Jay-Zs Weg zum Milliardär "Ich bin kein Geschäftsmann. Ich bin ein Geschäft, Mann!"

Jay-Z ist laut "Forbes" der erste Rap-Milliardär der Geschichte: Er schuf sich abseits des Musikgeschäfts ein eigenes Imperium. Wie hat er das geschafft?

Brad Barket/Invision/AP

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Nirgendwo wird die Verbindung zwischen Musik und Kapitalismus so offensichtlich wie im Hip-Hop. Keine andere Musikrichtung verkörpert so stark den amerikanischen Traum, den steinigen Weg aus dem Getto nach oben. In unzähligen Songs thematisieren Rapper ihren Umgang mit dem alltäglichen "Hustle" und zelebrieren ihren eigenen Reichtum.

Seit dieser Woche steht nun wohl fest, dass das beliebte Genre seinen ersten Milliardär hervorgebracht hat: Jay-Z, der mit bürgerlichem Namen Shawn Carter heißt, überschritt laut dem US-Magazin "Forbes" die magische 1-Milliarde-Dollar-Grenze und ist damit nur einer von rund einer Handvoll Vertretern aus der Unterhaltungsbranche, denen das bisher gelungen ist. Die Schätzung bezieht sich allein auf das Vermögen von Jay-Z und enthält nicht das ebenfalls nicht gerade kleine Vermögen seiner Ehefrau Beyoncé, die wohl auf mehr als 350 Millionen Dollar kommt.

Jay-Z gehört zur ersten Generation von Hip-Hop-Unternehmern, die es bereits Ende der Neunzigerjahre verstanden, ihre Popularität zu nutzen, um vielfältige Geschäftszweige aufzubauen und die eigene Markenbildung auf die Spitze zu treiben. Allein mit Plattenverkäufen und Konzertauftritten verdient man schon lange nicht mehr das ganz große Geld. Das Anlageportfolio des 49-Jährigen umfasst Beteiligungen an Getränkeherstellern, Tech-Start-ups und an einer Künstleragentur. Auch teure Kunstwerke und mehrere Immobilien gehören zu seinen Investitionen.

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Jay-Z, der im Teenageralter sein Geld als Drogendealer im New Yorker Armenviertel Marcy Projects verdiente, rappte schon vor mehr als zehn Jahren nicht ohne Grund: "I'm not a businessman, I'm a business, man".

Wegen seiner vielfältigen Geschäftsinteressen ernannte das US-Magazin "Vanity Fair" Jay-Z bereits im Jahr 2013 in einer Coverstory zum "CEO of America", den "Vorstandsvorsitzenden" der USA. U2-Frontmann Bono, der es dank geschickter Investments vorher schon zum Milliardär gebracht hat, wird in dem Text mit den Worten zitiert: "Jay-Z stellt eine neue Art des Künstlers im 21. Jahrhundert dar, er drückt sich nicht mehr nur in Musik aus, in Beats und Reimen. Bei ihm geht es um Kommerz, um Politik, um den Stoff, aus dem das echte wie das erdachte Leben ist."

Schon zu Beginn seiner Karriere bewies Jay-Z sein unternehmerisches Geschick. 1996, lange vor seinem großen Durchbruch, traf der Rapper eine unkonventionelle Entscheidung: Er gründete mit seinen Freunden Damon Dash und Karim "Biggs" Burke ein eigenes Label, Roc-A-Fella Records und machte sich damit unabhängig von den großen Plattenlabels der Musikindustrie. Ein Großteil der Einnahmen aus den Plattenverkäufen floss in seine Tasche.

Jay-Zs Geheimnis mit dem Champagner

Später wurde das Label zwar an Def Jam verkauft, aber auch hier bewies Jay-Z unternehmerischen Weitblick: 2004, kurz bevor er den Chefposten des Labels übernehmen sollte, ließ er sich die Rechte an seinen gesamten Songs rückübertragen. Der Schachzug glückte. Heute werden seine Songs pro Jahr rund eine Milliarde mal gestreamt, das US-Magazins "Forbes" taxiert den Wert seiner gesamten Musikbibliothek auf 70 Millionen Dollar (siehe Grafik).

Auch begann Jay-Z früher als alle anderen, überschüssige Einnahmen aus dem Musikbusiness in andere Geschäftsfelder zu investieren: 1999 gründete er ein Streetwear-Label namens Rocawear und stieß es 2007 für 200 Millionen Dollar wieder ab, als der große Hype um Baggypants und Shirts in Übergrößen schon wieder vorbei war.

In der Zwischenzeit hatte Jay-Z herausgefunden, dass sich mit Alkohol noch mehr Geld verdienen lässt. 2006 ließ er in der Hit-Single "Show Me What You Got" die französische Edel-Champagnermarke Armand de Brignac auftauchen, die bis dato niemand in den USA kannte. In dem Clip sieht man ihn an einem Spieltisch im Casino von Monte Carlo sitzen, als ihm ein Kellner einen schwarzen Koffer bringt, in dem ein Exemplar des sündhaft teuren Edelgetränks (ab 300 Dollar pro Flasche) liegt.

