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24. Januar 2012, 21:53 Uhr

Japan

50 von 54 Atomreaktoren sind abgeschaltet

Es wirkt wie ein schleichender Atomausstieg: Die Fukushima-Betreiberfirma Tepco nimmt erneut einen Reaktor für Wartungsarbeiten vom Netz. Damit sind nur noch vier von 54 japanischen Atomanlagen aktiv. Die Regierung stellt sich darauf ein, dass im Sommer gar kein Reaktor mehr arbeitet.

Tokio - Der japanische Energieversorger Tepco hat angekündigt, seinen vorletzten noch aktiven Reaktor herunterzufahren. "Kashiwazaki-Kariwa 5" an der japanischen Westküste werde am Mittwoch zu Wartungsarbeiten abgeschaltet, für mindestens fünf Monate, teilte das Unternehmen mit. Dann ist nur noch ein Reaktor der Fukushima-Betreiberfirma aktiv, 16 Kraftwerke stehen still - wie die meisten Atomanlagen in Japan.

Geht es nach dem aktuellen Wartungsplan, könnten bis Mai sämtliche Reaktoren in Japan abgeschaltet sein - zumindest vorübergehend. Im ganzen Land gibt es 54 Atomanlagen, davon waren bislang nur noch fünf am Netz. Am Freitag fährt auch das Unternehmen Chugoku Electric seinen Reaktor "Shimane 2" herunter - dann produzieren nur noch drei Atomkraftwerke in Japan Strom.

Wann abgeschaltete Anlagen wieder ans Netz gehen, ist ungewiss. Eigentlich schreiben die japanischen Behörden lediglich vor, Reaktoren zu Kontrollzwecken alle 13 Monate für einige Wochen herunterzufahren. Japans Industrieminister Yukio Edano sagte jedoch vergangene Woche, es müssten Maßnahmen getroffen werden, falls im Sommer keine Atomanlage zur Stromerzeugung mehr in Betrieb sei. Japans Energieversorger wollen zum Ausgleich wieder mehr konventionelle Kraftwerke zuschalten.

Am 11. März vergangenen Jahres hatte ein schweres Erdbeben einen riesigen Tsunami ausgelöst, der weite Teile des Nordostens des Landes verwüstete. Mehr als 19.000 Menschen starben. Durch die Naturkatastrophe wurde mit der Beschädigung des Atomkraftwerks Fukushima das schwerste Atomunglück seit der Katastrophe von Tschernobyl ausgelöst.

usp/AFP

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