Jerome Powell Trumps neuer Mann für die Zinsen

Donald Trump besetzt einen der wichtigsten Posten der Weltwirtschaft neu: Ex-Investmentbanker Jerome Powell soll Chef der Notenbank Fed werden. Er soll die Zinsen heben - aber nicht zu hoch.
FUS-Präsident Trump, künftiger Fed-Chef Powell

FUS-Präsident Trump, künftiger Fed-Chef Powell

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Donald Trump liebt Inszenierungen, bei denen er seine Macht zeigen kann. Da ist so etwas wie die Ernennung eines neuen Notenbankpräsidenten ganz nach seinem Geschmack.

"Die Leute warten unruhig auf meine Entscheidung, wer der nächste Chef der Fed sein wird", verkündete der US-Präsident Ende vergangener Wochein einem eigens produzierten Instagram-Video. "Ich habe jemand sehr besonderem im Kopf", orakelte Trump gewohnt selbstverliebt. "Ich glaube, jeder wird beeindruckt sein."

Jetzt, da die Entscheidung raus ist, scheint die Überraschung nicht ganz so groß, wie Trump es sich vielleicht erhofft hatte. Mit Jerome Powell hat der Favorit das Rennen gemacht, ein Mann ganz nach Trumps Geschmack. Ein Praktiker, weniger ein Denker - und vor allem keiner, der dem Präsidenten die Show stehlen wird.

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Mit Powell geht Trump auf Nummer sicher. Der 64-jährige sitzt bereits seit fünf Jahren im Direktorium der Fed und kennt die Abläufe genau. Da er bisher noch nie gegen eine Entscheidung der Notenbankspitze gestimmt hat, dürfte unter ihm auch keine große Kehrtwende in der Geldpolitik zu erwarten sein.

Sollte Powell sein Amt antreten, wäre er der erste Fed-Chef seit drei Jahrzehnten, der keinen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften hat. Er kommt eher aus der Praxis. Bevor er 2012 zur Notenbank wechselte, arbeitete der gelernte Anwalt unter anderem als Investmentbanker beim Finanzinvestor Carlyle, wo er zum Multimillionär aufstieg. In den Neunzigerjahren war Powell zudem für das US-Finanzministerium unter Präsident George H.W. Bush tätig.

Das Erbe, das Powell nun als Fed-Boss antritt, ist gewaltig. Denn seine beiden Vorgänger haben während und nach der Finanzkrise enorm gute Arbeit geleistet. Als 2008 das Finanzsystem und die Weltwirtschaft zusammenzubrechen drohten, wusste der damalige Fed-Chef Ben Bernanke die richtige Antwort. Er pumpte jede Menge Dollar in das System, senkte die Leitzinsen auf null und kaufte in großem Stil US-Staatsanleihen auf - eine Politik, die Amerika und die Weltwirtschaft womöglich vor einer großen Depression bewahrte.

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Seine Nachfolgerin Janet Yellen, wie Bernanke eine renommierte Professorin, meisterte die mindestens ebenso schwere Aufgabe, aus der ultralockeren Geldpolitik wieder herauszukommen. Sie fuhr die Anleihekäufe auf null zurück und hat den Leitzins bereits vier Mal erhöht, ohne die Finanzmärkte in Turbulenzen zu versetzen - eine Aufgabe, die dem Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, noch bevorsteht (siehe Grafik).

Den nächsten Zinsschritt in den USA erwarten Experten im Dezember, es dürfte der letzte in Yellens Amtszeit als Präsidentin sein, Anfang Februar muss sie abtreten. Eine zweite Amtszeit wollte Trump der 71-Jährigen nicht gönnen, zu eng ist ihre Verbindung zu den Demokraten.

Powell dagegen ist Republikaner und dürfte schon deshalb gute Chancen haben, vom US-Senat als Fed-Präsident bestätigt zu werden, obwohl seine geldpolitische Linie einigen konservativen Senatoren zu weich ist. Powell gilt ähnlich wie Yellen als Verfechter einer eher vorsichtigen Zinserhöhungspolitik. Für ihn ist das Wirtschaftswachstum wichtiger als ordnungspolitische Überlegungen - eine Linie, die Trump gefällt.

Es gilt deshalb als unwahrscheinlich, dass der Leitzins, der derzeit bei 1 bis 1,25 Prozent liegt, in absehbarer Zeit wieder auf alte Höhen von 5 Prozent oder mehr steigen wird. Spätestens bei 2,75 Prozent werde Schluss sein, schätzen Experten. Die Ära der Niedrigzinsen würde damit erst mal weitergehen.

Auf einem anderen Gebiet könnte Powell dagegen mehr ändern: bei der Regulierung der Banken. Während Yellen jegliche Forderungen der Wall Street nach Lockerung der verschärften Regeln eisern widerstand, gilt Powell als durchaus gesprächsbereit.

So hat er sich in der Vergangenheit etwa dafür ausgesprochen, die sogenannte Volcker-Regel wieder aufzuweichen. Die Regel war nach der Finanzkrise eingeführt worden und verbietet Banken, die Kundengelder verwaltet, den Handel auf eigene Rechnung an den Finanzmärkten. So sollen bei neuen Finanzkrisen, Ansteckungseffekte vermieden werden.

Powell will die Volcker-Regel und einige andere Regulierungen aus der Zeit nach der Finanzkrise überarbeiten, um die Banken von Bürokratie zu entlasten, wie er sagt. Im Kern sollen die Reformen aber erhalten bleiben.

Trump dagegen könnte eine noch weiter gehende Lockerungen der Regulierung vorantreiben. Eine Frage, wird deshalb auch sein, wie er und Powell persönlich miteinander auskommen. Weggefährten beschreiben Powell als ruhigen, ausgleichenden Mann mit guten Manieren - also das genaue Gegenteil des oft ungehobelt und aufbrausend auftretenden Trump. Aber vielleicht passen in diesem Fall ja gerade die Gegensätze gut zusammen.

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