Schwache Wirtschaft Japan startet gigantisches Konjunkturprogramm

Mit einem 240 Milliarden Euro schweren Konjunkturprogramm will die japanische Regierung die Wirtschaft des Landes retten. Doch die Experten des IWF sind skeptisch, ob die Politik der sogenannten Abenomics wirkt.

Konsument in Tokio
DPA

Konsument in Tokio


Japan will mit einem milliardenschweren Konjunkturprogramm den Rückfall in die Rezession verhindern. Die Regierung beschloss zusätzliche Ausgaben von umgerechnet 118 Milliarden Euro für Projekte auf allen staatlichen Ebenen. Sie sind Teil eines noch größeren Programms über 240 Milliarden Euro (28,1 Billionen Yen), das auch aus privaten Geldern finanziert wird. "Wir haben heute den Entwurf für ein starkes Konjunkturpaket zusammengestellt, mit dem wir in die Zukunft investieren", sagte Ministerpräsident Shinzo Abe am Dienstag nach einer Kabinettsitzung in Tokio.

Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Industrienation leidet jedoch seit Jahren unter einer lahmenden Konjunktur, steigenden Sozialausgaben und einem immensen Schuldenberg. Das nun beschlossene Milliardenprogramm ist ein weiterer Versuch von Ministerpräsident Abe, der Lage Herr zu werden. Damit folgt er der nach ihm benannten Abenomics-Politik, einer Mischung aus staatlichen Konjunkturprogrammen,Geldschwemme und Deregulierung.

So will der japanische Staat in den kommenden Jahren 7,5 Billionen Yen direkt investieren. Weitere 6 Billionen Yen sollen für Niedrigzinskredite zur Verfügung stehen. Zudem will Abe kleine Firmen unterstützen, die unter den Folgen des Brexit-Votums leiden, und in die Verkehrsinfrastruktur investieren. Dazu kommen Investitionen in die Kinderbetreuung, um die Geburtenrate in der alternden japanischen Gesellschaft zu erhöhen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) forderte Japan unterdessen auf seine Wirtschafts- und Finanzpolitik zu überdenken. "Abenomics benötigt eine kräftige Aktualisierung, um wieder mehr Zugkraft zu gewinnen", urteilte der IWF in seinem jüngsten Länderbericht. Neben einem schwachen privaten Konsum und schleppenden Investitionen bremste zuletzt eine Aufwertung des japanischen Yen die Exporte des Landes aus. Die Wachstumsraten dürften laut IWF von 0,5 Prozent im vergangen Jahr auf 0,3 Prozent 2016 und 0,1 Prozent 2017 absacken. Dies könne auch das bislang stabile Finanzsystem ins Wanken bringen.

"Zusätzliche finanzpolitische Unterstützung könnte das kurzfristige Wachstum voranbringen", urteilten die IWF-Experten, die das neue Konjunkturprogramm noch nicht in ihre Bewertungen einbezogen haben. Mittelfristig blieben die Wachstumsaussichten aber eher schwach.

cjs/Reuters/AFP



insgesamt 20 Beiträge
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schwaebischehausfrau 02.08.2016
1. Viel hilft viel...
Wenn eine Therapie aber auch gar nicht anschlägt, dann einfach die Dosierung verdoppeln nach dem Motto "Viel hilft viel". Na ja, da die japanischen Staatsanleihen primär von Japanern gehalten werden, bleibt's ja im Land, wenn's zum großen Knall kommt. Wäre das erste Mal in der jahrhunderte-alten Geschichte, dass man durch Gelddrucken NACHHALTIG Wohlstand schaffen kann.
sonkaioshin 02.08.2016
2. Wenn es nicht hilft, dann einfach noch mehr drucken und ausgeben..
Das sagt Krugman doch die ganze Zeit...wenn der Stimulus nicht wirkt, dann war er zu klein...man braucht immer mehr Geld drucken und Inflation und was anderes braucht man nicht für eine glückliche Wirtschaft...naja...
johannesraabe 02.08.2016
3.
Naja die Hedgefonds wird es freuen. Würde mal den Plan sehen, in dem steht, wie der Herr sich das denkt, die neuen Schulden zu tilgen. Das ist mit Abstand die dümmste Idee, die es gibt. Die EZB hat 1 bis 2 Billionen US Dollar in den EU Markt gepumpt. Sogar Negativzinssätze gibt es. Aber es bringt nichts und da meinen die Japaner das gleiche klappt bei ihnen.
mit66jahren 02.08.2016
4. Harte weltweite Konkurrenz
Kreativität und gute Produkte sind die besten Konjunkturprogramme. Geld alleine kann nur ein Strohfeuer entfachen. In der Vergangenheit waren die Japaner mit ihren pfiffigen Produkten nicht schlecht. Man denke nur an die Revolution der Kleinbildkameras vor 40 Jahren. Heute liegen intelligente, computerisierte Geräte im Trend. Zwar liegt Canon mit seinen Digitalkameras vorne und auch Sony baut gute internettaugliche TV-Geräte, doch die globale Konkurrenz ist härter geworden. Sie kommt nicht nur aus Südkorea, sondern immer mehr aus China und Indien; Ländern mit einem enormen Potential.
schweizerbesserwisser 02.08.2016
5. Ich würd ja schmunzeln ..
wenns nicht so bitter wäre Unzählige Konjunkturprogramme, immer auf Pump und schön am Bedarf vorbeigeklotzt. KEINE Reformen. Eine postfeudale Demokratie in einem Land mit sinkender Bevölkerung. Eine ganze Generation ausgebremst. Erinnert ihr Euch noch an 80er Jahre? - Die 10 grössten Banken der Welt kamen aus Japan - Das Grundstück des Kaiserhofs in Tokjo war wertvoller als der Bundesstaat (!) Kalifornien Das Land sprühte vor Power Nachdenklichen Gruss aus Zürich
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