigern. Mit knapp 127 Millionen verkauften Handys schätzt Nokia seinen Anteil am weltweiten Handymarkt im vierten Quartal auf 39 Prozent.

An der Börse wurden diese Zahlen positiv aufgenommen. Die Aktie gewann nach Bekanntgabe der Zahlen zeitweise mehr als 14 Prozent an Wert, am Abend notiert sie noch immer acht Prozent im Plus. Der Konzern gibt sich ebenfalls optimistisch, dass er die Krise, die er 2009 durchlebte, im vierten Quartal überwunden hat.

Nokia hatte im vergangenen Jahr mit drei Herausforderungen zu kämpfen: Erstens brach aufgrund der Finanzkrise der Absatz von Mobiltelefonen ein, im Vergleich zu 2008 sank er um 19,2 Prozent auf knapp 41 Milliarden Euro, Nokias Gewinn schrumpfte um gut 78 Prozent. Zweitens musste der Konzern im Segment der Oberklasse-Handys ( Smartphones) zur Konkurrenz aufschließen. Drittens musste die Unternehmenssparte Nokia Siemens Networks (NSN) modernisiert werden.

In allen drei Punkten sieht Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo sein Unternehmen auf einem guten Weg: Die Absatzkrise hält er für überwunden. Für 2010 geht der Konzern von einem Wachstum des weltweiten Handymarkts von zehn Prozent aus. Ihren Marktanteil von 39 Prozent wollen die Finnen in diesem Umfeld stabil halten.

Kallasvuo ruft die Trendwende aus

Bei den margenträchtigen Smartphones konnte der Branchenprimus nach eigenen Angaben seine Position ausbauen. Eine Million Touchscreen-Handys habe man im vierten Quartal verkauft, teilte Kallasvuo in einer Telefonkonferenz vor Analysten mit. "Ich will Nokia wieder mit einem guten Portfolio voranschreiten sehen", sagte der Konzernchef, der im Dezember selbstkritisch zugegeben hatte, den Einstieg ins Smartphone-Segment nicht schnell genug geschafft zu haben.

Auch mit der Netzwerksparte NSN zeigte sich Kallasvuo "angesichts der anhaltend herausfordenden Bedingungen im Infrastrukturmarkt" zufrieden. Das deutsch-finnische Joint Venture leidet wie die gesamte Branche unter der Wirtschaftskrise und einem harten Preiswettbewerb. Im dritten Quartal hatten hohe Abschreibungen auf die Ausrüstersparte Nokia Siemes Networks (NSN) den ganzen Konzern ins Minus gedrückt. Jetzt steigerte Nokia seinen Jahresgewinn von 551 Millionen auf 882 Millionen Euro.

In den kommenden Jahren will Kallasvuo Nokia rasch umstrukturieren. Die Finnen wollen in Zukunft nicht länger nur auf den Verkauf von Geräten setzen. Software und Dienstleistungen rund ums Handy sollen das Geschäft ankurbeln. Nokia imitiert damit die Strategie des Konkurrenten Apple Chart zeigen, der mit einem eigenen Shop für Handy-Software kräftig Profite macht.

Bis 2011 will Nokia den Umsatz mit Dienstleistungen auf mindestens zwei Milliarden Euro steigern und 300 Millionen aktive Nutzer für seine mobilen Dienste gewinnen. Den hauseigenen Software-Shop sieht Kallasvuo auf gutem Weg. Der Ovi-Store verzeichne mittlerweile eine Million Downloads pro Tag.

Analysten skeptisch

Analysten lobten das gute Ergebnis im vierten Quartal, sind allerdings skeptisch, ob die von Kallasvuo ausgerufene Trendwende tatsächlich schon erreicht ist. "Die Zahlen sind erst mal ein erster Hoffnungsschimmer", sagte Sal.-Oppenheim-Analyst Nicolas von Stackelberg. Mit den höheren Absatzzahlen und dem höheren Marktanteil bei Smartphones habe Nokia immerhin auch die operative Marge steigern können.

Es sei aber zu früh, von einer Trendwende zu sprechen, sagte Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Die Verbesserung gegenüber dem Vorquartal sei auf neue Geräte und aggressive Preise im unteren Preissegment zurückzuführen. Ob Nokia das Ruder tatsächlich herumgerissen habe, werde sich erst am Ende des ersten Quartals zeigen.

"Die Probleme mit den Smartphones bleiben die gleichen", sagte Milanesi. Analysten kritisieren seit langem, dass Nokia mit seinen Smartphones nicht an die Margen von Wettbewerbern wie Apple oder Research in Motion herankommt. Milanesi sagte, sie gehe davon aus, dass Nokia vor allem günstigere - sprich: umsatzschwächere - Geräte verkauft habe.