"Man sieht die Flasche nur für eine Sekunde, aber das war der Beginn unseres großen Erfolgs", erzählte Jean-Jacques Cattier, Chef der Marke, Jahre später in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Jay-Z sei ein Botschafter der Firma geworden, "ohne dass er etwas dafür verlangt hätte".

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Erster Rap-Milliardär: Wie Jay-Z sein Geld investiert

Doch so ganz uneigennützig ist Jay-Zs Aktion wohl nicht gewesen. Der "Forbes"-Journalist und Jay-Z-Biograf Zack Greenburg fand später heraus, dass die erste Brignac-Flasche erst einige Monate nach der Veröffentlichung des "Show Me What You Got"-Videos in die USA eingeführt wurde. Vertrieben wurde der Schampus über eine Firma namens Sovereign Brands, an der Jay-Zs Umfeld beteiligt war. 2014 übernahm Jay-Z die Champagner-Marke, die angeblich einen Reingewinn von 200 Dollar pro Flasche erzielt, dann komplett. Laut "Forbes" ist die Firma inzwischen die wichtigste Beteilung des Rap-Superstars und kommt auf einen Wert von 330 Millionen Dollar (siehe Grafik).

Ähnlich ging Jay-Z bei der Cognac-Marke D'Ussé vor: Gemeinsam mit Bacardi brachte der Rapper die Marke auf den Markt und bewarb sie unter anderem auf einer Grammy-Verleihung, als er den Cognac aus der Trophäe trank. Durch seine Deals mit Spirituosen ist Jay-Z zu einer Art Vorreiter in seiner Branche geworden. Längst sind auch Rapper wie Diddy (Ciroc Wodka), Nas (Hennessy) und Drake (Virgina Black) in das Geschäft mit dem Alkohol eingestiegen.

Selbst Warren Buffet ist von Jay-Z begeistert

Doch nicht immer nutzte Jay-Z seine Popularität, um den Wert seiner Investments in die Höhe zu treiben. Er stieg auch bei einer Reihe von Tech-Unternehmen ein, bei denen er weitestgehend im Hintergrund agiert: 2015 erwarb er etwa den norwegisch-schwedischen Musik-Streamingdienst "Tidal". Nur zwei Jahre später kaufte das US-Telekommunikationsunternehmen Sprint einen Anteil in Höhe von 33 Prozent an der Firma, womit sich der Wert des Streamingdienstes über Nacht auf 600 Millionen Dollar erhöhte. Jay-Z hatte damit seinen Einsatz innerhalb von vier Jahren vervielfacht.

Noch besser entwickelte sich seine Minderheitsbeteiligung am Fahrdienstvermittler Uber: 2013 hatte Jay-Z Anteile für zwei Millionen Dollar erworben, die durch den Börsengang der Firma heute sagenhafte 70 Millionen Dollar wert sind. Wäre es nach Jay-Z gegangen, hätte er noch viel mehr Gewinn herausgeholt: Er hatte damals an das Start-up drei Millionen Dollar mehr überwiesen als vereinbart. Der damalige Chef Travis Kalanick lehnte das Angebot aber ab - und überwies die Summe an Jay-Z zurück.

Jay-Z hatte im Laufe seiner Unternehmerkarriere oft den richtigen Riecher. Und auf den komme es an, wenn man abseits der Musik Geld verdienen wolle, wie Jay-Z in einem Interview erzählte: "Ich habe keine Business School besucht, sondern bin einfach meinen Instinkten gefolgt."

So kommt es, dass selbst der legendäre Investor Warren Buffett, einer der reichsten Menschen der Welt, von Jay-Z beeindruckt ist. Nach einem Treffen der beiden in Buffetts Heimatstadt Omaha sagte der Investor: "Für junge Leute ist er der Typ, von dem sie lernen sollten."

Hinweis der Redaktion: Wir haben den Namen des Stadtviertels, in dem Jay-Z aufgewachsen ist, korrigiert.



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Criticalmass 09.06.2019
1. Miliardär und jetzt?
Wie wird man Miliardär? Wie bei den meisten, indem Man/Frau als skrupelose(r) Geschäftsman/-frau agiert. Dabei gilt als Grundrezept für erfolgreiches Handeln in der Wirtschaftswelt, dass im eigenen Wertehorizont, Moral und Ethik im Business nur als Herausforderung für dialektische Wortspiele angesehen werden darf. Dies gilt selbstverständlich unabhängig von Gender, Religion und ethnische Zugehörigkeit.
dubdevil 09.06.2019
2. Stimmt nicht,
erster Milliardär aus dem Business ist DrDre, der seine mit Jimmy Iovine gegründete Kopfhörer-Marke "Beats" für 3 Mrd$ an Apple verscherbelt hat.
Bala Clava 09.06.2019
3. Dann mach
doch dein Geschäft, Mann!
Racer2017 09.06.2019
4. Investieren lohnt sich
Und das ist gut so
ichwarsnicht 09.06.2019
5. Warren Buffets Rat
"Er ist der Typ, von dem junge Leute lernen können." Heisst, besser seine Kohle in eigene Projekte stecken statt sie auf dem "Musikaltar" den sog. Stars zu "opfern", die damit Mio- Geschäfte bzw. Anschlussgeschäfte in Milliardenhöhe machen...
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