Deutsche-Bank-Chef Jain "Wir werden angeprangert"

Anshu Jain und Jamie Dimon gehören zu den mächtigsten Bankern der Welt. Zusammen wehren sie sich bei einer Diskussion gegen eine Zerschlagung der großen Institute. Doch während sich der Deutsche-Bank-Chef demütig gibt, zeigt sich der Boss von JP Morgan eher forsch.
Von Niklas Wirminghaus
Deutsche-Bank-Chef Jain: Demütige Krisen-PR

Deutsche-Bank-Chef Jain: Demütige Krisen-PR

Foto: dapd

Im Jahr fünf nach der großen Krise leiden die Banker noch immer. Auch hier, tief im verschneiten Taunus, in einem Nobelhotel in Königstein, wo es am Dienstagabend zu einem raren Auftritt von Anshu Jain, Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, und Jamie Dimon, Vorstandsboss von JP Morgan, kommt. Sie leiden unter einem miserablen Ruf und einem ramponierten Image. Dabei geht es ihren Instituten gut. Sie haben die Finanzkrise gemeistert und bisher zahlreiche Skandale und Skandälchen relativ unbeschadet überstanden.

Warum bleibt das schlechte Image haften? "2008 bestimmt unser kollektives Gedächtnis", sagt Jain. Er räumt ein, dass die Banker ihre Läuterung nicht gut genug kommunizieren: "Wir haben unsere Geschichte nicht so überzeugend erzählt, wie wir es hätten tun sollen."

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich die Banker vehement wehren, wenn Lehren aus der Krise gezogen werden sollen, die ihre wirtschaftlichen Interessen bedrohen. Das Stichwort dazu liefert an diesem Abend Nikolaus von Bomhard. Der Vorstandschef des Rückversicherers Munich Re   sitzt ebenfalls auf dem Podium. "Die Trennung bestimmter Bankaktivitäten kann sinnvoll sein", sagt Bomhard etwas verklausuliert. Drastischer formuliert heißt es: Zerschlagt die Großbanken, trennt das risikoreiche Investment- vom traditionellen Kundengeschäft und versperrt damit mögliche "Infektionskanäle" zwischen beiden Bereichen. Letzteren Begriff hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück geprägt. Er fordert seit längerem die Zerschlagung der Universalbanken.

Das Ergebnis wäre eine "große Last für die Gesellschaft", warnt Dimon. Die Trennung würde "ein Problem lösen, das nicht existiert", sagt der JP-Morgan-Chef. Jain springt ihm zur Seite. "Es gibt Dinge, die große Banken tun können, aber kleine und mittlere nicht", argumentiert der Deutsche-Bank-Chef.

Skandale und Zockereien ramponieren den Ruf der Branche

Routiniert fechten die beiden Top-Banker ihre Argumentation durch. Es geht schließlich um ihr gemeinsames Interesse: den Erhalt der Universalbanken. Dabei sitzen sich die beiden zum ersten Mal auf einem Diskussionspodium gegenüber. Anshu Jain, der sanft wirkende Investmentbanker, der erst im vergangenen Jahr die Führung der Deutschen Bank   übernommen hat. Seitdem schlägt er sich mit Skandalen herum - von Libor-Zinsmanipulationen bis zum Verdacht der Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Und Jamie Dimon, der mächtige und bisweilen überhebliche Chef der US-Großbank JP Morgan, der sein Institut erfolgreich und umsichtig durch die Krise manövriert hatte. Im vergangenen Mai wurde dann allerdings bekannt, dass sich auch seine Bank bei riskanten Spekulationen mit Derivaten verzockt hatte.

Dass sich der Ruf der Banken seit der Weltfinanzkrise nicht erholt hat, liegt auch an diesen Skandalen.

Bankmanagement ist daher heute viel Krisen-PR. Es geht darum, Fehlverhalten zu erklären, Verantwortlichkeiten festzulegen und Transparenz zu versprechen. Damit man glaubhaft versichern kann, es in Zukunft besser zu machen.

Der klügste Satz des Abends kommt nicht von den Bankern

Jain hat dieses Prinzip der Krisenkommunikation verstanden. Er gibt sich konziliant, beinahe demütig: "Wir werden angeprangert", sagt er. "Zu Recht." Die Regulierungsbehörden, die mehr Kapitaldeckung verlangten, seien im Recht. "Die Deutsche Bank ist heute eine ganz andere Bank als vor der Krise", versichert Jain. Und man habe einen Kulturwandel eingeleitet, der verhindern solle, dass es noch einmal zu Risikoexzessen wie vor der Krise kommt.

Auch Dimon entschuldigt sich für die Fehlspekulation in seinem Haus: "Wir haben einen peinlichen Fehler gemacht." Aber er schiebt sofort nach: "Wir haben aufgeräumt und alles öffentlich gemacht." Und außerdem sei er "extrem stolz auf das, was JP Morgan geleistet hat". Dimons Krisen-PR ist nicht demütig. Eher etwas vorlaut.

Für die Banken ist es noch ein weiter Weg, bis ihr Ruf wiederhergestellt sein könnte. Der klügste Satz des Abends dazu kommt von Munich-Re-Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. "Reputation", sagt er, "kommt zu Fuß - und verschwindet zu Pferde."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.