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31. Juli 2012, 14:45 Uhr

Folge von Fukushima

Japan verstaatlicht Atomkonzern Tepco

Knapp eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hat der Staat die Mehrheit am Kraftwerksbetreiber Tepco übernommen. Die Regierung will so die Insolvenz des Unternehmens verhindern.

Tokio - Der japanische Staat ist Mehrheitseigner des Atomkraftkonzerns Tepco. Über eine Kapitalerhöhung gab Tepco Aktien im Wert von einer Billion Yen (zehn Milliarden Euro) an einen staatlichen Fonds aus. Japan hält dadurch 50,11 Prozent an dem Unternehmen, zuvor waren es lediglich 2,7 Prozent.

Mit dem Geld will die japanische Regierung die drohende Insolvenz Tepcos abwenden. Das Unternehmen stehe nun "vorübergehend unter staatlicher Kontrolle", teilte Tepco am Dienstag mit. Der Staat kann seinen Anteil auf mehr als 75 Prozent erhöhen. Die Regierung könnte den Atomkonzern dann komplett kontrollieren und den Unternehmenskurs bestimmen. Sie könnte beispielsweise auch die Aufspaltung in mehrere Teile beschließen.

Tepco ist seit der Atomkatastrophe ruiniert. Der Konzern muss mehr als 1,5 Millionen Opfer des Reaktorunglücks entschädigen und das Atomkraftwerk Fukushima abschreiben. Hinzu kommen hohe Kosten für die Aufräumarbeiten.

Das Unternehmen ist weiter für die Energieversorgung im Westen des Landes zuständig, einschließlich der Millionenmetropole Tokio. Da kein Atomreaktor des Konzerns mehr am Netz ist, muss Tepco diese Versorgung über zum Teil recht alte Öl- und Gaskraftwerke leisten. Der Brennstoff dafür ist teuer.

Um wieder Geld in die Kasse zu bekommen, genehmigte die Regierung dem Konzern, vom 1. September an die Strompreise für Privathaushalte im Schnitt um 8,46 Prozent zu erhöhen.

stk/AFP/dpa

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