Neue SAP-Chefin Jennifer Morgan Frei von Angst und Zaudern

Noch nie stand eine Frau bei einer der größten börsennotierten Firmen in Deutschland ganz oben. Bis jetzt. Beim Softwarekonzern SAP soll Jennifer Morgan die Führung in einer Doppelspitze übernehmen. Wer ist die Amerikanerin?

SAP Co-Chefin Jennifer Morgen
SAP / Eventrix

SAP Co-Chefin Jennifer Morgen

Von manager-magazin.de-Redakteur Kai Lange


Es ist ein historischer Tag in der deutschen Unternehmenswelt. Mit Jennifer Morgan rückt erstmals eine Frau an die Spitze eines Dax-Konzerns. Dass sich die 48 Jahre alte Amerikanerin bei SAP durchsetzen würde, dürfte nur Außenstehende überraschen: Morgan bringt alles mit, was es für den Sprung an die Spitze brauchte.

Das zeigt schon ein Blick auf ihren Lebenslauf:

  • 2004 wechselt die Betriebswirtin und ehemalige Unternehmensberaterin vom kleineren Konkurrenten Siebel zum Software-Riesen SAP Chart zeigen. Es folgt ein rascher Durchmarsch durch verschiedene Topjobs im Konzern.
  • Als Leiterin der Cloud Business Group ist sie verantwortlich für das zukunftsweisende Cloud-Geschäft, das für SAP inzwischen mehr Geld einspielt als das Geschäft mit Softwarelizenzen.
  • 2017 wird Morgan President der Regionen Amerika und Asien-Pazifik-Japan und damit verantwortlich für die Konzernstrategie für 43.000 Mitarbeiter. Im gleichen Jahr erfolgt die Berufung in den SAP-Vorstand.
  • 2018 schließlich wählt das Wirtschaftsmagazin "Forbes" sie in den Kreis der 100 einflussreichsten Frauen der Welt.
  • Und nun wird sie SAP leiten - gemeinsam mit dem 39-jährigen Christian Klein.

Bei einer so steilen Karriere binnen so kurzer Zeit würde manchem schwindelig.

Doch Morgan selbst sieht ihren Aufstieg gar nicht als spektakulär an - eher als folgerichtig. "In der alten Welt könnte man meinen Aufstieg als 'rasch' bezeichnen", sagte Morgan im Frühjahr in einem Interview mit dem "Philadelphia Inquirer". "Aber mal ehrlich: Ich bin nicht mehr 27."

"Konzentriere dich auf die Menschen, dann stimmen bald auch die Zahlen"

Mit dem gleichen nüchternen Kalkül, das sich nicht durch alte Rollenmuster benebeln lässt, hat Morgan ihre Karriere bei SAP beschleunigt. Offenheit und hartnäckiger Veränderungswille kommen hinzu, zudem zaudert sie nicht: "Angst gehört für mich nicht in die Unternehmenswelt. Sie behindert dich dabei, klar zu denken und kreativ zu sein", gehört zu ihren Leitsätzen. Und: "Ich glaube daran, Kunden und Mitarbeitern sofort offenes und ehrliches Feedback zu geben. Wenn man sich bei der Führung eines Teams auf die Menschen konzentriert, dann stimmen bald auch die Zahlen."

Als Morgan im Jahr 2004 zu SAP stieß, war sie noch eine Exotin in einer Welt älterer, weißer Männer. Dass dies sich inzwischen geändert hat, ist auch auf ihre eigene Arbeit zurückzuführen. Als Mitglied des Executive Boards bei SAP arbeitete sie hartnäckig daran, die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen (Gender-Pay-Gap) auszugleichen und Frauen besser zu bezahlen. Dies und ihr Einsatz für mehr Diversität bei SAP trugen dazu bei, dass das US-Magazin "Fortune" SAP Nordamerika in die Liste der 100 besten Arbeitgeber aufnahm.

Doch Morgan geht es nicht um solch hübsche Titel. Sie setzt darauf, mit dem Prinzip der Vielfalt und der ständigen Erneuerung ein besseres Unternehmen zu schaffen.

Privat bricht die Mutter zweier Söhne ebenfalls alte Rollenmuster auf. Während sie nun für die Gesamtstrategie eines Konzerns mit knapp 100.000 Mitarbeitern verantwortlich ist, kümmert sich ihr Ehemann daheim in Newtown (Philadelphia) um die beiden Teenager. Die Zahl ihrer Reisen nach Europa und in die Walldorfer Zentrale dürften als Konzernchefin deutlich zunehmen, auch wenn sich Morgan den neuen Job bei SAP mit dem Deutschen Christian Klein teilt.