Schwammige Angaben über Finanzierung der Gratis-Lösung

Auch in der Navigations-Sparte, die Nokia gerade kräftig umstrukturiert, bleiben Unklarheiten. Ihren Navigationsdienst Ovi Maps bieten die Finnen seit vergangener Woche gratis an. Eine überzeugende Antwort, wie das finanziert werden soll, bliebt der Konzern schuldig. "Es ist eine Mischkalkulation", sagte Nokia-Manager Michael Halbherr vergangene Woche auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Mittelfristig soll ein Teil der Entwicklungskosten auf die Preise der Endgeräte umgeschlagen werden - bislang seien aber noch keine Preiserhöhungen geplant. Der Konzern hält sich zudem die Option offen, die eigenen Navi-Dienste an andere Unternehmen weiterzuverkaufen. Langfristig will Nokia auch Geld mit ortsbezogener Werbung verdienen. Halbherr rechnet allerdings damit, dass es noch vier bis fünf Jahre dauern wird, bis sich dieser Markt entwickelt. "Es ist eine komplizierte Rechnung", sagt der Manager. "Aber es rechnet sich."

Experten sehen das anderes. Momentan ist Nokias Navi-Sparte eher stark unter Druck. Die Konzerntochter Navteq macht noch immer einen Teil ihres Profits mit dem Verkauf von Kartenmaterial an die Hersteller herkömmlicher Navigationsgeräte. Die Finnen kannibalisieren sich mit ihrem Gratis-Vorstoß also zum Teil selbst - und steigern damit den Kostendruck im eigenen Haus.

Schon bevor Nokia die Gratis-Offensive ausrief, hatten Finanzanalysten zudem darauf hingewiesen, dass Nokia den Wert von Navteq in der Jahresbilanz möglicherweise um bis zu eine Milliarde Euro nach unten korrigieren muss. Die Tochter sei aufgrund niedriger Gewinne vermutlich überbewertet.

Auf eine Wertberichtigung hat Nokia in der Jahresbilanz nun allerdings verzichtet. Wie diese Entscheidung zustande kam, bleibt vorerst unklar: Auf eine entsprechende Anfrage hat der Konzern bislang nicht reagiert.

ssu/dpa

insgesamt 147 Beiträge
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Seite 1
Felicitas Flötotto 29.10.2009
1. großes Mißverständnis!
Mag sein, daß die Navihersteller jetzt Ihre Preisstruktur überdenken müssen, aber die wahre Gefahr solcher Angebote geht von der Ballung der persönlichen Informationen bei nur einem Anbieter aus. Wenn Sie alles bequemen und gut gemachten Angebote nutzen, dann sind Sie mindestens für Google ein gläsernes Wesen. Wollen Sie das? Da zahle ich doch lieber für Betriebssystem, Mail, Collaboration-Software, Bildbearbeitung etc. und nutze alternative Weltkarten oder Navigation. Google weiß dann bald schon von Ihrer Verabredung (per Email) und kann Ihre Routenplanung zum Kunden bis schließlich zum Projekt alles mitlesen. Mal ehrlich, wollen Sie das?
Felicitas Flötotto 29.10.2009
2. großes Mißverständnis!
Mag sein, daß die Navihersteller jetzt Ihre Preisstruktur überdenken müssen, aber die wahre Gefahr solcher Angebote geht von der Ballung der persönlichen Informationen bei nur einem Anbieter aus. Wenn Sie alles bequemen und gut gemachten Angebote nutzen, dann sind Sie mindestens für Google ein gläsernes Wesen. Wollen Sie das? Da zahle ich doch lieber für Betriebssystem, Mail, Collaboration-Software, Bildbearbeitung etc. und nutze alternative Weltkarten oder Navigation. Google weiß dann bald schon von Ihrer Verabredung (per Email) und kann Ihre Routenplanung zum Kunden bis schließlich zum Projekt alles mitlesen. Mal ehrlich, wollen Sie das?
smarty79, 29.10.2009
3. Erstmal abwarten...
Navteq gehört Nokia, Tele Atlas TomTom. Beide teilen sich das Monopol für digitalisierte Karten in Europa. Die wären ja schön blöd, wenn Sie google auch die Navigation lizensieren würden. Wüsste ja gerne, was google bereits für die statischen Karten bezahlt.
DJ Doena 29.10.2009
4.
Google Skynet: http://www.collegehumor.com/article:1793643
P.Lush, 29.10.2009
5. -
Schon mal was von Dumping gehört? Fragen Sie mal TomTom Garmin und Co was die davon halten, dass Google die Navigation mit Werbeeinnahmen der Suchmaschine gegenfinanziert.
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