Erfolg im Cloud-Geschäft

Ihren größten Erfolg feierte Morgan aber nicht bei den Themen Innovation und Unternehmensführung, sondern bei der erfolgreichen Umstellung des Software-Riesen SAP Chart zeigen auf das Cloud-Geschäft.

50 Jahre lang hat der Konzern aus Walldorf den Großteil seiner Erlöse durch Softwarelizenzen verdient: Inzwischen ist das Cloud-Geschäft die wichtigste Erlösquelle. Um die von ihr verantworteten Geschäftsbereiche Ariba, Concur, Qualtrics und HANA an dieses Ziel zu führen, waren enorme Investitionen, Forschung, Schnelligkeit und unternehmerischer Mut nötig: Das Ganze hätte durchaus schiefgehen können, die Operation war kein Job für Zauderer. Morgan bestand den Test, und so fiel es Aufsichtsratschef Hasso Plattner leicht, die Amerikanerin als Nachfolgerin ihres Landsmannes Bill McDermott an der SAP-Spitze zu installieren.

"Meine Dankbarkeit gilt Hasso Plattner und dem Aufsichtsrat für das in uns gesetzte Vertrauen, bei diesem nächsten Kapitel in erster Reihe zu stehen", bedankte sich Morgan am Tag ihrer Ernennung - verwies aber in ihrem ersten Statement als Co-Chefin zugleich auch auf die "herausragenden und talentierten Kollegen". Sie freue sich darauf, das Erbe ihres Vorgängers Bill McDermott weiterzuführen - das darf man nicht nur innerhalb des Konzerns als glatte Untertreibung verstehen.

Ihre wichtigste und schwierigste Aufgabe sei es, sicherzustellen, dass SAP sich rasch genug neu erfindet, hatte Morgan schon vor ihrer Berufung gesagt. Die ihr eigene Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit dürften ihr dabei helfen.



insgesamt 5 Beiträge
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karl_idstein 11.10.2019
1. Größter Erfolg sei die erfolgreiche Umstellung der SAP auf das Cloud-Business
Man muss natürlich auch die Kirche im Dorf lassen: Bis vor wenigen Monaten war sie Co-Chefin im Vertrieb. Klar: Als Vertriebschefin verkauft man dort nicht nur, sondern steuert durchaus mit, was entwickelt und zum Verkauf angeboten wird. Aber sie quasi nun als Mutter der Cloud-Orientierung von SAP zu bezeichnen, erscheint schon etwas kühn, bei aller Wertschätzung.
StefanXX 11.10.2019
2. Viel Glück!
Da bleibt mir nur der neuen Führungsriege viel Erfolg zu wünschen. In den letzten Jahrzehnten hatte man bei SAP meistens ein gutes Händchen was wichtige Entscheidungen betrifft, sonst hätte man es nicht zum größten europäischen Softwarekonzern und Weltmarktführer bei betriebswirtschaftlicher Software gebracht. Hoffentlich bleibt es so.
vgruda 11.10.2019
3. Cloud, DB und R3
Die Benennung eines Buzz words (Cloud) zeugt noch nicht von Sachverstand! Einen der größten Sprünge hat sap mit der Hana dB gemacht! Desweiteren ist der Umgang mit Daten und Schnittstellen einzigartig bei sap! Cloud ist ein buzz word, das mit Technologie nichts zu tun hat! Die Konkurrenz hat schwer zu kämpfen.
P Mathew 11.10.2019
4. Steile Karriere - Kurze Zeit?
Ich freue mich sehr, dass der Spiegel ein Licht auf die veralteten Strukturen in deutschen Vorständen wirft und Jennifer Morgans Rolle für die Wirtschaft, Frauen und Unternhmenskulturen generell positiv hervorhebt. Aber in einem solchen Artikel von "steiler Karriere in so kurzer Zeit" zu sprechen während der Co-Vorstand fast 10 Jahre jünger ist, zeigt nur, dass auch beim Spiegel Team noch viel passieren muss, bis Gleichstellung intuitiv ist.
dieter_heck 11.10.2019
5. cloud Geschäft bei SAP aufgebaut ?
da hat jemand keine Ahnung was er da schreibt. Das hat alles Bill gemacht indem er zahlreiche Firmen in diesem Bereich aufgekauft hat : SuccessFactors, Callidus, Qualtrics, Ariba,SuccessFactors, etc etc. Damit hatte Jennifer nichts am Hut. Erst letztes Jahr hat Sie diesen bereits gut funktionierenden Bereich übernommen. Sie ist aber eine sehr kompetente Frau, das muss man Ihr lassen.
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